Hier hat sich ein Biotop entwickelt: Anstelle des früheren Lokomotivenwerks an der Baumkirchner Straße (im Bild) haben Berg am Laims Politiker den Rangierbahnhof Ost als möglichen Ort für ein Freilichmuseum ins Auge gefasst. Marcus Schlaf

BA wünscht sich ein Bahn-Freilichtmuseum in Berg am Laim

München - Die Eisenbahnlinie von München nach Mühldorf und Rosenheim hat Berg am Laim einst stark geprägt. Nun will der örtliche Bezirksausschuss historische Relikte dieser Vergangenheit retten und der Allgemeinheit zugänglich machen.

An der Baumkirchner Straße gab es früher mal ein Betriebswerk für Dampflokomotiven. Auch wenn die alten Stahlrösser längst abgezogen sind - das frühere Stellwerksgebäude und die Bahnhallen gelten unter Eisenbahn-Freunden als historische Attraktion. Besonderer Höhepunkt ist die Lokdrehscheibe aus den 20er-Jahren, die letzte ihrer Art im Großraum München. Beim letztjährigen Tag des offenen Denkmals ergriffen denn auch über 600 Interessierte die Chance, das Gelände zum wahrscheinlich letzten Mal zu besichtigen. Ein Ansturm, der Mitglieder der CSU-Stadtratsfraktion zu der Forderung inspirierte, das alte Bahnbetriebswerk als Industriedenkmal zu erhalten.

Sie beantragten, das Gelände zu einem Freilichtmuseum auszubauen, das von Eisenbahn-Vereinen betrieben werden könnte. Doch das Grundstück ist mittlerweile von der EU als Biotop eingestuft und an einen privaten Investor verkauft worden. Der musste bei der geplanten Bebauung des Grundstücksteils an der Baumkirchner Straße darauf extra Rücksicht nehmen. Außerdem fehlt jeglicher Zugang zu dem Areal.

All dies vertrage sich schlecht mit einer Museumsnutzung, findet der Bezirksausschuss (BA) Berg am Laim. Die Stadtteilpolitiker möchten zwar auch die frühere Lokdrehscheibe saniert und „als Zeugnis der Eisenbahngeschichte im Stadtteil“ erhalten haben. Doch nur, „soweit dies der Naturschutz zulässt“.

Ein bahnhistorisches Museum sei viel besser auf dem Gelände des stillgelegten Rangierbahnhofs Ost an der Truderinger Straße aufgehoben, meint BA-Chef Josef Koch (SPD). Bahnrelikte gebe es auch hier reichlich und teilweise noch in gutem Zustand. Stellwerksgebäude, Ablaufberg, Gleisharfe, Signale und Lichtanlagen könnten in ihrer Funktion dokumentiert und erlebbar gemacht werden. Weitere Pluspunkte: Das von Gleisen umschlossene Areal lässt kaum eine Bebauung zu und ist auch kein Naturschutzgebiet.

Zur Unterstützung dieser Idee führte der ehemalige Eisenbahner Koch seine BA-Kollegen bei einem Ortstermin persönlich über den brachliegenden Bahnhof und erntete besonders von der CSU Beifall. „Ein Erhalt ist nur sinnvoll, wenn die Leute auch gucken können“, sagte Fraktionssprecher Sascha Multerer. Berg am Laim sei ein traditioneller Eisenbahner-Stadtteil. „Es wäre schade, diese Wurzeln zu verlieren, wir müssen dafür kämpfen.“ Menschenmassen durch ein Biotop wandern zu lassen, wäre aber ein zu massiver Eingriff.

Carmen Ick-Dietl

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