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Olympia ist unsere Heimat - Diese Münchner leben im Dorf in der Stadt

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Von: Phillip Plesch

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Eva (li.) und Maren Willkomm leben gerne im Olydorf.
Fühlen sich wohl: Eva (li.) und Maren Willkomm leben gerne im Olydorf. © ACHIM FRANK SCHMIDT

Kein Ereignis hat München nach dem Zweiten Weltkrieg mehr geprägt als die Olympischen Spiele 1972. In einer neuen Serie zum 50. Jubiläum erinnern wir an das Leben von damals. Heute im Fokus: das Olympiadorf.  

Wer an der U-Bahn-Haltestelle Olympiazentrum aussteigt, über die Rolltreppe nach oben fährt und anschließend eine kurze Rampe erklimmt, gerät in eine Welt, die so ganz anders ist als das restliche München: das Olympiadorf. Mit seinen Betonbauten, den Hochhäusern und den kleinen Bungalows - ein Dorf mitten in der Großstadt.

Entstanden ist es 1972 zu den Olympischen Spielen. Nach anfänglicher Skepsis entwickelte es sich nach ein paar Jahren zu einem beliebten Viertel, auf das vor allem seine mehr als 6000 Bewohner stolz sind.

„Meiner Meinung nach gibt es keinen besseren Ort. So viel Infrastruktur und trotzdem im Grünen“, findet Maren Willkomm. Die 48-Jährige zog 1975 als Kleinkind mit ihren Eltern ins Olympiadorf. Ende der 1990er Jahre verließ sie ihre Heimat, um 2015 nun mit ihrer eigenen Familie zurückzukehren - wie viele andere ehemalige Bewohner auch.

Das Olympiadorf: Zwischen Anonymität und Gemeinschaft

Ausschlaggebend dafür: „Das Leben hier ist kinder- und familienfreundlich“, sagt Willkomm. Die Kleinen können frei herumlaufen und selbstständig zu einem der vielen Spielplätze gehen. Es gibt eine Krippe, einen Kindergarten und eine Grundschule.

„Man kann hier leben und die Anonymität genießen, wenn man möchte - wenn man aber Lust hat, sich zu vernetzen, hat man auf jeden Fall die Möglichkeit dazu“, sagt Eva Willkomm (38), die Schwägerin von Maren. Die Männer der beiden, Tobi und Axel, sind Brüder. Maren kennt sie schon seit ihrer Kindheit, denn die zwei sind mit den Eltern und ihrer Schwester im Olympiadorf aufgewachsen. Hier lebt die ganze Familie auch heute. Wie in einem Dorf.

Das Olympiadorf von oben 2022
Das Olympiadorf: Vorne die Bungalows der Studenten, hinten die Hochhäuser, die das Dorf nach außen abgrenzen. © Achim Frank Schmidt

Denn wem es hier gut gefällt, der geht nicht einfach so wieder fort. Die Bewohner sind über all die Jahre zu einer lebendigen Gemeinschaft geworden. Im Zentrum des Olydorfs gibt’s eine Ladenstraße mit Supermarkt, Bio-Laden, Apotheke, Bank, Friseur, Post und allem, was man sonst so im Alltag braucht.

Anwohner sind eine „total gute Mischung“

Man kennt sich, trifft sich zum Plausch. Nicht selten spricht einen die Kassiererin mit Namen an. Dabei sind die Menschen hier so unterschiedlich wie sonst in kaum einem Viertel der Stadt. Maren Willkomm sagt: „Es gibt eine total gute Mischung, sowohl der Nationen als auch der Generationen und der sozialen Herkunft. Eine Vielfalt, die super ist.“

Das liegt auch daran, dass von der Ein-Zimmer-Wohnung über 140-Quadratmeter-Riesenbungalows bis hin zu zweistöckigen Penthouse-Wohnungen mit Dachterrasse unterschiedlichste Wohnmöglichkeiten angeboten werden. Sogar der eine oder andere Promi hat im Olympiadorf sein Zuhause gefunden.

Das Einzige, was Maren und Eva Willkomm im Olydorf fehlt, ist eine nette Tagesbar, in der man gemütlich sitzen und quatschen kann. Sonst aber haben sie hier ihr Glück gefunden, spazieren durch die Anlage mit ihren Grünflächen zwischen den Häusern, besuchen das Tollwood oder andere Events im Park - und lauschen gerne den Live-Konzerten, deren Klänge aus dem nahegelegenen Stadion bis ins Olympiadorf hineinschallen. Wie in einem richtigen Dorf eben, wenn Feste und Konzerte alle unterhalten - von jung bis alt, von arm bis reich.

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