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Was wird aus den Katakomben in Riem?

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Die Zuschauertribüne des ehemaligen Flughafens in Riem ist teils in sehr schlechtem Zustand. ArchivFoto: Marcus schlaf
Die Zuschauertribüne des ehemaligen Flughafens in Riem ist teils in sehr schlechtem Zustand. ArchivFoto: Marcus schlaf © Marcus Schlaf

München - In der Diskussion um die Nutzung der alten Bauwerke am ehemaligen Flughafen Riem sorgt jetzt eine Idee der CSU für Ärger.

Ein paar Gebäude gibt es in der Messestadt Riem noch, die an die Zeit vor 1992 erinnern. Die Zeit vor der Verlagerung des Flughafens München nach Erding. Was mit den Bauwerken passieren soll, darüber gibt es Zwist im örtlichen Bezirksausschuss.

Während Tower und Wappenhalle bekannt sind, wissen nur wenige Bürger, dass es auch noch die Zeppelin-Zuschauertribüne und den Kopfbau gibt. Die Tribüne wurde 1939 als Aussichtsplattform für Zuschauer von Flugvorführungen errichtet. Später kam hier eine Dekompressionskammer unter, die Gepäck für Flüge mit hoher Sicherheitsstufe den im Flug herrschenden Druckverhältnissen aussetzte. Der im Anschluss daran liegende Kopfbau ist die ehemalige Kassenhalle.

Ob und wie diese denkmalgeschützten Bauten künftig genutzt werden könnten, darüber wird im Bezirksausschuss Trudering-Riem (BA 15) gestritten. BA-Chefin Stephanie Hentschel (FW) hatte ein zukunftsfähiges Sanierungskonzept für die alte Flughafentribüne gefordert. Entweder man saniere die gesamte 530 Meter lange Tribüne oder erhalte zumindest die Teile, die die Systematik des Gebäudes sichtbar machen. Denn spätestens nach dem drohenden Einsturz könne man die Besonderheiten der Bauweise nicht mehr erkennen. Aus dem Baudenkmal würde dann ein Bodendenkmal – und bliebe ein nicht begehbares Hindernis, das Trudering und Riem trennt.

Hentschel zweifelt auch an der Qualität des auf den Stufen der alten Zuschauerterrassen eingetragenen Biotops, denn dies kippe derzeit durch den Birkenbewuchs an der Oberfläche. Um die seltenen Flechten am Boden zu erhalten, benötige man eine ordentliche Biotop-Pflege. Derzeit gammle das einmalige Bauwerk nur vor sich hin. Hentschel: „So geht’s nicht, Denkmalschutz bedeutet auch Erhaltungspflicht!“

Im Prinzip sind sich darüber alle Stadtteilpolitiker einig. Die Stadt möge sich endlich zu ihrer Verpflichtung gegenüber Gebäude und Biotop bekennen – auch, wenn Sanierungskosten in Höhe von zehn oder mehr Millionen „kein Pappenstiel“ seien, sagte Grünen-Stadtrat Herbert Danner. Für Ärger sorgte jedoch eine CSU-Idee: In den nördlichen Kammern unter der Tribüne könnten Räume für die geplanten weiterführenden Schulen in der Messestadt entstehen, sagte Magdalena Miehle (CSU). Dort könne dann Unterricht in Musik, Sport, Werken und Kunst stattfinden. Auch für Theaterproben und als Aufenthaltsräume würden sie sich anbieten. Die Süd-Kammern könnten zudem als Jugendtreff für die Messestadt freigegeben werden. Der Naturschutz ist Miehle dabei egal. „Hochwertige Flechten wachsen nach einer gewissen Zeit auf jedem aufgelassenen Steinbruch.“ Stattdessen brauche man bebaubare Flächen in städtischem Besitz.

Grünen-Stadtrat Danner hielt dagegen: Gymnasium oder Realschule seien nicht mal beschlossen, da komme Miehle bereits mit einer ausgereiften Nutzung daher, schimpfte er. Immerhin gebe es Schulbaurichtlinien – und die Katakomben seien einsturzgefährdet, nachdem jahrzehntelang Wasser eingetreten sei. Dem Argument, dass es weder im Kopfbau noch unter der feuchten Tribüne eine Heizung gibt, kam die CSU mit einem entsprechenden Antrag zuvor: Es sei ein Leichtes, die städtischen Geothermie-Leitungen der Messestadt bis zu dem Bauwerk zu verlegen. Die Installation einer Heizung würde Attraktivität und Nutzungsvielfalt der Gebäude erhöhen.

Carmen Ick-Dietl

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