Bub seit September 2016 schwerstbehindert

Baby-Misshandlung mit dramatischen Folgen? Tagesmutter erzählt andere Geschichte

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Eine Tagesmutter soll ein Baby so kräftig geschüttelt haben, dass es nun schwerstbehindert ist. Nun steht sie wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht und muss mit einer langjährigen Haftstrafe rechnen. 

München - Bis zum Mittag spricht Richterin Nicole Selzam mit der Angeklagten: Über deren Lebenslauf, über den Job als Tagesmutter, den Angelika S. (53) schon seit 20 Jahren ausübt, es geht um die Kinder, die sie schon betreut hat, und schließlich um das Geschehen am 19. September 2016. Dem Tag, an dem der kleine Benedikt beinahe gestorben wäre – laut Anklage, weil Angelika S. ihn schüttelte.

Es ist ein angenehmes Gespräch, S. erzählt viel und gerne, die Atmosphäre ist gut. Und man spürt, wie die Richterin versucht, einen Draht zu der Tagesmutter aufzubauen. Denn es geht in diesem Prozess nicht nur um Schuld, sondern auch um Vertrauen: Je mehr Vertrauen die Angeklagte aufbaut, desto mehr versteht man ihre Situation. Und desto mehr gibt sie vielleicht preis – so die Taktik des Gerichts. Aber der Plan geht nicht auf. Rund fünf Stunden nach Prozessbeginn, als es endlich um die Tat geht, weist Angelika S. die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück.

Ärzte mussten Schädel des Babys öffnen

Laut Anklage hat die Tagesmutter den Buben geschüttelt – mit dramatischen Folgen: Benedikt ist seither schwerstbehindert und muss per Sonde ernährt werden. Er wird nie ein normales Leben führen können, kann nicht sprechen und nicht gehen.

Laut Anklage hatte die Tagesmutter den Bub zur Betreuung in Oberföhring. Weil Benedikt viel weinte und nicht einschlief, soll sie ihn misshandelt haben. Heftiges Schütteln ist für Babys potenziell tödlich. Angelika S. soll zwar noch den Notarzt gerufen, den Sanitätern aber nicht gesagt haben, was wirklich vorgefallen war. Auch in der Haunerschen Kinderklinik soll die Tagesmutter das Schütteln verheimlicht haben. Aufgrund der Schwere der Verletzungen mussten die Ärzte den Schädel des Babys öffnen. Trotz OP erlitt er bleibende Schäden.

Vor Gericht erzählt Angelika S. schließlich aus ihrer Sicht, was sich an dem verhängnisvollen Tag zugetragen haben soll: Der kleine Benedikt habe sich an einem Korb hochgezogen und sei dann gestürzt. „Ich hörte nur noch einen dumpfen Knall.“ Nachdem sie ihn getröstet habe, habe der Bub wieder gespielt. „Verletzungen habe ich nicht gesehen“, beteuerte die Tagesmutter. Wegen gefährlicher Körperverletzung droht der Frau jahrelange Haft. 

Rubriklistenbild: © dpa

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