Lernen zwischen Schafen und Bienen – das kann man jetzt mitten in München.

Die „Almschule“ im Werksviertel

Das wird Münchens unglaublichstes Klassenzimmer 

Lernen zwischen Schafen und Bienen – das kann man jetzt mitten in München. Auf der Dachgarten-Alm im Werksviertel sollen Kinder und Jugendliche in 60 Metern Höhe spielerisch über gesunde Ernährung, Umweltschutz und Landwirtschaft aufgeklärt werden. Gestern ging das Projekt an den Start.

München - Wie wird Wolle gesponnen, warum sind Insekten wichtig, woher kommt der Honig, warum ist Gemüse gesünder als Schokolade? Viele Kinder wissen darauf keine Antwort. Im neuen Werksviertel am Ostbahnhof gibt es nun einen Ort, an dem dieses Wissen spielerisch vermittelt werden soll. Der Dachgarten des „Werk3“ bietet dafür ideale Voraussetzungen. In 60 Metern Höhe gibt es sogar eine kleine Schafherde, die den Rasen ganz natürlich abgrast.

Das Programm wendet sich zunächst an Grundschulen und Vorschulkinder. In wechselnden Mitmach-Workshops zu Ernährung und Bewegung, Mensch und Natur sowie Landwirtschaft und Handwerk sollen Fragen aus dem Alltag der Kinder geklärt werden. Letztendlich sollen Kinder und Jugendliche dafür sensibilisiert werden, „wie eine ressourcenschonende und grüne Stadt in Zukunft funktionieren kann, wie natürliche Kreisläufe funktionieren und worauf sie in ihrem persönlichen Lebensstil achten sollten“, erklärt Nikolas Fricke, Beauftragter für Ökologie und Umweltbildung im Werksviertel.

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Zum Auftakt ist eine ganze Klasse der Montessori Balanschule aus Ramersdorf gekommen. In kleinen Gruppen pflanzen die Kinder Gemüse in Hochbeete, bereiten in der Almküche gesunde und leckere Mahlzeiten zu, beobachten einen Imker bei seiner Arbeit und verspinnen mit Spinnerfrauen aus Oberammergau Wolle von den fünf Schafen, die seit Herbst auf dem Dach im Werksviertel leben. Linus (11) haben es die Bienen angetan. Er sitzt bei Imker Josef und lässt sich alles erklären. „Ich finde es faszinierend, wie die Honig herstellen.“ Auch als Stadtkind ist er viel in der Natur. „Ich gehe mit meinem Hund immer im Wald spazieren.“ Und mit den Eltern im Urlaub zum Wandern. Obwohl man selbst den Pausenhof auf dem Dach der Schule hat, sind die Kinder von den Schafen und der Almhütte hoch droben auf dem Geschäftshaus sichtlich begeistert. Tastsächlich ist die Terrasse einer der ungewöhnlichsten Orte der Stadt.

„Kein Zoo, sondern ein besonderes Stück Natur“

„Die Almschüler lernen mit allen Sinnen und können ihre eigenen Erfahrungen machen – so bleibt das Erlernte besser haften“, sagt Maria Thon, Geschäftsführerin der BayWa-Stiftung. Die Stiftung setzt schon seit 20 Jahren weltweit Bildungsprojekte zu gesunder Ernährung um. Gemeinsam mit der Stiftung Otto Eckart hat man nun die Almschule auf dem „Werk3“ aufgezogen.

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Auslöser war der Einfall von Pfanni-Erbe und Werksviertel-Eigentümer Werner Eckart, auf dem begrünten Dach seines Gebäudes eine Almhütte zu bauen und Schafe weiden zu lassen. Das ließe sich doch auch gut mit einem Öko-Projekt verbinden, so der Gedanke. Schließlich wollte man „keine Kitsch-Alm, sondern echte Inhalte“, sagt Fricke. „Es ist ja kein Zoo, sondern ein besonderes Stück Natur mitten in der Stadt.“ Das auch zeigen soll, wie Städte in Zukunft wieder grüner werden können.

Das Konzept ist bisher einzigartig. Bei der Eckart-Stiftung würde man sich freuen, wenn sich andere Städte von der Almschule inspirieren lassen würden. Bis Herbst soll das Projekt richtig ins Laufen kommen. Auch ein eigener Klassenraum ist in Planung. Zudem sollen noch Hühner aufs Dach ziehen sowie ein Ameisenhotel. Dreimal die Woche sollen dann Kinder für jeweils zwei Stunden auf die Almschule gehen. Bei großer Nachfrage könne man das noch ausbauen, meint Thon. „Wir wollen den Kindern hier einfach die Nahrungs- und Naturkette näherbringen.“

Darüber hinaus will die Almschule die Kinder auch zu engagierten Naturbotschaftern machen, die zum Beispiel in Social-Media-Filmen und -Posts ihr Wissen aus den Workshops verarbeiten und verteilen. Und so vielleicht auch Altersgenossen für Umwelt- und Naturthemen begeistern.

Carmen Ick-Dietl

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