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Rund 120 Defibrillatoren hat die MVG aufgestellt. In Stationen der Deutschen Bahn gibt es bislang noch keine. 

Lebensretter in Pasing?

Bahn prüft Einsatz von Defibrillatoren - an einem Testbahnhof

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Defibrillatoren können Leben retten. An den S-Bahn-Stationen der Deutschen Bahn (DB) gibt es aber bis jetzt keine Defibrillatoren. Nun deutet sich ein Umdenken bei dem Unternehmen an.  

München - Wer unterwegs ist und plötzlich Herzprobleme bekommt, dem könnte ein kleines Gerät das Leben retten, bevor der Notarzt womöglich zu spät kommt. Etwa so groß wie eine Handtasche ist ein Defibrillator, mit dem auch Laien in den wichtigen ersten Minuten Hilfe leisten könnten. Zum Beispiel bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand: Wenn das Herz nicht mehr schlägt oder Kammerflimmern auftritt und kein Blut mehr durch die Adern gepumpt wird, kann ein gezielter Stromschlag das Herz wieder in Takt bringen und den Betroffenen so vor Hirnschäden oder gar dem Tod bewahren.

An Münchens U-Bahnhöfen gibt es Defibrillatoren

Rund 120 dieser Geräte hat alleine die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) inzwischen an den U-Bahnstationen in der Landeshauptstadt angebracht. In öffentlichen Gebäuden und Flughäfen gibt es seit den 90er-Jahren die automatisierten externen Defibrillatoren (AED). Doch an den S-Bahnstationen und generell an den Bahnhöfen der Bahn gebe es bislang keine, bestätigte ein Bahnsprecher auf Anfrage.

Warum will die Bahn keine Defibrillatoren?

Begründet hat die Bahn dies bislang mit der besonderen Stromversorgung an den Bahnhöfen. Denn während die U-Bahnen durch eine Stromschiene mit Gleichstrom angetrieben würden, werden die Züge der Bahn aus den Oberleitungen mit Wechselstrom versorgt. Mit einer Frequenz von 16 2/3 Hertz, also etwa einem Drittel der 50 Hertz, die aus der Steckdose zu Hause kommen. Das aber verursache unterschiedliche Magnetfelder. Diese Wechselstrom-Magnetfelder wiederum könnten die Elektronik im Defibrillator stören, wie ein Gutachten gezeigt habe, das gemeinsam mit der Österreichischen Bundesbahn ausgewertet worden sei, hieß es zuletzt bei der Bahn. Der Vorstand habe deshalb bislang entschieden, an den DB-Bahnhöfen keinen Defibrillator aufzustellen. Das Defibrillator-Verbot bei Bahn sorgte für Empörung.

Doch inzwischen hat ein Umdenken eingesetzt, wohl auch weil sich die Geräte inzwischen an vielen Orten bewährt haben. Dass es ausgerechnet an den Bahnhöfen mit großen Personenzahlen keine Defibrillatoren gibt, ist den Bürgern nur schwer zu vermitteln. Wie ein Sprecher der Bahn dazu auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, könnte Pasing deutschlandweit der erste Testbahnhof für einen Defibrillator werden.

Kommt nun ein Defibrillator zum Test nach Pasing?

DB-Vertreter haben, so der Bahn-Sprecher weiter, inzwischen auch dem örtlich zuständigen Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing mitgeteilt, bahnintern die Durchführung eines Pilotprojektes am viertgrößten Bahnhof in Bayern, an dem täglich rund 85.000 Reisende unterwegs sind, mit einem dritten Partner zu prüfen. „Ob und wann das Pilotprojekt starten kann, können wir zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen.“ Hierzu sei noch eine neue Bewertung der technischen und rechtlichen Möglichkeiten notwendig, sagte der Sprecher.

Lesen Sie auch: Jürgen Trültzsch wäre fast gestorben, doch ein Passant in der U-Bahn rettete ihm das Leben, wie Merkur.de* berichtet.

Monika Wehrl-Herr

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Pasing – mein Viertel“.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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