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Der Gebäudekomplex in der Nimmerfallstraße st verkauft und soll abgerissen werden.

Jetzt droht ihnen die Wohnungslosigkeit

Komplex wird abgerissen, 53 entsetzte Mietparteien müssen raus: „Unanständiges Vorgehen“

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Erneut gibt es Wirbel um eine Wohnanlage der GBW: Ein Komplex mit aktuell 53 Einheiten in Pasing soll abgerissen werden, die Mieter müssen raus. Die Bewohner sind entsetzt.

München - Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist gerade neu gewählt worden. Anzunehmen ist, dass er in den nächsten Tagen nicht nur Glückwunschkarten bekommen wird. Sondern auch Post von besorgten Bürgern. Ein Schreiben ist schon unterwegs. Die Mietergemeinschaft aus der Nimmerfallstraße will sich an den Ministerpräsidenten und an OB Dieter Reiter (SPD) wenden, damit die Politiker eine Kompromisslösung erwirken. Denn die Bewohner der GBW-Anlage haben Angst, bald buchstäblich auf der Straße zu stehen.

Es geht um neun sanierungsbedürftige Häuser aus den 50er-Jahren. Nachdem die GBW in den vergangenen vier Jahren unterschiedliche Handlungsoptionen geprüft hatte, entschloss sich das Wohnungsbauunternehmen für einen Abriss und Neubau.

Verkauf an die Stadt kam nicht zustande

Eine Option wäre auch ein Verkauf des Objekts an die Stadt gewesen. Doch dieser Deal kam nicht zustande. 25 Millionen Euro soll die GBW verlangt haben, die Stadt hatte 18 Millionen Euro angeboten. „Ein Preis, der immer noch über dem Verkehrswert lag, den die Stadt aber zur Sicherung bezahlbaren Wohnraums gezahlt hätte“, wie der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Alexander Reissl, erklärt. Anschließend soll die GBW den Preis auf 22 Millionen Euro reduziert haben – mit der vertraglichen Verpflichtung, dass die GBW das Haus binnen zwei Jahren entmietet. „Ein unmoralisches Angebot“, so Reissl entsetzt.

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Auf dem Privatmarkt fand die GBW offenbar dann auch keinen Käufer. Nun sollen bis Ende 2021 insgesamt 76 neue Wohnungen errichtet werden. „Wir schaffen mit dem Ersatzneubau 2700 Quadratmeter mehr Wohnfläche“, heißt es von der GBW.

Doch den jetzigen Mietern droht nach Befürchtungen der SPD die Wohnungslosigkeit. Den Bewohnern seien keine Alternativen angeboten worden, monieren die Sozialdemokraten, die sich „empört über dieses verantwortungslose und unanständige Vorgehen“ zeigen.

GBW bei der Wohnungssuche behilflich

Die GBW entgegnet, man sei den Mietern bei der Wohnungssuche behilflich. Es würden Einzelgespräche geführt, um individuelle Lösungen zu finden. „Wir bieten unter anderem alternative Wohnungen im GBW-Bestand an – beispielsweise Neubauwohnungen in unmittelbarer Nähe zur Nimmerfallstraße, die einkommensorientiert gefördert sind“, sagte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage. Man stehe auch in regelmäßigem Austausch mit dem städtischen Wohnungsamt. Die Sprecherin: „Die Vorwürfe der SPD sind nicht haltbar.“

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Doch auch die Mieter selbst laufen Sturm. Sie fühlen sich von der GBW eingeschüchtert. Josef Kinder, Sprecher der Mietergemeinschaft, erklärt: „Wir wollen, dass unsere Häuser kostengünstig renoviert werden und wir in den Wohnungen bleiben können.“ Doch seit Jahrzehnten hätten die Vermieter die Anlage herunterkommen lassen. Derzeit zahlen die Bewohner an der Nimmerfallstraße eine Durchschnittsmiete von 6,61 Euro. „Nachdem die Häuser neu gebaut sind, wird kein Mensch mehr die Mieten bezahlen können“, befürchtet Kinder. Er kritisiert überdies, dass bei der jüngsten Mieterversammlung nicht einmal ein Vertreter der GBW erschienen sei.

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Auszugsdatum unklar

Wann der Auszug ansteht, ist noch unklar. Und die Mietergemeinschaft hofft, dass es gar nicht so weit kommt. Laut Kinder sieht der Mieterbeirat München Chancen, das Schlimmste abzuwenden, sofern sich die Bewohner zusammenschlössen. Einzelgespräche hingegen seien kontraproduktiv.

Zudem sollen OB Reiter und Ministerpräsident Söder – einst als Finanzminister für den Verkauf der GBW-Wohnungen an die Augsburger „Patrizia“ zuständig – vermitteln. Eine Neubaugenehmigung der Stadt liegt indes bereits vor. Die GBW besitzt derzeit etwa 8000 Wohnungen in München und rund 30 000 in Süddeutschland.

Klaus Vick

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Kommentare

AtomseppAntwort
(0)(0)

Schauen Sie sich das Wahlergebnis für die auf das Wohnungsproblematik bezogene Viertel an. Mehr braucht es nicht zu sagen.

O'MallyAntwort
(0)(0)

Völlig richtig. Wobei ich selbst da keine echte Handhabe sehe.
Es ist kein städtisches/staatliches Gebäude, es ist in Privatbesitz. Ob nun Immobiliengesellschaft oder Einzelperson ist dabei relativ egal, solange keine Verträge mit Stadt oder Staat bestehen.
Würde, wenn es möglich wäre, die Stadt den/die Eigentümer wie auch immer zur unrentablen Sanierung bei gleichzeitiger Beibehaltung der sehr niedrigen Mieten zwingen, wäre das auch auf kleine Immobilienbesitzer, die z.B. nur ein Einfamilienhaus besitzen und dieses vermieten, übertragbar.

MünchnerAntwort
(1)(0)

Das könnten die Grünen dann machen, wenn sie an der Regierung währen.
So können sie nur einen Untersuchungsausschuss einsetzen, bzw. in diesem arbeiten, wie sie es auch schon vor der Wahl getan haben.