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Prozess in Basel

Federdieb geständig - Jetzt will er beim Sortieren helfen

Aus Museen Federn klauen - ist das kriminelle Energie oder der Griff eines Suchtkranken? Das muss ein Basler Gericht entscheiden. Der Federdieb ist geständig, und macht den Museen ein Angebot.

München - Update vom 5. Juni 2018: Der Federdieb muss ins Gefängnis. Wenige Tage vor seinem 45. Geburtstag verurteilte das Strafgericht in Basel den Mann am Mittwoch wegen Diebstahls und Sachbeschädigung zu drei Jahren Haft, wie ein Gerichtssprecher bestätigte. 

Zwei Jahre davon sind zur Bewährung ausgesetzt. Der zweifache Familienvater war nach eigenen Angaben sammelsüchtig. Er ist, seitdem er 2012 aufflog, in Psychotherapie, wie sein Anwalt sagte.

Sammelsucht nach Federn

Wie ein Häufchen Elend sieht der Federdieb zwar nicht aus, doch der Mann zeigt Reue. Er entschuldigt sich für die vielen Male, die er sich mit Lügen Zugang zu Sammlungen seltener Vögel in naturhistorischen Museen verschafft hat, dafür, dass er erst Federn, später ganze Flügel ausgerupft hat. Wie ein Alkoholiker, der von der Flasche wegkam, hört er sich an: Er habe sich ein eigenes Weltbild zurechtgezimmert, gar kein Unrechtsbewusstsein gehabt. Seit 2012 mache er eine Psychotherapie. Er sei doch im Grunde ein ehrlicher Mensch.

In Basel steht der 44-jährige Bauverwalter vor Gericht: zwei Kinder, nicht vorbestraft, geregelte Arbeit – ein Durchschnittsschweizer, findet sein Anwalt Daniel Borter. Vier Jahre Haft fordert die Anklage, wegen Sachbeschädigung und Diebstahls. Borter plädiert auf eine Strafe zur Bewährung.

„Er hat hier und da ein bisschen gerupft“

Der Feder-Freak hatte sich jahrelang als Experte für seltene Greifvögel an Museen gewandt: Er wolle ein Buch schreiben, Gefiedervariationen vergleichen. Die Ornithologen waren immer beeindruckt von seinem Fachwissen, ließen ihn arglos in die Sammlungen. Der Mann wollte aber nicht schreiben, sondern besitzen: die ungewöhnlichsten Federn von den seltensten Vögeln. „Er hat hier und da ein bisschen gerupft – ich verniedliche das jetzt mal“, so Verteidiger Borter. Auch in München trieb der Schweizer sein Unwesen. In der Zoologischen Staatssammlung rupfte er einen historischen Kaiseradler.

Schon mit zehn Jahren habe er begonnen, Vogelfedern zu sammeln, berichtete der Angeklagte. Wann daraus die Begierde wurde, von jeder Greifvogelart der Welt eine Feder besitzen zu wollen, weiß er nicht mehr. Heute sei ihm die Sammlung egal.

Museen beziffern Wert des Diebesguts auf fast 400.000 Euro

Zwischen 2005 und 2012 suchte er mindestens sieben Museen heim, darunter in München, Basel, Stuttgart, Frankfurt, Wien und Berlin. Andere beklaute er schon früher, aber die Diebstähle verjährten, bevor sie entdeckt wurden. Die Museen haben den Wert des Diebesguts auf fast 400.000 Euro beziffert, die Sachbeschädigung auf 5,5 Millionen Euro. Die Staatsanwältin bemüht einen Vergleich mit einem gestohlenen Picasso-Gemälde, aber im Grunde sind die Experten sich einig: Federn und Flügel haben zwar einen wissenschaftlichen Wert, einen Geldwert zu bestimmen ist aber praktisch unmöglich.

Die Museen haben Konsequenzen gezogen: Wer heute in wissenschaftlichen Sammlungen forschen will, dem wird ordentlich auf den Zahn gefühlt. Der Federdieb macht den Museen nun ein Angebot: Er will helfen, die entwendeten Teile dem richtigen Museum wieder zuzuordnen. Und seine Sammlung von mehr als 10.000 Federn, alle völlig legal erworben, wie er sagt, die stelle er den Museen als Entschädigung zur Verfügung. Der Prozess dauert an.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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