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Die alte Trabrennbahn in Daglfing.

Urteil

Warum die Trabrennbahn Daglfing verlassen muss

  • Philipp Vetter
    VonPhilipp Vetter
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München - Krachende Niederlage vor Gericht: Der Münchner Trabrennbahn-Verein bekommt sein Gelände in Daglfing nicht zurück und muss nun wohl nach Maisach umziehen.  Die Mitglieder sind schockiert.

Sie hatten sich auf einen langen Prozess eingestellt beim Münchner Trabrenn- und Zucht-Verein (MTZV) aus Daglfing. Der Termin am Dienstagmorgen im Justizpalast sollte nur ein Zwischenschritt sein, vermutlich würden die Richter verkünden, welche Zeugen zu hören und welche Fragen zu klären sind. Nichts Spannendes, nur sieben Zuschauer waren gekommen, viele von ihnen Vereinsmitglieder. Doch dann machte die 10. Zivilkammer des Münchner Landgerichts kurzen Prozess und sprach gleich ihr Urteil, ganz ohne Zeugen. Die Richter schmetterten die Klage des Pferdesportvereins ab, der versucht hatte, so sein Rennbahngrundstück zurückzubekommen. Der Kaufvertrag gilt, urteilten die Richter, die Traber müssen Daglfing verlassen.

„Ich bin schockiert“, sagte MTZV-Präsident Peter Schraegle unserer Zeitung. Das Urteil sei „nicht nachvollziehbar“. Der Verein hatte das Grundstück 2005 in höchster finanzieller Not an den niederbayerischen Immobilieninvestor Günther Karl verkauft, den man in München noch von den Wirren rund um die Schrannenhalle kennt. 11,5 Millionen Euro zahlte Karl und versprach zusätzlich in Maisach (Kreis Fürstenfeldbruck) eine Ersatz-Rennbahn für den Verein zu bauen. Doch bares Geld bekam der Verein fast keines. Denn Karl zahlte den Kaufpreis vor allem, indem er dem MTZV 9,8 Millionen Euro Schulden erließ. Den Handel schloss der damalige Präsident Max Stadler ab. Doch als die Vereinsspitze 2011 wechselte, fühlte sich der MTZV über den Tisch gezogen. Denn das Grundstück war laut Gutachten des Vereins viel mehr wert gewesen – bis zu 50 Millionen Euro. Sollte das Areal in Zukunft Bauland werden, könnte der Wert sogar auf 100 Millionen Euro steigen. Der neue Vorstand um Peter Schraegle fühlte sich getäuscht, die Notlage des Vereins sei ausgenutzt worden. Man zog vor Gericht – und verlor.

Urteilsbegründung: Der Verein ist selbst Schuld

Das Urteil liest sich deutlich. Es gebe schlicht keine vergleichbaren Grundstücke, so dass sich nicht ermitteln lasse, ob der Preis deutlich zu niedrig sei. „Bei dem Grundstück handelt es sich um eine der letzten großen Freiflächen in der Landeshauptstadt München“, schreiben die Richter in ihrer Begründung. Außerdem hänge der Wert des Grundstücks von der besonderen Situation ab, in die sich der Verein manövriert hatte: Es musste möglichst schnell ein Investor her, sonst hätte man Insolvenz anmelden müssen. Dass der Preis „dann möglicherweise niedriger gewesen sein mag, als dies zu erzielen gewesen wäre, wenn man in aller Ruhe langfristig einen geeigneten Käufer für das Grundstück hätte suchen können, liegt auf der Hand“ und sei nicht dem Käufer Karl anzulasten, so die Richter. Kurz gesagt: Der Verein ist selbst Schuld.

„Bei der Entscheidung des Landgerichts handelt es sich um ein dramatisches Fehlurteil“, teilte der Anwalt des Vereins, Frederik Foitzik, mit. „Sollte sich die Insolvenz noch abwenden lassen, werden wir auf jeden Fall in Berufung gehen.“ Tatsächlich scheint die Zukunft der Münchner Trabrennbahn so ungewiss wie noch nie. Der Verein muss Daglfing zwar nicht sofort verlassen, weil es derzeit noch keine Ersatz-Rennbahn gibt. In Maisach bestehen noch naturschutzrechtliche Bedenken, deshalb gibt es derzeit keine Baugenehmigung. „Die können so lange bleiben, bis die Bahn in Maisach fertig ist“, versicherte Investor Karl unserer Zeitung nach dem Urteil. „Wir werden die Bahn so schnell wie möglich fertigstellen.“

Vereinsmitglied: "Das ist echt traurig"

Doch unklar ist, ob ein Umzug überhaupt Sinn ergibt. Viele Mitglieder würden den Verein wohl verlassen, wenn sie nach Maisach ziehen müssten. 80 Prozent würden wohl nicht nach Maisach fahren, schätzt Vereinsmitglied Richard Horvath im Gericht. Ein Schuldiger für die jetzige Misere ist schon ausgemacht: „Die Wahrscheinlichkeit, mit diesem Vorstand fortzubestehen ist Null“, sagt Horvath. „Es ist echt traurig.“ Schon jetzt macht der Verein jedes Jahr einen Verlust von mehr als 250 000 Euro. Auch andere Mitglieder kritisieren den Vorstand. „Jetzt muss er gehen“, sagt eine Zuschauerin. Sie meint Präsident Schraegle. „Dieser Vorstand ist klar mit diesem Urteil verbunden“, sagt auch Johann Lugauer, der bereits ausgetreten ist. „Dann sollen sie ihr Ding selber machen“, sagt Schraegle. „Ich habe versucht, dem Verein sein Vermögen zu sichern, das er leichtfertig verspielt hat.“

Philipp Vetter

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