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Sportvereine sehen Olympia 2018 skeptisch

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München - Was hat der Breitensport von der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2018? Einige Münchner Vereine befürchten Nachteile - und wollen ihre Unterstützung an finanzielle Zusagen knüpfen.

Norbert Kreitl will nicht, dass sein Sportverein unter Olympia 2018 leiden muss. Man unterstütze Olympia nur, „wenn von den politisch Verantwortlichen in Bund, Freistaat, Stadt München und Kommunen die klare Zusage erfolgt, dass für den Bau von vereinseigenen Sportanlagen und für die Aufgaben der Vereine weiterhin ausreichend öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt werden und keine Kürzungen erfolgen“. Zur Unterstützung dieser „Resolution“ hat der Vorsitzende des SV Neuperlach (SVN) alle bayerischen Sportvereine aufgerufen und die Resolution findet durchaus Beachtung, auch wenn noch die Unterschriften fehlen. „Es gibt jetzt schon einen erheblichen Nachholbedarf für Sanierung, Modernisierung und Neubau-Maßnahmen im Sportflächen- und Hallenbau“, sagt Kreitl. Allein in München würden für notwendige Sanierungsmaßnahmen 30 Millionen Euro fehlen; beim Bayerischen Landessportverband (BLSV) betrage der Antragsstau 60 Millionen. Vereine müssten derzeit bis zu sechs Jahre warten, bevor die Zuschüsse fließen.

Kreitl befürchtet, das dies mit Olympia noch schlimmer werden könnte. Schließlich habe Bundesinnenminister Thomas de Maizière erst vor kurzem erklärt, dass beim Sportstättenbau gekürzt werde, um die Förderung des Leistungssports gleich halten zu können. „Ohne Breitensport keine Spitze“, sagt der SVN-Chef und Ex-Stadtrat. „Auch wir wollen die notwendigen Mittel haben, um unseren Sport sinnvoll weiterführen zu können.“

Bei der Stadt und der Bewerbungsgesellschaft ist man etwas verstimmt. Das Weltevent sei eine riesige Werbung für den Sport, eine Lobbyarbeit der besonderen Art, sagt der langjährige Vorsitzende des Münchner Sportbeirats, Hans-Ulrich Hesse. In Kreitls Papier stünden zwar „viele richtige Dinge“, trotzdem rät Hesse den Vereinen dringend von einer Unterschrift ab. Denn eine erfolgreiche Olympia-Bewerbung bringe den Sport in eine Position, „in der man uns zuhört, eine Riesenchance!“. Man dürfe die Bewerbung jedoch nicht als „Druckmittel“ benutzen.

Die Resolution sei nur ein Appell an die Politik, sich schon vorab klarzumachen, dass sie die Vereine nach Olympia nicht mit leeren Kassen abspeisen dürfen, heißt es beim SVN. „Wann haben wir sonst die Möglichkeit, dass man uns zuhört“, schimpfte ein Vereinsvorstand.

Im Münchner Rathaus habe keiner wegen der Olympia-Bewerbung über eine Kürzung im Breitensport nachgedacht, versichern der Leiter des Sportamts, Rudolf Behacker, sowie die Stadträte Boris Schwartz (Grüne) und Ingo Mittermaier (SPD). Nur ein bedingungsloses Ja stütze die Bewerbung, alles andere störe bloß. „Es wäre doch schade, wenn München durch zu viel Kritik seine Chance auf die Austragung verspielen würde“, warnt Mittermaier.

Carmen Ick-Dietl

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