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Kultusminister Ludwig Spaenle (l.) und Dan Shaham, Israels Generalkonsul in München, bei der Vorstellung der Gedenkstätte.

Olympiapark: Anwohner signalisieren Zustimmung

Attentats-Gedenkstätte am Lindenhain?

Die Standortsuche für eine Gedenkstätte für das Olympia-Attentat von 1972 ist einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Die Anwohner sind mit dem Vorschlag, das Projekt am Lindenhain im Olympiapark zu bauen, einverstanden.

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) hatte sich das alles viel einfacher vorgestellt, als er im September die Pläne für eine Olympia-Attentats-Gedenkstätte im Olympiapark vorstellte. Statt breiter Zustimmung folgten massive Proteste von Anwohnern, die sich von Spaenle übergangen fühlten. Es folgte ein zweiter Vorschlag: abgelehnt. Dann ein dritter – und der könnte es nun tatsächlich werden.

Der sogenannte Lindenhain wird wohl bald Standort für die Gedenkstätte „Olympiaattentat 1972“. Zumindest sprachen sich die Anwohner des Olympischen Dorfes bei einer Begehung mit dem Münchner Landtagsabgeordneten Michael Piazolo (Freie Wähler) einvernehmlich für Spaenles jüngsten Vorschlag aus. Piazolo ging es vor allem um den Dialog mit den Bürgern, nachdem die beiden ersten Vorschläge für einen Standort auf dem Connollyberg nach den Anwohner-Protesten wieder verworfen worden waren.

Zuletzt hatte Spaenle für Unmut gesorgt, weil er zu einem Workshop zur „Optimierung des Projekts am Standort Studentenhügel“ einlud. Das sei kein Diskussionsvorschlag, bemängelt Karl Ilgenfritz von der Fraktion Freie Wähler/ÖDP in Milbertshofen und Am Hart. „Wenn im Prinzip schon alles festgezurrt ist und nur in Nuancen verändert werden kann, dann kann man nicht von Bürgerbeteiligung sprechen.“ Auch mancher Anwohner war verstimmt: „Uns hat besonders gestört, dass es einfach geheißen hat, hier kommt jetzt ein Denkmal hin“, sagt Student Leo Hoyer, der im Olympischen Dorf lebt. „Entschieden von zwei, drei Politikern, anstatt die Bürger zu fragen.“

Dementsprechend waren die Vertreter der drei Interessensgemeinschaften von Piazolos Besuch angetan. „Es ist jetzt so, wie es am Anfang hätte laufen sollen“, sagt Christoph Rothe von der Initiative für den Connollyberg. Als „sehr positiv“ empfand auch Manuela Feese-Zolotnitski von der Einwohnerinteressensgemeinschaft (EIG) die Diskussion mit dem Landtagsabgeordneten.

Mit dem Standort am Lindenhain scheinen für die Interessensgruppen die Minimalforderungen nun erfüllt. Auch wenn die Sorge bleibt, Vandalismus könnte das Aufstellen von Videokameras bringen. „So etwas möchten wir natürlich nicht“, sagt Hoyer. Einig sind sich die Anwohner auch, dass ihnen ein nacktes Denkmal nicht reicht. Es sollte ein Informationszentrum oder Museum geben, um es auch für Menschen, die nach 1972 geboren wurden, interessant zu machen. „Ich möchte meinen Kindern den Gegensatz der Olympischen Spiele von 1936 und 1972 zeigen. Was die Spiele von 1972 für Demokratie und Freiheit bedeuteten und was für einen Schnitt das Attentat damit darstellt“, sagt Manuela Feese-Zolotnitski.

Diskutiert wird weiter, ob nicht der stillgelegte Busbahnhof in Form eines Besucherzentrums einbezogen werden könnte. Der Busbahnhof gehört der Stadt. Piazolo versprach, anzustoßen, dass Stadt und Land sich auf ein Gesamtkonzept einigen. „Was mir nicht reicht, ist, irgendwo ein Denkmal hinzustellen, wo man dann vorbeiläuft.“ Der Standort am Lindenhain soll es in jedem Fall werden. „Uns ist wichtig, dass es jetzt vorangeht“, sagt Feese-Zolotnitski. Für Mitte April ist ein neuer Workshop angesetzt: Dann soll gemeinsam mit den Anwohnern geplant werden, wie die Gedenkstätte am Lindenhain aussehen soll. Die Anwohner hoffen, dass die Politik künftig zuerst den Dialog sucht.

Caspar von Au

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