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Menschen mit und ohne Handicap arbeiten bei Katharina Inselkammers (3.v.r.) „Kunst-Werk-Küche“ zusammen.

„Kunst-Werk-Küche“

Wiesn-Wirtin zeigt mit Lokal im Werksviertel, wie Inklusion funktionieren kann

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Menschen mit Behinderung in die Arbeitswelt zu integrieren – und zwar unter den Bedingungen wirtschaftlichen Wettbewerbs: Dass das funktioniert, will Wiesn-Wirtin Katharina Inselkammer mit ihrer Firma „Kunst-Werk-Küche“ beweisen. Das Gastronomie-Unternehmen mit künstlerischer Note im Werksviertel ist in der Startphase.

München - Die Teller stehen schon auf dem Tisch, jetzt kommt das Besteck. „Carola, holst du bitte Gabel, Messer und Löffel: von allem 18 Stück“, sagt Katharina Inselkammer. „Wichtig: Von allem 18 Stück“, wiederholt sie geduldig. Carola (21) überlegt kurz. Dann spurtet sie in den lichtdurchfluteten Räumen im Werksviertel los.

„Kunst-Werk-Küche“ heißt die neue Firma der Wiesn-Wirtin Inselkammer (Armbrustschützenzelt). Bei dem Restaurant und Feinkost-Laden im Erdgeschoss sowie der Event-Küche, Kochschule und dem Catering-Betrieb im ersten Stock arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Im Restaurant sollen Künstler später auch ihre Werke ausstellen können. Ein Herzensprojekt, für das Katharina Inselkammer jahrelang gekämpft hat. Derzeit hat sie vierzehn Mitarbeiter, davon sieben mit Handicap. Bis Ende Januar sollen es insgesamt 42 Mitarbeiter werden, darunter zwölf „besondere Menschen“, wie es die Wiesn-Wirtin nennt. „Ich möchte beweisen, dass Inklusion auch zu schaffen ist, ohne gemeinnützig zu sein.“

Gelebte Inklusion: Carola und ihre Chefin Katharina Inselkammer.

Die meisten Menschen mit Handicap bekämen, wenn überhaupt, nur in gemeinnützigen Organisationen einen Job, sagt die Unternehmerin. „Ich habe bewusst eine GmbH gegründet, mit der ich mich dem Wettbewerb stellen will.“

Insbesondere in der öffentlichen Verwaltung sowie im Gesundheits- und Sozialwesen würden in Bayern vermehrt Menschen mit Behinderung beschäftigt, sagt Sindy Heyn von der Bundesagentur für Arbeit. „Grundsätzlich gilt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem Handicap einen wertvollen Beitrag für das Unternehmen leisten und genauso zur Wertschöpfung beitragen, wie Menschen ohne gesundheitliche Einschränkungen. Wir wünschen uns, dass noch mehr Arbeitgeber das Potenzial dieses Personenkreises erkennen.“ Dass viele Unternehmen eine Ausgleichsabgabe zahlten, weil sie nicht die vorgeschriebene Anzahl an Schwerbehinderten beschäftigten, zeige, dass es noch viel Spielraum bei der Inklusion gebe, ergänzt Michael Simon vom Münchner Verein „VbA Selbstbestimmt Leben“.

Das Restaurant in der Atelierstraße.

Wenn nur ein paar Menschen geholfen sei, die sonst keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten, sei sie schon glücklich, sagt Inselkammer. Anpacken und zuhören, das kennt die vierfache Mutter von zuhause. Ihre Kinder (12 bis 16 Jahre alt) schauen nach der Schule oft beim Herzensprojekt der Mutter an der Atelierstraße im Werksviertel vorbei. Nebenan soll einmal die Philharmonie entstehen. Inselkammer hat sich den Standort bewusst ausgesucht, „das ist ein Stadtviertel, an das ich glaube“.

Das Restaurant mit Delikatessen-Verkauf im Erdgeschoss ist seit gut einer Woche geöffnet, bei den Preisen will Inselkammer mit der Konkurrenz mithalten. Mittagsmenüs mit Suppe oder Getränk kosten 8,90 Euro bis 9,90 Euro. Alles wird frisch zubereitet. Ab kommendem Jahr will Inselkammer auch ausbilden, gerade bemüht sie sich um die EU-Zulassung für das Catering, um auch Schulen und Kindergärten beliefern zu können. „Wenn ich aus dem Bett aufstehe, habe ich 1000 Ideen“, sagt die Wirtin. Ihre Angestellten wie Carola finden das ziemlich gut. „Ich bin froh, dass ich hier arbeiten kann“, sagt die 21-Jährige. Sie komme jeden Tag mit der S-Bahn, erzählt sie stolz – „ganz alleine“.

Ramona Weise

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