Beben im britischen Königshaus: Nach Missbrauchsvorwürfen - Prinz Andrew legt öffentliche Ämter nieder

Beben im britischen Königshaus: Nach Missbrauchsvorwürfen - Prinz Andrew legt öffentliche Ämter nieder
+
Einem 89-Jährigen wird in München nach 44 Jahren die Wohnung gekündigt.

Keine Einigung vor Gericht

89-Jähriger soll Wohnung nach 44 Jahren räumen - er bekommt ganz besonderen Unterstützer

  • schließen

Rudolf Kluge (89) bekommt nach 44 Jahren in seiner Wohnung die Kündigung. Seine Chance auf eine neue Wohnung ist gleich null. Nun meldete sich ein Ex-Vizekanzler zu Wort.

Update vom 3. September 2019: Muss der fast 90-jährige Rudolf Kluge seine Wohnung wegen einer Eigenbedarfskündigung verlassen? Er hatte geklagt - ein Gutachten könnte nun die Wende bringen.

München: 89-Jähriger soll Wohnung nach 44 Jahren räumen - Gabriel unterstützt ihn

Update vom 14. März 2019: Nach 44 Jahren flatterte dem 89 Jahre alten Rudolf Kluge die Kündigung seiner Wohnung ins Haus. Ein Gericht soll nun klären, ob der Münchner nach mehr als vierzig Jahren aus seiner Wohnung raus muss. Unterstützung erfährt der 89-Jährige nun unter anderem aus der Politik: Der ehemalige SPD-Vorsitzende sowie Vizekanzler Sigmar Gabriel meldete sich auf Twitter zu Wort.

„Einem 89-jährigen Rentner soll in München nach 44 Jahren die Wohnung gekündigt werden. Das ist unsozial.“ Gabriel, der aktuell für die SPD im Bundestag sitzt, äußert zudem einen konkreten Vorschlag. Er findet, es brauche ein Gesetz: „Ich finde, ein Gesetz muss her: Menschen über 70 darf die Wohnung nicht mehr gekündigt werden“, twittert der Bundestagsabgeordnete.

Keine Einigung vor Gericht: 89-Jähriger soll Wohnung räumen - nach 44 Jahren

Update vom 12. März 2019: Seit 44 Jahren wohnt Rudolf Kluge (89) in seiner Wohnung in Neuperlach. Doch im März 2018 kam überraschend die Kündigung per Post: Seine Vermieterin hat Eigenbedarf für die Dreizimmer-Wohnung angemeldet – und will den Senior auf die Straße setzen. Weil er sich weigert, hat sie ihn auf Räumung verklagt. Gestern kam es deshalb zum Prozess.

Vor dem Amtsgericht sagte zunächst der Sohn der Vermieterin (36) aus: Er brauche dringend eine Wohnung, weil die Beziehung zu seiner Lebensgefährtin in die Brüche ging. Mit ihr hat er einen Sohn (2), den er aber nur notdürftig beherbergen kann, wenn der Kleine zu Besuch ist. Denn der 36-Jährige wohnt übergangsweise selbst wieder bei seinem Vater in Giesing. „Ich habe einfach keine bezahlbare Wohnung gefunden“, sagte der IT-Fachmann aus.

Mehr News aus München: Namensvetter von FC-Bayern-Star erhält kuriose Anrufe: „Meistens waren es junge Frauen, die...“

Rechtlich ist der Eigenbedarf davon unberührt. „Die Not des Klägers spielt keine Rolle, es geht allein um das Besitzrecht“, führte der Anwalt der Vermieterin aus. Eigentümer dürfen jederzeit ihre eigene Wohnung wieder nutzen und die Mieter kündigen, wenn sie selbst Bedarf haben. So sah es tendenziell auch die Richterin.

Allein das Alter des Mieters spielt in diesem Fall eine besondere Rolle – und gilt rechtlich wohl als Härtefall. Ist einem 89-Jährigen wirklich noch eine Wohnungssuche zumutbar – und das in München? Darüber entscheidet das Gericht nun am 5. April. Zu einer gütlichen Einigung kam es nicht: Eine Umzugshilfe plus einjährige Auszugsfrist lehnte Rudolf Kluge ab. „Ich bin tief verwurzelt in Neuperlach und möchte in meinem Umfeld bleiben.

Wohnungskündigung nach 44 Jahren - Nun entscheidet das Amtsgericht

Update vom 11. März 2019: Am Dienstag geht es für Rudolf Kluge ums Ganze. Das Amtsgericht verhandelt über seine Eigenbedarfskündigung. Also darüber, ob der fast 90-Jährige seinen Lebensabend dort verbringen darf, wo er schon mehr als 40 Jahre lebt. Oder ob er rausfliegt aus seiner Wohnung. Die Eigentümer, die die Wohnung vor einigen Jahren kauften, haben ihm wegen Eigenbedarf gekündigt. 

Mehr News aus München: Frage nach Zigarette löst heftige Attacke aus: Polizei fahndet nach brutalem Schläger-Trio

In den vergangenen Monaten hatte Kluge daher beinahe sein Lebensmut verlassen - obwohl der Witwer an sich ein positiver Mensch ist. „Ich gehöre zu den Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg und habe es dann geschafft, mir hier mit meiner Frau Hedwig ein neues Leben aufzubauen. Die Kündigung fühlt sich an wie eine zweite Vertreibung aus meiner Heimat“, sagt Kluge. Seine Frau starb vor vier Jahren. Rudolf Kluge vermisst sie sehr. Doch hat ihm der erste Bericht der tz über die Eigenbedarfskündigung neuen Mut gegeben. Dutzende Leser schrieben dem Senior. Bei seinen Spaziergängen durch sein Neuperlach wird er wiedererkannt und freundlich angesprochen. 

Anwalt zeigt sich zuversichtlich: Muss Rudolf Kluge doch nicht umziehen? 

„Die Leute sagen mir, wie sehr sie mit mir fühlen.“ Sie hoffen, dass er seinen Lebensabend dort verbringen darf, wo er seit mehr als vier Jahrzehnten verwurzelt ist: In seiner Drei-Zimmer-Wohnung an der Kafkastraße 7. „Die ermutigenden Worte tun mir gut“, erzählt Kluge, als ihn die tz bei einem Spaziergang mit dem Nachbarshund Sammy begleitet. Dennoch: Die Eigenbedarfskündigung ist nicht vom Tisch. Allerdings ist der Anwalt des Seniors zuversichtlich. „Im Gesetz stehen Härtegründe, zu denen zählen Alter und Verwurzelung“, erklärt Mietrechtsfachanwalt Emil Kellner. Die Kündigung von Rudolf Kluge ist auch für den erfahrenen Mietrechtsanwalt ein „besonders krasser Fall.“ 

In seinen Augen verbietet hier das Gesetz eine Eigenbedarfskündigung. „Wenn das nicht genau die im Gesetz genannten Härtegründe sind. Wenn man im Klartext mit 89 Jahren noch zu jung und mit 44 Jahren Mietdauer noch nicht verwurzelt genug ist, damit das Gesetz hier greift - dann weiß ich nicht, was die Vorschrift überhaupt soll!“ Für seinen Mandanten sei seine vertraute Umgebung Lebenselixier: Etwa das Evangelische Hilfswerk, wo Kluge nach Kräften mitwirkt. Oder die Nachbarsfamilie, die ihm den Hund Sammy öfters anvertraut. 

Rudolf Kluge ist bei den Nachbarn sehr beliebt. 

Nun entscheidet das Gericht: kann Rudolf Kluge in seiner Wohnung in München bleiben? 

Ärzte und Psychologen sollen nun im Auftrag des Gerichts prüfen, ob Rudolf Kluge mit den Folgen eines Umzugs zurechtkommen würde. Sein Anwalt bezweifelt das. Ebenso, dass bei dem Sohn der Eigentümerin Eigenbedarf besteht. Anwalt Emil Kellner erscheint deren ganze Argumentation fragwürdig: „Man bestreitet auch, dass der Widerspruch gegen die Kündigung zugegangen ist, obwohl das Einwurfeinschreiben nachweislich rechtzeitig versendet wurde.“ Gegenüber der tz hat die Eigentümerin dies am Telefon nicht bestritten. Sie sagte aber, Rudolf Kluge würde nicht intensiv genug nach einer anderen Wohnung suchen. 

Lesen Sie auch: Nach „ein oder zwei Bier“: Liverpool-Fan verliert Kumpels - und spaziert in bizarrem Outfit durch München

Fakt ist: Der Senior hat kein Internet. Der Pfarrer druckt ihm Inserate aus, Kluge schreibt dann oder ruft an. Alles bislang vergebens. „Ich gehöre eben zum uralten Eisen, so jemanden will keiner mehr haben. Die Vermieter sagen sich alle: Hilfe, der stirbt mir dann bald, den lasse ich nicht einziehen“, sagt Kluge enttäuscht. Trost sei hier nur, dass die gesamte Nachbarschaft ihm das Gefühl gebe, er sei auch im hohen Alter noch erwünscht. Sein Albtraum: Ins Altenheim. „Das wäre für mich der absolute Horror“, sagt Kluge. „Keine Chance!“ 

Ursprungsartikel vom 14. Februar: Nach 44 Jahren von der Vermieterin gekündigt

Vor vier Jahren starb seine Frau Hedwig, Kinder hatten die beiden nicht. „Ich habe keine Verwandten, die mir helfen könnten, meine Nichte ist auch schon 80 Jahre alt und wohnt 600 Kilometer entfernt“, sagt Kluge. Jetzt könnte der Senior bald Umzugshelfer brauchen, obwohl er sich in seiner Wohnung in Neuperlach in der ersten Etage im Haus an der Kafkastraße 7 sehr wohl fühlt – und gar kein bisserl einsam. Denn Kluges Vermieterin hat ihm wegen Eigenbedarfs gekündigt.

Seit 44 Jahren ist der 89-Jährige hier zu Hause. Nun soll er ausziehen,

Vermieterin hat einen familiären Notfall

Die Vermieterin erklärt gegenüber unserer Zeitung, ihr Sohn brauche die Wohnung. Er sei von einem Tag auf den anderen bei seiner Frau rausgeflogen, mit der er einen Sohn habe. „Er braucht also drei Zimmer, damit der Sohn auch ein Kinderzimmer hat, aber eine Dreizimmerwohnung zur Miete findet er nicht“, sagt sie. Sie hätte sich nicht leicht getan, Rudolf Kluge zu kündigen. Doch suche der Senior aus ihrer Sicht nicht engagiert genug, denn als alter Herr sei er doch „vertrauenswürdig“, was auch die von ihr für ihn ausgestellte Vermieterbescheinigung besage. Dass ihm wegen des hohen Alters ein Umzug aus seiner gewohnten Umgebung schwerfällt, lässt sie als Argument nicht gelten: „Wir wollen ihn nicht schikanieren, sondern haben einen Notfall, und deshalb muss er raus.“

Video: Vor allem Rentner sind von Wohnungsnot bedroht

München: Für seine Nachbarschaft ist der Senior eine Bereicherung

Für Kluge ist das ebenfalls ein Nofall. Im Haus kennt und mag ihn jeder, er engagiert sich in der evangelischen Gemeinde. Auch die Vierbeiner in dem Viertel kennen und lieben den engagierten Senior. Nachbarshund Sammy, drei Jahre alt, wäre ohne Rudolf Kluge tagsüber sehr alleine – er beschäftigt sich tagsüber mit dem Tier. Auch die Hunde im Tierheim profitieren von der Tierliebe des Seniors, er führt einige von ihnen zwei Mal wöchentlich Gassi. „Vor allem im vergangenen Jahr haben mir die Tiere sehr geholfen, denn ich war fix und fertig, das Ungewisse ist das Schlimme, ich habe keine Ahnung, wie es weitergehen soll“, sagt Kluge rüblickend.

89-Jähriger bittet Mieterverein um Hilfe

Nach der Kündigung suchte der 89-Jährige Hilfe beim Mieterverein München. Der hatte zwei Monate vor Ablauf der Kündigungsfrist Widerspruch gegen die Kündigung eingelegt, in der vergangenen Woche war der Gerichtstermin. Herausgekommen sei dabei allerdings nichts, sagt Rudolf Kluge ein wenig verzweifelt. Die Vermieterin habe gar bestritten, dass er der Kündigung widersprochen habe, obwohl er das nachweisen konnte, denn sein Anwalt habe ein Einschreiben geschickt. „Es hieß, dass nun die Anwälte miteinander über mein Schicksal verhandeln“, sagt der Senior geknickt. Der Prozess wird fortgesetzt.

Mit knapp 90 Jahren auf Wohnungssuche in München

Kluge tut sich schwer bei der Wohnungssuche – allein schon, weil er keinen Zugang zum Internet hat. So hilft ihm der Pfarrer, druckt ihm Anzeigen aus und Kluge schreibt dann an die potenziellen Vermieter. Bislang allerdings vergebens. Kein einziger hat ihm auch nur eine Antwort zurückgeschickt. Für seine 80-Quadratmeter-Wohnung bezahlt er aktuell 1000 Euro warm. „Ich würde mich ja verkleinern, aber die Suche scheint mir immer aussichtsloser“, sagt er.

Wann darf der Vermieter einem Mieter außer Eigenbedarf noch kündigen? Wir erklären die wichtigsten Gründe. 

  • Bei Zahlungsausfall: Bei Zahlungsverzug kann der Vermieter ordentlich (mit Kündigungsfrist) und auch fristlos kündigen. 
  • Bei Unzumutbarkeit: Also Störung des Hausfriedens, Vermüllung der Wohnung, Beleidigung des Vermieters. Ungenehmigter Gewerbebetrieb in der Wohnung. 
  • Befristeter Mietvertrag: Ablauf der Laufzeit oder Eintritt des Befristungsgrunds. 
  • Überbelegung
  • Unberechtigte Untervermietung
  • Verwertungskündigung: Das Haus ist baufällig oder wird totalsaniert.

Lesen Sie auch: Nächtlicher Lärm, Beschimpfungen, Drohbriefe: Unsere Nachbarn terrorisieren uns und Masern-Alarm in McDonald´s-Filiale: Gesundheitsreferat warnt Bevölkerung

mlu

Das Finanzamt München hat von einer Vermieterin verlangt, die Miete drastisch zu erhöhen. Doch die wehrte sich gegen die Forderung der Behörde.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schulbus-Unfall in Neuperlach: Mann schwer verletzt - Großeinsatz der Feuerwehr
Bei einem Unfall mit einem Schulbus wurden am Dienstagvormittag mehrere Menschen verletzt. Ein Großaufgebot der Feuerwehr war vor Ort.
Schulbus-Unfall in Neuperlach: Mann schwer verletzt - Großeinsatz der Feuerwehr
Alarm in Haidhausen: Unbekannter wollte Kinder ins Auto locken - Polizei ermittelt
In Haidhausen wollte ein Unbekannter in der Nähe einer Grundschule zwei Mädchen in sein Auto locken. Die Polizei ermittelt.
Alarm in Haidhausen: Unbekannter wollte Kinder ins Auto locken - Polizei ermittelt
„U-Bahn-Service“ lässt Bürger vom Glauben abfallen: „Gehört abgeschafft“
Sie sind komfortabel und laut der MVG eine Frage der Sicherheit - doch manche haben Zweifel an den beheizten U-Bahn-Treppen.
„U-Bahn-Service“ lässt Bürger vom Glauben abfallen: „Gehört abgeschafft“

Kommentare