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Das Opfer und der Retter: Verkäuferin Giulia (22) wurde am vergangenen Freitag überfallen - ihr Nachbar, der Pizzabäcker Hawre R. (26), eilte ihr sofort zu Hilfe und überwältigte den Täter.

Überfall mit Schreckschusspistole

Pizzabäcker überwältigt Räuber (16) - doch der büxt wieder aus

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München - Weil sie mitbekamen, dass ein 16-Jähriger gerade ein Geschäft in der Isarvorstadt überfiel, griffen Passanten ein und überwältigten den Täter. Später floh dieser aus dem Krankenhaus.

Vielleicht hat er zu viele Actionfilme gesehen. Jedenfalls gleicht das, womit ein 16-Jähriger seit Freitag die Münchner Polizei und einige Bürger in Angst und Atem hält, beinahe einem Hollywood-Drehbuch. Noch ist der Täter nicht gefasst, die Polizei fahndet mit Hochdruck.

Freitag, 30. Dezember, 18.30 Uhr: Ladenschluss bei Sewa, einem Geschäft für Haushaltsbedarf an der Lindwurmstraße. Die Verkäuferin Giulia G. bringt das Wechselgeld aus der Kasse in den Keller, macht das Licht aus und will hinausgehen. Da drückt ihr ein Jugendlicher eine Pistole auf den Mund. „Ich habe sofort laut geschrien“, erzählt die 22-jährige Deutsch-Italienerin. Der Räuber drängt sie zurück in den Laden.

Schon den ganzen Tag über hat Giulia G. beobachtet, wie er mehrmals am Laden vorbeihuschte und Blicke hineinwarf. „Wo ist das Geld?“, fragt er immer wieder laut. Giulia G. erinnert sich: „Er war extrem panisch. Ich sollte still sein, sonst würde er mich umbringen.“ Im Licht einer Handy-Taschenlampe führt sie den Räuber in den Keller.

Durch die Schreie aber werden die Pizzabäcker aus dem Lokal nebenan auf den Überfall aufmerksam. Während Giulia G. dem Täter im Keller das Geld – laut Polizei insgesamt rund 3000 Euro – übergibt, schauen sich die Nachbarn im Laden um. Der Räuber fragt nach dem Notausgang. Giulia G. rät ihm, sich im Keller zu verstecken. Sie flüchtet nach oben. Wenig später versucht auch der 16-Jährige zu entkommen.

Doch er hat die Rechnung ohne die beiden Pizzabäcker von nebenan gemacht, darunter Hawre R. (26). Der Gastronom – wie der Täter ein Iraker – stürzt sich auf den 16-Jährigen und zieht ihm kurzerhand die Pizzaschaufel über den Kopf. Er nimmt ihm die Waffe weg und hält ihn fest, bis die Polizei eintrifft. Hawre R. sagt: „Ich bin froh, dass ich Giulia helfen konnte.“ Weil der 16-Jährige dabei eine Kopfplatzwunde erlitten hat, bringen ihn die Beamten in die nahegelegene Klinik an der Nußbaumstraße. Derweil erlässt der Ermittlungsrichter Haftbefehl gegen ihn.

Schüler flieht mit Sprung aus dem Fenster aus dem Krankenhaus

Aber das war’s noch nicht. Im Krankenhaus wird der Jugendliche versorgt und in seinem Zimmer von einem Polizisten bewacht. Doch als er am 31. Dezember gegen 19.40 Uhr medizinisch behandelt wird, verlässt der Beamte den Raum. Der Schüler nutzt die Gelegenheit: In Sekundenschnelle ist er am Fenster, öffnet es, springt aus dem ersten Stock und flüchtet. Die sofort eingeleitete Fahndung verläuft erfolglos – dabei bleibt es bis Redaktionsschluss gestern Abend.

Die Polizei brachte den Räuber zur Behandlung in die Nußbaumklinik. Dort sprang der 16-Jährige aus dem Fenster und ist seitdem auf der Flucht

Thomas Baumann, Vize-Pressesprecher der Münchner Polizei, nimmt die Beamten in Schutz, die den 16-Jährigen entkommen ließen. „Wenn er medizinisch versorgt wird, dann hat die Polizei nichts im Zimmer verloren“, sagt er. „Das ist Standard.“ Zuvor habe niemand damit gerechnet, dass der Jugendliche aus dieser Höhe – ungefähr vier Meter – springen würde.

Die Polizei schätzt, dass ihnen der junge Iraker, der seit längerem in Deutschland lebt und in Trudering wohnt, bald in die Fänge geht. Er ist ein alter Bekannter: Mehr als 20 Straftaten hat der Schüler schon auf dem Kerbholz, das meiste davon Diebstähle und Körperverletzungen. Laut Polizei befindet er sich in spezieller Betreuung. Seine Eltern seien verständigt worden, zahlreiche mögliche Anlaufstellen etwa bei Freunden seien bekannt.

Niemand wisse, wie es dem Entflohenen nach dem Sprung gehe, ob er Verletzungen davongetragen habe, sagte Baumann. Zudem dürfte der 16-Jährige auffallen: Weil es außer der Platzwunde auch einen Verdacht auf einen Schädelbruch gab, sei ihm das halbe Kopfhaar abrasiert worden. Und er sei strumpfsockert abgehauen.

Da die Polizei genug Anhaltspunkte hat, verzichtet sie bislang auf eine Öffentlichkeitsfahndung. Den flüchtigen Räuber könnte laut Polizei eine Haftstrafe erwarten.

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