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Machten Schrott zu Geld: Vier Wertstoffhof-Mitarbeiter auf der Anklagebank.

Bestechlichkeit in 64 Fällen

Handys und Radios: Urteil gegen Münchner Müll-Mafia gefallen

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Sie ließen sich bestechen und sahnten dadurch regelmäßig ab. Jetzt haben vier Mitarbeiter der Abfallwirtschaftsbetriebe (AWM) gestanden - und zwar in Dutzenden Fällen.

München - Gleich vier Mitarbeiter der Abfallwirtschaftsbetriebe (AWM) hat das Münchner Amtsgericht am Mittwoch zu Bewährungsstrafen verurteilt. Sie haben dutzende Fälle gestanden, in denen sie sich bestechen ließen. Es ist die zweite Prozesswelle, die im Zusammenhang mit Wertstoffhöfen steht.

In Obermenzing hatten die Männer seit Dezember 2012 regelmäßig Geld angenommen – von Schrotthändlern, die alte Fernseher oder Radios günstig ankaufen wollten. Gegen die Zahlung von monatlich 250 Euro gewährten die Arbeiter den Händlern ungehinderten Zugang zu den sogenannten Werträumen, in denen gebrauchte Geräte lagern. Eigentlich verkauft die Landeshauptstadt diese selbst und nimmt so pro Jahr rund eine halbe Million Euro ein.

„Keine Möglichkeit gesehen, mich dem System zu entziehen“

„Jeder hat mitgemacht“, sagte einer der Angeklagten. „Dass Mitarbeiter Geld annehmen, hat Tradition und war weit verbreitet.“ Am Wertstoffhof habe es viel Druck und eine starke Gruppendynamik gegeben. „Alle wussten, dass Beträge entgegen genommen werden.“ In ihrer Dienstanweisung verbieten die AWM jedoch ihren Mitarbeitern seit Dezember 2009, Bargeld anzunehmen oder Dritten Wertgegenstände zu überlassen. „Ich bedauere, was passiert ist“, sagte der Angeklagte. „Aber damals hatte ich keine Möglichkeit gesehen, mich dem System zu entziehen.“ Nach einem Rechtsgespräch gestanden die vier Männer die Taten und wurden im Gegenzug relativ milde bestraft.

Bereits im Januar hatten drei Wertstoffhof-Mitarbeiter Geständnisse abgelegt und wurden ähnlich bestraft. Sie waren ursprünglich gemeinsam mit den vier Angeklagten aus der gestrigen Verhandlung vor Gericht gestanden, der Prozess wurde dann aber abgetrennt. Seit Mittwoch sind nun alle abgeurteilt.

Autoradios, Fotoapparate, Handys: All das verkauften die Schrotthändler weiter

Wie viel Geld der Stadt durch die insgesamt 64 angeklagten Fälle von Bestechlichkeit tatsächlich verloren gegangen ist, konnte bislang nicht ermittelt werden. Die Liste der entgangenen Verkaufsartikel ist aber lang und enthält mehr als 350 einzelne Gegenstände, darunter etwa 35 Autoradios, 40 Fotoapparate, 30 Handys, 50 DVD-Player, 20 Computer, 49 Receiver und sieben Waschmaschinen. Diese wurden von den Schrotthändlern später auf eigene Rechnung verkauft. Rund 4400 Euro sollen sie laut Anklage mit dieser Methode monatlich eingenommen haben. Ein Ermittler sagte damals nach einer Razzia: „Ein Sprinter hat nicht gereicht, um alles abzutransportieren. Und das war ja nur die Ware, die an diesem Tag sichergestellt wurde. Die einzelnen Teile waren noch bis zu 50 Euro wert.“ 

Lesen Sie auch: Ein Wertstoffhof-Mitarbeiter lästert über Kunden - das sagt der AWM.

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