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Weil Decken herabfallen könnten, wurden die Container am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium gesperrt. Das hat den Platzmangel weiter verschärft.

Eklatanter Platzmangel

Hilferuf aus Münchens größtem Gymnasium

München - Im Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium herrscht Platz-Notstand. Die Bogenhauser Schule ist seit Jahren überbelegt, eine Lösung für das Raumproblem scheint nicht in Sicht. Im Gegenteil. Wegen klammer Kassen will das Schulreferat offenbar wieder auf alte Pläne zurückgreifen. Für die Schule eine Katastrophe.

Mit knapp 1300 Schülern ist das Wilhelm-Hausenstein (WHG) das größte Gymnasium der Stadt. Eigentlich ist es nur für etwa 900 Kinder ausgelegt. Seit 2007 wird über verschiedene Baumaßnahmen diskutiert. Mit einem Teil wurde vor zwei Jahren bereits begonnen. Der Anbau brachte neue Lehrsäle, allerdings nur sieben weitere Klassenzimmer. „Das war Raum für 210 Schüler, wir sind im gleichen Zeitraum aber um 500 Schüler gewachsen“, erklärt Schulleiter Wolfgang Hansjakob.

2013 wurden dann die Kisten gepackt, weil Sanierung und Umbau endlich losgehen sollte. Und sofort wieder ausgepackt, weil kurzfristig alles gestoppt wurde. Die Schule brauche auch eine komplette energetische Sanierung, so die Begründung. Seitdem hängt man in der Luft. Im Februar wurde die Schulleitung über eine „räumliche Optimierung“ informiert. Der Innenhof des WHG sollte nun tiefer gelegt und überbaut werden. „Da wird so weit eingegriffen, dass kein Unterricht mehr möglich ist“, sagt Hansjakob. Egal, ob mit oder ohne Innenraum-Baustelle, eine Generalsanierung würde auf jeden Fall eine Auslagerung in Container bedeuten. Was nach allgemeiner Schätzung bis 10 Millionen Euro teurer würde. Nach Informationen des Schulleiters hat die Kämmerei offenbar Einspruch gegen die Rechnungen des Schulreferats eingelegt. „Wir können das nicht nachvollziehen, weil wir keinerlei Informationen über die Kosten haben.“ Jedenfalls wurde abgespeckt. Mit der aktuellen Minimallösung, die rund 1000 Quadratmeter weniger bedeuten würde, könne die Schule jedenfalls nicht leben, betont Hansjakob. „Am Ende wären es 54 Klassenzimmer, wir brauchen aber schon nach heutiger Rechnung unbedingt 55 Unterrichtsräume.“ Allein zum neuen Schuljahr stieg die Schülerzahl um vier weitere Klassen. Um keine weitere Klasse aufmachen zu müssen, wies das WHG 15 Kinder ab.

„Was passiert, wenn erst das Prinz-Eugen-Areal bebaut wird“, fragt sich Elternbeirätin Dagmar Ruhwandl. Zudem würden in den Bogenhauser Grundschulen bereits steigende Schülerzahlen verzeichnet. „Wir wissen nicht, wohin dann mit den Schülern.“ Das Ganze werde eskalieren, wenn nicht schnellstens saniert und erweitert werde. Das Wilhelm-Hausenstein ist das einzige gemischt-geschlechtliche Gymnasium im Stadtviertel. Derzeit sei die Rede von Baustart 2018 und frühester Fertigstellung 2020.

Inzwischen stelle sich aber auch die Frage, ob ein kompletter Neubau nicht wirtschaftlicher wäre, meint Oberstudiendirektor Hansjakob. „Ein Neubau auf dem heutigen Sportgelände, dann den Altbau abreißen.“ Kurz vor Allerheiligen hatte er erfahren, dass bei den Containern an seiner Schule ebenfalls die Gefahr herabfallender Decken besteht. „Ich habe die Container umgehend gesperrt.“ Seitdem wandern bis auf weiteres vier Klassen auf der Suche nach freien Räumen durchs Haus.

Im Bezirksausschuss Bogenhausen reagierte man entsetzt auf die Schilderungen. Die Stadt soll nun schnellstens erklären, wie die weiteren Planungen aussehen. Zudem müsse man überlegen, ob der Münchner Nordosten nicht ein weiteres Gymnasium brauche, so Robert Brannekämper (CSU). Im Februar will der Stadtrat über die Platz-Not im WHG beraten.

Carmen Ick-Dietl

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