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Kaputt gerupft: Markus Unsöld zeigt zwei 100 Jahre alte präparierte Steinadler.

5,5 Millionen Euro Schaden!

Mann (45) rupfte Tiere der Zoologischen Staatssammlung

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Vogelwild, dieser Fall: Ein Schweizer (45) hat Federn von wertvollen präparierten Greifvögeln gestohlen – insgesamt 17.250 Stück! Der Schaden wird auf 5,5 Millionen Euro geschätzt.

München - Der Feder-Fall machte europaweit Schlagzeilen – jetzt kam heraus: Auch in München schlug der Kriminelle zu. In der Zoologischen Staatssammlung in Obermenzing bemerkte der Diplombiologe Markus Un­söld den Diebstahl…

Schon seit 2005 war Stefan G. auf Diebestour gewesen, hat die Staatsanwaltschaft in Basel ermittelt. Laut der Zeitung blick ist G.ein zweifacher Vater, der als Bauverwalter seiner Gemeinde in der Nähe von Solothurn lebt. Fest steht: Er war von klein auf ein Greifvogelfan und hatte sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Er wollte die weltgrößte private Greifvogelfeder-Sammlung besitzen.

Als Wissenschaftler getarnt, zupfte er dazu vor allem die Schwung- und Schwanzfedern aus den Präparaten in mehreren ­naturhistorischen Sammlungen in Europa.

2012 aber wurde der Schaden in Berlin entdeckt. Experten dort schlugen Alarm und warnten sofort Kollegen in anderen Städten vor dem Dieb. In München machte sich Markus Unsöld, der Kurator der Sektion Vogelkunde, sofort an die Arbeit. „Wir wussten, dass der Mann auch bei uns war. Meine Aufgabe war es, den Bestand an Greifvögeln, Eulen und Falken auf Schäden zu kontrollieren. Das sind mehrere Hundert Stück.“

Über Wochen hinweg überprüfte er jeden einzelnen Vogel ganz genau. „Es war nicht einfach“, berichtet Unsöld der tz. Denn Vögel verlieren bei der Mauser ja von Haus aus Federn. Fehlte eine Feder also deshalb – oder wurde sie tatsächlich gestohlen?

Die Detektivarbeit des Experten war erfolgreich, er listete jede einzelne fehlende Feder auf. Beschädigt sind laut Kultusministerium wohl 57 Objekte. Nun wartet auch die Zoologische Staatssammlung München auf den Gerichtsprozess in drei Wochen. G. ist wegen gewerbsmäßigen Diebstahls angeklagt.

Doch wie konnte Stefan G. die Federn unbemerkt mitgehen lassen? Biologe Unsöld erzählt: Es sei gang und gäbe, dass Wissenschaftler die Präparate untersuchen – und auch mal damit allein gelassen werden. „Wissenschaftler aus aller Welt kommen zu uns, bearbeiten das Material und bringen dabei die Forschung und die Sammlung auf den neuesten Stand.“ Das sei auch so gewollt, denn: „Wir sind eine Forschungssammlung, kein Museum.“

Doch Stefan G. hatte alle getäuscht. „Er war eben ein schwarzes Schaf.“ Ein „völlig unauffälliger, freundlicher Herr“, der auch mit seinem Wissen überzeugte – „sonst hätten natürlich bei uns alle Alarmglocken geschrillt“.

Der Schaden ist nun leider nicht mehr gutzumachen. Einer der gerupften Vögel ist zum Beispiel ein vom ersten Kurator der Zoologischen Staatssammlung, Johann Baptist Ritter von Spix (1781 – 1826), gesammeltes „Typus-Exemplar“. Das heißt: Genau an ihm wurde einst die Art beschrieben. Der wissenschaftliche Verlust: unermesslich.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Obermenzing – mein Viertel“.

Andrea Stinglwagner

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