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Münchner Osten droht Nahverkehrs-Kollaps

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Von: Thomas Radlmaier

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© dpa (Symbolbild)

München - Die Bevölkerung und die Zahl der Arbeitsplätze im Münchner Osten wachsen. Der öffentliche Nahverkehr ist an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. Daher fordert ein Bündnis nun den Ausbau der S-Bahnlinie S2.

Ein Gau ist laut Duden der schwerste Störungsfall, der in einem Kernkraftwerk auftreten kann. Im übertragenen Sinne bedeutet Gau auch so etwas wie „katastrophale Folge“. Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) hat nun das Wort „Doppel-Gau“ verwendet, um zu beschreiben, was Gemeinden im Münchner Osten wie Feldkirchen, Heimstetten oder Poing und insbesondere deren Bevölkerung zukünftig drohe, sollte der öffentliche Personennahverkehr nicht bald ausgebaut werden. Schließlich würden erstens die Bevölkerung und die Zahl der Arbeitsplätze in der Region München-Ost stetig wachsen, was die Bahnstrecke im Münchner Osten deutlich belasten werde. Und zweitens führe der geplante Ausbau der Strecke Markt-Schwaben – Mühldorf – Freilassing dazu, dass die ohnehin überlastete Bahnstrecke nochmal deutlich mehr beansprucht werde. Um diesen „Doppel-Gau“ abzuwenden, so Böltl, müsse die S-Bahnstrecke erweitert werden.

So wie Böltl sehen das auch die Bürgermeister von Aschheim, Poing und Markt Schwaben sowie die Landräte von Erding, München und Ebersberg. Daher haben sie sich nun mit der Messe München, der Industrie- und Handelskammer sowie mehreren Stadt-, Landes- und Bundespolitikern zusammengeschlossen. Die parteiübergreifende Allianz nennt sich „S-Bahn-Bündnis Ost“. Die Intention ist klar: Der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) spricht von einem „Appell an den Freistaat und den Bund“.

Das Bündnis hat am Freitag seine Forderungen in der Messe München vorgestellt. Unter anderem soll die Bahnstrecke zwischen München-Riem und Markt Schwaben viergleisig ausgebaut werden, damit S-Bahnen im Zehn-Minuten-Takt verkehren können. Das soll nun in einem ersten Schritt im Bundesverkehrswegeplan angemeldet werden. Außerdem fordert das Bündnis, die Messe an die S-Bahnlinie anzuschließen.

Der Zusammenschluss ist gewissermaßen ein Hilferuf. Bis 2032 soll die Bevölkerung in den Landkreisen Erding, München und Ebersberg jeweils zwischen 13 und 16 Prozent wachsen. Niedergesäß berichtet vor diesem Hintergrund von dramatischen Szenen an Bahnhöfen: „In Poing kriegen wir die Leute vormittags gar nicht mehr alle in die S-Bahn rein.“ Und es werde künftig noch enger. Schließlich hinke das Verkehrsangebot im Münchner Osten den seit Jahren steigenden Einwohnerzahlen hinterher. Und das obwohl „die Zukunft und das Wohlergehen der ganzen Region und ihrer Menschen“ von der S-Bahn abhänge, „dem Rückgrat des Nahverkehrs“. Niedergesäß machte sich auch dafür stark, dass der Gewinn, den die Bahn mit der S-Bahn München erzielt, auch wieder in den Ausbau des örtlichen Nahverkehrs gesteckt werden solle. Er sprach von 150 Millionen Euro, die jährlich von München in die Berliner DB-Zentrale fließen würden.

Das Bündnis vertritt freilich auch wirtschaftliche Interessen. Mit dem Anschluss der Messe an die S-Bahn möchte Messechef Dittrich „die Anbindung an den Flughafen endlich verbessern“. Im Vergleich mit anderen Messestandorten hinke München schließlich in diesem Punkt hinterher. Er signalisierte, dass sich die Messe an den Kosten beteiligen würde. Einen genauen Betrag nannte Dittrich nicht. Zum zeitlichen Rahmen sagte er: „Wir sind keine Traumtänzer. Im nächsten Jahr wird es keinen Spatenstich geben.“

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