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Das Coronavirus lässt auch in deutschen Krankenhäusern Extremsituation entstehen (Symbolbild).

Betroffene berichten

„Gefängnisartige Zustände“ wegen Corona-Maßnahmen? Mitarbeiter von Münchner Klinik senden Hilferuf

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Wegen Corona-Quarantäne vom Gesundheitsamt: Das Personal der Pasinger Helios-Klinik klagt über „Sippenhaft“. Das Beispiel einer Pflegerin verdeutlicht die schwierige Situation.

  • Mitarbeiter der Helios-Klinik in München-Pasing gehen auf die Barrikaden.
  • Das Personal beschwert sich bei OB Dieter Reiter aufgrund der Einschränkung ihrer Rechte.
  • Das Gesundheitsamt spricht über das besondere Vorgehen bei diesem Extrembeispiel.
  • Wegweiser durch unsere Corona-Berichterstattung. Hier die aktuellen Fallzahlen in Bayern.

München - Sie versorgen die schwer Erkrankten und gehen oft sogar über die eigene Schmerzgrenze: Bis zu zwölf Stunden dauern die Schichten des medizinischen Personals auf der Intensivstation im Helios-Klinikum München West.

Doch die Pasinger Ärzte und Pfleger sind sauer. Sie fühlen sich vom Gesundheitsamt in Sippenhaft genommen. Die Behörde hatte am 1. April Corona-Tests durchgeführt, seither befindet sich die Belegschaft in häuslicher Quarantäne. In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter beklagen sich die Intensivmediziner nun über „tief greifende und willkürliche Einschränkungen unserer Grund- und Freiheitsrechte“.

Corona-Quarantäne in München: Mitarbeiter berichten von „gefängnisartigen Zuständen“

Am Beispiel von Pflegerin Maria P. (Name geändert) wird die Situation klar: Auch acht Tage nach dem Abstrich ist ihr der Kontakt zu ihren Kindern und ihrem Partner untersagt. Sie darf arbeiten, ist aber im eigenen Zuhause isoliert, isst allein, schläft allein. „Meine Kinder fragen mich, ob ich krank bin. Ob ich den Virus in mir trage, weiß ich aber noch nicht.“ Weil das Gesundheitsamt sich nicht meldet. Einkaufen, tanken: Aktuell alles verboten. Einige Mitarbeiter mussten sogar ins Hotel ziehen, weil sie die häusliche Quarantäne nicht gewährleisten konnten. Sie beklagen sich nun über „gefängnisartige Zustände – jedoch ohne täglichen Freigang“. Selbst negativ getestete Mitarbeiter durften das Hotelzimmer nicht verlassen. Auch nicht zum Arbeiten.

Seit 1. April hat das Gesundheitsamt der Klinik auch die Aufnahme und Verlegung von Patienten verboten. „Damit können wir unserem Versorgungsauftrag nicht mehr nachkommen.“

Helios-Klinikum München West: „Bisher einmaliges Ausbruchsgeschehen“

Die Klinikleitung ließ eine Anfrage unserer Zeitung unbeanwortet, das Gesundheitsamt hingehen sagt: „Bei diesem Fall handelt es sich um ein in München bisher einmaliges Ausbruchsgeschehen in einem Klinikum, das in seiner Dimension alle bisher getroffenen Maßnahmen rechtfertigt.“ Betroffene Mitarbeiter müssten 14 Tage in Quarantäne.

Der normale Klinikbetrieb können aber wie die Notaufnahme voraussichtlich am Mittwoch wieder aufgenommen werden. Die Geburtshilfe wurde schon am Samstag freigegeben, der Notarztbetrieb am Sonntag.

Der erste deutsche Corona-Fall wurde Ende Januar in München registriert. Virologe Prof. Alexander Kekulé warnte schon damals vor einer Corona-Krise.

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