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Bewohnerin Tiffany B. (31) will bei den derzeitigen Temperaturen nicht aufs Duschen verzichten.

Gesundheitsgefahr droht

Duschverbot bei Mega-Hitze: Mieter verärgert - es droht Gesundheitsgefahr

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Tropische Temperaturen in München, doch Mieter eine Wohnanlage in Pasing dürfen nicht duschen. Der Grund sorgt bereits zum zweiten Mal für einen Brausestopp.

München - Nicht schon wieder! Als Tiffany B. (31) am Mittwoch den Aushang in ihrem Mietshaus in der Pasinger Volmstraße sieht, schlägt sie die Hände über dem Kopf zusammen: Schon wieder Legionellen-Alarm! Der Eigentümer, die Vonovia, warnt in seinem Schreiben vor einer „extrem hohen Kontamination“. Diesmal trifft es die Bewohner besonders hart: Sie haben ausgesprochenes „Duschverbot“ – und das bei 35 Grad Höchsttemperatur! 

Das Einatmen bakterienhaltigen Wassers kann zu Infektionen führen

„Ich dusche zwei bis drei Mal pro Tag“, sagt die Mutter eines 8-jährigen Sohnes. Und nun? „Ich dusche trotzdem, aber möglichst kalt.“ Etwas mulmig ist ihr schon dabei. Warmer, mit Legionellen befallener Wasserdampf ist für die Lunge nachweislich gefährlich. „Wie schlimm das aber wirklich genau ist, weiß ja keiner.“ Ihren Sohn lässt sie vorsichtshalber nur baden, lauwarm. „Ich hoffe, dass das unbedenklich ist.“ 

Dieser Aushang im Foto oben warnt die Bewohner der Vonovia-Anlage in Pasing vor Legionellenbefall und spricht ein Duschverbot aus.

Tiffany und ihre Mutter Petra B. (62) ärgert besonders, dass dies nicht der erste Vorfall dieser Art ist. „Seit Jahren haben wir mindestens einmal pro Jahr solch einen Aushang hier“, sagt Petra B., die seit 15 Jahren in der Anlage wohnt. „Immer wieder gibt es Duschverbot. Schon mehrmals wurden die Duschköpfe ausgetauscht – aber offenbar bekommen sie das Problem nicht in den Griff. Es muss doch irgendwelche Mittel und Wege geben. Soll die ganze Siedlung jeden Tag ins Schwimmbad zum Duschen gehen?!“

Legionellen-Alarm in Pasing: Heißwassersystem von Wohnlage muss erneuert werden

Laut Wohnungsunternehmen Vonovia sollte das Duschverbot bald aufgehoben werden. „Mit sogenannten Sterilfiltern ist das Duschen erlaubt“, erklärt Sprecherin Bettina Benner auf Anfrage. „Diese Sterilfilter werden heute und am Samstag eingebaut. Für die Unannehmlichkeiten können wir uns nur entschuldigen. Selbstverständlich werden wir unsere Mieter angemessen entschädigen.“ Und warum tritt das Problem immer wieder auf? Bettina Benner: „Grundsätzlich liegt die Ursache oft darin, dass im Rohrsystem bestimmte Temperaturen nicht erreicht werden. Zu den geplanten Maßnahmen zählen daher vor allem bauliche Schritte, um die Temperatur in den Rohren zu erhöhen.“ 

Legionellen sind Bakterien. Sie können sich in stehendem Wasser, etwa in alten Leitungen bei 30 bis 50 Grad vermehren. Beim Trinken von verseuchtem Wasser kann nichts passieren. Tätigkeiten, bei der Warmwasser fein zerstäubt wird (Aerosolbildung), sind zu vermeiden. Das kann beim Duschen geschehen, aber auch beim Inhalieren oder wenn man sich beim Trinken verschluckt. Falls die Kaltwasserleitungen nicht kontaminiert sind, spricht nichts gegen Duschen mit kaltem Wasser. Ob Baden mit lauwarmen Wasser gefährlich ist, ist umstritten. Rund fünf Prozent der Infizierten entwickeln die Legionärskrankheit, eine lebensgefährliche Lungenentzündung. Ab einer gewissen Belastung muss der Eigentümer Sofortmaßnahmen ergreifen, beispielsweise ein Duschverbot verhängen. Übrigens: Dann kann der Mieter unter gewissen Voraussetzungen die Miete mindern.

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In Schwabing zerrte eine Frau ihren Vermieter wegen Legionellen vor Gericht mit der Begründung: „Mein Wasser hat mich krank gemacht“. Eigentümer müssen Stillstand in Wasserleitungen vermeiden.

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