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In traurigem Zustand: Der Riegerhof, mit Brandspuren und Dachschaden, rechts daneben die Pasinger Moschee.

Letzte Chance für die Sanierung

Endspiel um ein Pasinger Denkmal: Wird der Riegerhof abgerissen?

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Kampf um ein Stück altes Pasing: Am 23. Juli wird entscheiden, ob der Riegerhof in der Planegger Straße abgerissen werden darf oder ob er saniert werden muss.

München - In knapp einem Monat entscheidet das Verwaltungsgericht über die Zukunft des Riegerhofs in Pasing. Das denkmalgeschützte Gebäude, ein zweiseitiger Bauernhof, dessen Bausubstanz noch aus dem Jahr 1879 stammt, befindet sich in einem bedauernswerten Zustand. Ein Vordach ist halb eingestürzt, ein Brand im Jahr 2011 hat das Gebäude schwer beschädigt. Vor dem Verwaltungsgericht will der Eigentümer Martin Rieger eine Genehmigung für den Abriss des Bauernhofs erreichen. Den hatte ihm die Stadt untersagt. Die Fronten sind verhärtet.

Makler beauftragt: Wird das Gebäude verkauft?

Aus dem Planungsreferat, bei dem die zuständige Untere Denkmalschutzbehörde angesiedelt ist, stellt auf Nachfrage unserer Zeitung klar: „Wir gehen weiterhin davon aus, dass das Gebäude wiederhergestellt werden kann.“ Der Eigentümer sieht das anders – und versucht, noch vor der Entscheidung des Verwaltungsgerichts Fakten zu schaffen. „Wir haben einen Makler mit dem Verkauf des Grundstücks beauftragt“, sagt Riegers Frau Ingrid.

In der Planeggerstraße 20 steht ein altes Gehöft, das nun offensichtlich dem Verfall preisgegeben ist. Foto: Achim Schmidt

Für 4,76 Millionen  Euro ist der Hof mit seinen 180 Quadratmetern Wohnfläche und einer Grundstücksfläche von 2340 Quadratmetern bei den gängigen Immobilienportalen zu haben. Die Anzeige ist überschrieben mit dem Titel: „A Stückerl G’schichte – historischer Bauernhof im Herzen von München“. Der Zustand des Hofs wird in der Anzeige so beschrieben: „Ein Brandschaden im Januar 2011 führte zu Beschädigungen im Wohnbereich, wie die Rußspuren an der Fassade noch zeigen. 

Das Dach hat in den letzten Jahren gelitten und ist am Übergang vom Wohnstallhaus zum Stadel beschädigt“, heißt es da. Und: „Sämtliche Ausstattungsmerkmale sind irrelevant, da das Haus komplett zu sanieren ist.“ Die Verpflichtung zur denkmalgerechten Sanierung wird in feinster Makler-Sprache wie folgt beschrieben: „Überall stoßen Sie auf gewaltige Ausbaureserven.“ Und weiter: „Mit Beseitigung der Brandschäden, Sanierung des Daches und der Räumlichkeiten kann die Zukunft für die Hofanlage beginnen.“

Wirtschaftlich unzumutbar

Besonders groß ist die Hoffnung, einen Käufer zu finden, nicht – bisher gebe es keine Interessenten. Ein missglückter Verkauf könnte Riegers Argumentation vor Gericht unterstützen. Der Hofeigentümer, der bis 1977 mit seiner Frau selbst in dem Gebäude gelebt hat, hält die Sanierung für zu aufwendig und für wirtschaftlich unzumutbar. Rieger und seine Frau waren vor über 40 Jahren ausgezogen und hatten einen Hof in Langwied gebaut. Seitdem war offenbar kein Geld mehr in den Bau in der Planegger Straße geflossen.

Delikat: Der Hof ist nicht nur ein Einzeldenkmal, sondern auch Teil des denkmalgeschützten Ensembles „Ortskern Pasing“. An dem hat man sich jedoch in der Vergangenheit bereits versündigt. Auf seiner Straßenseite ist der Riegerhof das einzig verbliebene Hofgebäude – eingerahmt von der Pasinger Moschee und einem fünfgeschossigen Wohnhaus.

„Eine Schande“

Viele Pasinger sorgen sich um die Zukunft des Hofs im Dorfkern – und dass mit ihm ein Zeuge der Geschichte Pasings verschwinden könnte. „Ich finde, es ist eine Schande, das Gebäude nicht zu erhalten, sondern wahrscheinlich beizeiten durch ein Gebäude ohne Charme und Charakter zu ersetzen“, sagt eine Anwohnerin.

Marc Kniepkamp

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