Josef und Helga Stöhr möchten sich für einen Corona-Impftermin registrieren lassen.
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Josef und Helga Stöhr möchten sich für einen Corona-Impftermin registrieren lassen.

Corona-Impfung: Ärger um Online-Terminvergabe

Pannen bei Impf-Homepage: Dieses Ehepaar redet Tacheles - Wie sich das Ministerium in München rechtfertigt

  • Andreas Beez
    vonAndreas Beez
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Ärger um die Online-Terminvergabe für die Corona-Impfungen: Die Pannen und Schwachstellen bei der Internetseite der Bayerischen Impfzentren bringen viele Senioren auf die Palme. Was ein Ehepaar sagt, wie sich das Ministerium rechtfertigt.

  • Viele Senioren fiebern ihrer Corona-Impfung entgegen, aber die Online-Terminvergabe funktioniert nur unzureichend.
  • Viele Senioren sind verärgert, eine Ehepaar spricht Tacheles.
  • Das bayerische Gesundheitsministerium rechtfertigt sich.

Wir fragen uns schon, ob man sich bei den Maßnahmen wirklich in die Menschen, die sie betreffen, hineinversetzt hat.

Josef und Helga Stöhr zur Online-Terminvergabe bei den Corona-Impfungen.

Weiter Wirbel um die Online-Terminvergabe auf der Internetsete impfzentren.bayern des bayerischen Gesundheitsministeriums. Eine der Schwachstellen, die viele Senioren auf die Palme bringt: Ein Ehepaar kann nicht dieselbe E-Mail-Adresse verwenden, um sich für einen Corona-Impftermin registrieren zu lassen - und das obwohl sich viele Angehörige der älteren Generation mit dem Einrichten einer Mailadresse schwer tun. Gegenüber unserer Redaktion macht ein betroffenes Ehepaar seinem Ärger Luft: „Wir freuen uns, dass es einen und jetzt mehrere Impfstoffe gibt und wir dadurch hoffentlich bald wieder zu mehr Normalität finden. Dass es zu Beginn einer Umsetzung Probleme gibt, ist ja völlig normal. Doch fragen wir uns schon, ob man sich bei den Maßnahmen wirklich in die Menschen, die sie betreffen, hineinversetzt hat“, schreiben Helga und Josef Stöhr den Behörden ins Stammbuch.

Mediziner: Vorgehen der Behörden „ein Witz“

Beide Eheleute leiden an Herzinsuffizienz, sind daher Corona-Risikopatienten und fiebern deshalb der Impfung entgegen. Doch allein schon der Versuch einer Registrierung scheiterte an der Tatsache, dass eine gemeinsame Mailadresse für zwei Ehepartner nicht akzeptiert wird. Viele Ärzte schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Ein leitender Münchner Mediziner zu tz und Münchner Merkur: „Die Menschen, die zunächst geimpft werden sollen, sind hochbetagt. Und jetzt sollen sie sich mit über 80 auch noch mit dem Einrichten von Mailadressen herumschlagen, um an eine pozentiell lebenswichtige Impfung zu kommen. Das ist doch ein Witz.“

Ministerium rechtfertigt sich mit „Sicherheit der persönlichen Daten“

Das bayerische Gesundheitsministerium meint es allerdings mit der Mail-Adresse bitterernst. Eine Anfrage unserer Redaktion, ob die Schwachstelle auf der Homepage noch geändert werden soll, beantwortete eine Ministeriumssprecherin im Wortlaut so: „Es kann sich nur eine Person pro email-Adresse anmelden. Die Sicherheit der persönlichen Daten der Bürger hat einen hohen Stellenwert. Für die Erfassung von sensiblen Daten im Internet wird daher eine so genannte 2 Faktor Authentifizierung benötigt, d.h. jeder Nutzer muss 2 unterschiedliche Faktoren der Erreichbarkeit zu seiner eindeutigen Identifizierung angeben. Diese Faktoren sind : 1. E-Mail Adresse: Jeder Nutzer benötigt eine eindeutige E-Mail Adresse, d.h. jede e-mail Adresse kann nur einmal verwendet werden. 2. Mobiltelefonnummer: Eine SMS dient als zweiter Faktor. Mobiltelefonnummern können mehrfach verwendet werden (bitte beachten Sie das internationale Rufnummernformat mit +49 statt der führenden Null z.B. +491791234567 statt 0179/1234567). Sobald Sie einen Termin ausgemacht haben, müssen Sie diesen durch eine PIN freischalten, die Sie dann per SMS erhalten.“

Service-Telefonnummer laut Ministerium nicht geplant

Senioren, die kein Handy haben, müssen demnach auf einen Angehörigen hoffen - oder darauf, dass sie telefonisch jemand im Impfzentrum erreichen. Bei den Impfzentren des Landkreises Münchens ist das äußerst schwer. Die auf der Homepage angegebene Telefonnummer 089/31 20 344-22 ist praktisch dauerbesetzt. Zur Frage unserer Redaktion, ob den Bürgern eine andere Servicetelefonnummer für die Impfzentren zur Verfügung stehe, teilte das Ministerium mit: „Es gibt keine Servicetelefonnummer. Es werden derzeit FAQs erstellt, die zeitnah über das Portal abgerufen werden können.“ Zur Erklärung für Senioren und jüngere Menschen, die den Begriff FAQ noch nicht kennen: Darunter versteht man eine Zusammenstellung von Informationen zu häufig gestellten Fragen.

Senioren-Ehepaar rät zu „Mehr an Demut“

Das Fazit des Rentner-Ehepaars Stöhr: „Ein Mehr an Demut würde allen Beteiligten gut tun.“

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