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Kleiner Schädling: der asiatische Laubholzbockkäfer.

150 Bäume müssen weichen

Laubholzbockkäfer: In Waldperlach wird jetzt gefällt

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München - Lange Zeit sind Münchens Gärten vom asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) verschont geblieben. Jetzt werden in Waldperlach ab Montag rund 150 Bäume auf Privatgrund gefällt – vorsorglich. In der Nähe war eine ALB-Larve in einem Ahornbaum gefunden worden.

Die Halteverbotsschilder stehen bereits. Ab Montag, 31. August, wird in Waldperlach eine Firma mit der Rodung von 150 Bäumen beginnen. Sie stehen in 34 privaten Gärten. Zum Teil war es eine Entscheidung von wenigen Zentimetern, ob ein Baum weiterleben darf oder nicht. Denn in einem Radius von 100 Metern um den Fundort des asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) müssen gemäß einer EU-Richtlinie mit wenigen Ausnahmen alle Bäume gefällt werden. Dadurch soll dem kleinen Schädling der Lebensraum entzogen werden. 

Anfang Juni entdeckten Fachleute in einem Ahornbaum am Rand des Putzbrunner Waldes, an der Ecke Stollstraße/Rübezahlstraße, eine lebende ALB-Larve, die kurz vor der Verpuppung und somit vor dem nahen Ausflug als Käfer stand. Genau auf der anderen Straßenseite, also nur wenige Meter vom Waldrand entfernt, beginnt Waldperlach. Der Ahorn musste weichen, da befallene Laubbäume nicht gerettet werden können und innerhalb weniger Jahre vollständig absterben. 

Es war der zweite Fund des ALB in München. Im Mai waren im Riemer Wäldchen Spuren des kleinen Wüterichs entdeckt worden. Daraufhin waren dort großflächig um den Fundort herum Bäume abgeholzt worden. Private Gärten waren nicht betroffen. Im Falle Waldperlachs ist dies anders. Mitarbeiter des Landesamts für Landwirtschaft zeichneten auf einem Stadtplan die 100-Meter-Fällzone ein. 34 private Gärten waren innerhalb. Die Bäume müssen nun sicherheitshalber gerodet werden. Die Anwohner wurden auf einer Veranstaltung informiert. Die Stimmung changiert zwischen Verständnis und Verärgerung. „Das ist schon eine Sauerei. Wenn man den Käfer am Chinesischen Turm gefunden hätte, würde dort sicher nicht alles abrasiert werden“, sagte ein Anwohner im Merkur-Gespräch.

 Beim Landesamt für Landwirtschaft kann man den Ärger verstehen. Überwiegend handle es sich jedoch nicht um alten Baumbestand, sondern junges Gehölz. „85 Prozent der Bäume haben einen Stammdurchmesser unter zehn Zentimeter“, sagte Sabine Weindl vom Landesamt. Die Fällungen bezahlt die Stadt. Die neueste EU-Durchführungsrichtlinie erlaubt zwar Ausnahmen von großflächigen Rodungen. Allerdings nur in sehr engem Rahmen. „Wenn bedeutsame Naturdenkmäler betroffen wären, könnte man eine Ausnahme machen“, sagt Weindl. Innerhalb der 34 Gärten stehe aber kein Baum, auf den das Attribut Naturdenkmal zutreffen würde. 

In der so genannten Großen Wiese, dem Wäldchen zwischen Putzbrunn und Waldperlach, sind um den befallenen Ahorn bereits reihenweise Bäume gerodet worden. Dabei stießen Förster nach Auskunft eines Anwohners auf eine wilde Müllkippe. Dort lagen mehrere Holzpaletten. Höchstwahrscheinlich in einer solchen Palette wanderte der Laubholzbockkäfer vor Jahren aus Südostasien nach Europa ein. Dass der Schädling über eine der weggeworfenen Paletten nach Waldperlach kam, ist aber nicht belegt. Rund zwei Wochen wird es dauern, bis die 150 Bäume in den 34 privaten Gärten entfernt sind. „Wir sind optimistisch, den Laubholzbockkäfer in München ausrotten zu können“, sagt Weindl vom Landesamt für Landwirtschaft.

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