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Abendstimmung: Im Vordergrund sind die Studenten-Bungalows zu sehen, dahinter Blöcke des Olympischen Dorfs.

Buch würdigt unterschätzte Plattenbauten

Olympisches Dorf: nette Nachbarn, großartige Architektur

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München - Wer auf die Plattenbauten des Olympischen Dorfs schaut, der glaubt an eine anonyme Großstadt-Siedlung. Zu Unrecht. Ein Buchprojekt stellt jetzt eine ziemlich zufriedene Nachbarschaft vor – und großartige, zeitlose Architektur.

Große Brille, Schirmmütze, rote Turnschuhe: Vom Auftritt her würde Nick Frank noch als Student durchgehen. Unter den Nachwuchs-Akademikern im Olympischen Dorf will der Fotograf aber nicht mehr wohnen. „Ich bin ja doch schon 40“, sagt er. „Das wäre mir zu hektisch hier.“ Andernorts im Dorf würde er aber sofort einziehen. „Es gibt großartige Penthouse-Wohnungen, die zu beiden Seiten ausgerichtet sind!“, schwärmt Frank.

Fotograf: Nick Frank war für das Projekt jahrelang im Olympischen Dorf unterwegs.

Der Mann muss es wissen. Er kennt hier jede Ecke. Drei Jahre lang war er unterwegs auf den Gassen des Dorfs, suchte nachts die richtigen Orte zum Fotografieren, porträtierte Olympianer in ihren Wohnungen. Gemeinsam mit dem Fotografen Christian Vogel und der Autorin Anne Berwanger hat er einen großartigen Bildband geschaffen, der jetzt im rührigen Münchner Volk-Verlag erschienen ist („Habitat – das Olympische Dorf in München“, 192 Seiten, 29,90 Euro).

Zu sehen sind Fotos, die den Blick schärfen für die besondere Schönheit dieses Ortes. Für die Formen und das Design der 70er-Jahre, die in so vielen Details stecken. Und zu sehen sind viele, viele Bewohner. „Die Offenheit der Leute“ habe ihn am meisten überrascht, sagt Frank. Fast alle ließen sie in ihre Wohnungen – und fast alle schwärmen vom Zusammenleben. Davon, dass das Dorf eben tatsächlich etwas Dörfliches hat. Man sich kennt. Die Kinder draußen spielen lässt, weil die Autos ja unterirdisch fahren.

Kleiner Fehler: Ein Skifahrer hat bei Sommerspielen eigentlich nichts zu suchen.

Zu einem Dorf gehört natürlich auch eine Dorfkneipe. Viele Bewohner würden sich ja auch ein besseres Restaurant wünschen, erzählt Frank. Bisher gibt es zumindest die „5 Rings Sportsbar“ in der Ladenpassage, die im Buch vorgestellt wird und mit Dart-Scheibe, Bundesliga-Stecktabelle und Fußball-Trikots an der Wand offensichtlich eher hemdsärmelig daherkommt. Hier sei Fotograf Vogel öfter versackt und habe Kontakte zu den Bewohnern hergestellt, erzählt Frank.

Die Vielfältigkeit der Bewohner im Dorf hat ihn besonders beeindruckt. „Hartz-IV-Empfänger, Manager, Studenten“ lebten hier zusammen, betont er. „Das ist eine Mischung, die es sonst nirgendwo in München gibt.“

Futuristisch: Einfahrt für Autos.

Auf den Porträts im Buch fällt auf, wie stolz die Bewohner auf ihr Dorf sind – und auf seine Geschichte. Die Olympischen Sommerspiele 1972 sind allgegenwärtig. In den Wohnungen hängen Plakate, auf Regalen sitzt Olympia-Maskottchen Waldi in der Plüsch-Version. Das Olympia-Attentat wird im Buch hingegen nur ganz am Rand gestreift – es sollte ums Heute gehen, nicht um die Geschichte.

Heute kennen viele Münchner die bunten kleinen Studenten-Bungalows, deren farbenfrohe Bemalungen das Buch natürlich auch zeigt. Spannender aber sind die Blicke, die wirklich überraschen. Auf Beton-Treppen, die plötzlich schön wirken. Das Olympia-Piktogramm mit dem Fehler, dass ein Skifahrer gezeigt wird (Sommerspiele!).

Rund: Eine Treppe im Olympischen Dorf.

Und Frank hätte noch viel mehr zeigen können. Der Mann schwärmt von Aufzügen, in denen noch jedes Detail aus den 70er-Jahren stammt („eine Zeitreise!“) und verlassenen Autowracks in den unteren Ebenen. Ob er sein Olympisches Dorf nicht manchmal vermisst, jetzt, da das Projekt abgeschlossen ist? Da grinst Frank, der Fotograf. Er hat soeben ein neues Projekt begonnen: Frank macht jetzt Polaroid-Fotos. Vom wunderbaren Waschbeton-Dorf mitten in der Stadt.

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