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Sehr oft bestreifen die Pasinger Polizisten - hier die Polizeihauptkommissare Markus Göttler (l.) und Georg Flaucher - die stillen Villengegenden.

Polizei-Serie über München

PI 45 - Pasing: Auf Streife um die stillen Villen

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Der Münchner Merkur und die tz starten ihre große Serie über die Münchner Polizei. Brennpunkte, Schwerpunkte und kuriose Fälle: Wir haben das für jedes Viertel zusammengefasst. Diesmal: Pasing.

Sie haben einen eigenen Bahnhof, einen eigenen Marienplatz, ein ganz eigenes Selbstverständnis und auch ganz eigene Probleme: Der riesige Inspektionsbereich der Polizei-Inspektion 45 in Pasing umfasst den ICE-Knotenpunkt und Großstadt-Bahnhof genauso wie die ländliche Stadtrand-Idylle. Wir begleiteten den Chef, Polizeioberrat Peter Löffelmann, und seine Kollegen auf eine Rundfahrt der Kontraste.

Einbrecher-Jagd in Pasing

Die dicht bewachsenen, dämmerigen Pfade zwischen den Straßenzügen sind so eng und so lang, dass man ihr Ende nie sieht. Eine etwas unheimliche Besonderheit des Pasinger Österreicher-Viertels hinter der Lärmschutzwand an der Landsberger Straße, die Einbrecher als Einstieg in die Gärten nutzen.

Die Nähe zu den Autobahnen und die stillen Villenviertel machen Pasing und Obermenzing für Einbrecher attraktiv. Nach einer massiven Einbruchswelle im Jahr 2014 mit 102 Einbrüchen haben Polizeioberrat Peter Löffelmann und seine 90 Kollegen mit Unterstützung der Reiter- und Hundestaffel die Streifentätigkeit derart erhöht, dass ein großer Teil der Manpower auf die Prävention verwendet wurde. Mit Erfolg: Im Jahr 2015 wurde die Zahl auf 61 fast halbiert und blieb im letzten Jahr konstant.

Im Einsatz: Die Polizisten haben ein großes Gebiet zu überwachen.

2657 Streifengänge in den acht S-Bahnhöfen des Reviers

Der Präsenz-Effekt wirkt auch am Pasinger Bahnhof an der ICE-Strecke - täglich frequentiert von 100.000 Menschen und früher auch Treffpunkt für Trinker, Jugendgangs, Drogensüchtige und Bettler. Sie alle wichen dem Kontrolldruck der Polizei, die allein 2015 mit 2657 Streifengängen in den acht S-Bahnhöfen des Reviers für Ruhe sorgte. Das bestätigt auch Momo Gheitanj (42), Chef der Sega­fredo-Kaffeebar im Pasinger Bahnhof: „Ich fühle mich sicherer als früher.“ Nur einmal wählte er im letzten Jahr den Notruf wegen eines Randalierers.

Doch es gibt Tendenzen, die die Polizei mit Sorge und Bedauern sieht. Alteingesessene Einzelhändler sind aus dem Pasinger Zentrum verschwunden. Billig-Friseure, Callshops, Wettbüros und Schnellimbisse rücken nach. Durch neue Einkaufsmöglichkeiten in den Pasing Arcaden haben sich die Ladendiebstähle in vier Jahren von 158 auf 680 vervierfacht. 415 Fahrräder wurden gestohlen. Die 1938 Diebstähle machten den Löwenanteil der 5072 Straftaten aus.

Bilder: Auf Streife mit der Polizeiinspektion Pasing

Zahl der Drogendelikte steigt um 41 Prozent

Weil die Polizei die Drogenszene stärker als früher kontrolliert, stieg auch die Zahl der Drogendelikte um 41 Prozent auf 354 Fälle an. Die hohe Zahl jugendlicher Drogenkonsumenten und der unter Drogen stehenden Autofahrer (119 wurden in 2015 erwischt) macht Löffelmann Sorgen. Ein riesiges Aufgabenfeld - ebenso wie die Drogenprävention an den etwa 30 Schulen im Inspektionsbereich. Eine Serie von neun sexuellen Übergriffen im Jahr 2015 auf Frauen entlang der Nachtbuslinie in Neuaubing wurde zwar nicht geklärt, riss aber nach massiver Überwachung ab.

Auch nach einem Vorfall im Stadtpark - dort wurde eine Frau nachts vom Fahrrad gerissen - stiegen Polizisten aufs Dienst-Fahrrad. Auch hier tauchte der Täter nicht mehr auf. 29 Sexualdelikte wurden der Pasinger Polizei im Jahr 2015 gemeldet, dazu 23 Raubüberfälle und 20 Tierquälereien - darunter auch vergiftete Köder.

Polizei rückt bei Auseinandersetzungen mit mehreren Streifen an

Wo viele Menschen eng zusammen leben, sind Konflikte vorprogrammiert. Und es gibt Anlässe, zu denen die Polizei in weiser Voraussicht lieber mit mehreren Streifen fährt. Zum Beispiel bei Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen. Und auch zu einigen Lokalen, in denen zuweilen gewaltig die Fäuste fliegen.

Pasings Beamte rückten im Jahr 2015 zu 748 Ruhestörungen, 868 Streitschlichtungen und 600 Verkehrsbehinderungen aus. Nicht immer endet das friedlich: In 592 Fällen ermittelte die Polizei wegen Körperverletzung. Davon gelten 166 Fälle als gefährliche Körperverletzungen.

Polizeioberrat Peter Löffelmann und Polizeihauptmeister Jonas Maier (r.) auf einem der Pfade im Österreicher-Viertel. Hier und auch am Würmkanal schleichen Einbrecher herum.

Häufig Streitigkeiten in Asylbewerber-Unterkünften

Mehrmals wöchentlich müssen die Beamten zu internen Streitigkeiten innerhalb der beiden Asylbewerber-Unterkünfte in Freiham und Lochhausen ausrücken. Die hübsche Holzoptik der Lochhausener Unterkunft nahe des Dorfzentrums täuscht nicht darüber hinweg, dass die Flüchtlinge - vor allem junge Männer - hier für viele Fremde geblieben sind.

Und dann wäre da noch der enorme Verkehr: Vier der längsten Münchner Hauptverkehrsstraßen (Landsberger-, Verdi-, Bodensee-, und Pippinger Straße) mit bis zu 38.000 Fahrzeugen in 24 Stunden führen zu großen Teilen durch den Bereich der PI 45, dazu gefürchtete Raserstrecken im Bereich der Wiesentfelser- und Bodenseestraße.

Raser sind scheinbar nur mit Kontrollen und Fahrverboten zu beeindrucken. Bei 833 Laser-Kontrollen haben die Beamten im Jahr 2015 schon 265 Temposünder aus dem Verkehr gezogen und 568 Verwarnungen verteilt. Trotzdem kam es zu 2700 Unfällen. 1230 davon gelten wegen Personen- und/oder Sachschäden als schwere Unfälle. 349 Menschen wurden verletzt und drei sogar getötet. Ein Dauerthema sind auch die großen Baustellen. Denn Pasing wächst und wächst…

Kaum öffentliches Nachtleben in Pasing

Dennoch fehlen hier bislang Attraktionen, die in anderen Stadtteilen oft Ärger machen. Kein Nachtleben, keine Groß-Disco, noch nicht mal ein Kino. Selbst die überschaubare Rotlicht-Szene - ein Swinger-Club in Pasing und ein paar Provinz-Püffchen entlang der Lochhausener Straße - ist noch nie über kleine Streitigkeiten mit Gästen hinausgekommen. „In Pasing werden abends die Bürgersteige hochgeklappt. Und das ist gut so“, schmunzelt Löffelmann.

Was nicht bedeutet, dass nicht von jetzt auf gleich brisante und auch erschütternde Ereignisse alle Routine auf den Kopf stellen: Eine aus dem Nichts entstandene Demo gegen Neonazis war solch ein Fall. Und auch zwei Morde an Seniorinnen, begangen von dementen Ehemännern, erschütterten letztes Jahr Aubing.

Und bis heute hält die PI 45 das Andenken an den Kollegen Andreas Burek (37†) in Ehren. Am späten Abend des 25. Juli 2007 war er bei einem Einsatz am Bahndamm in Lochhausen von einer S-Bahn erfasst und getötet worden. Sein Kollege überlebte schwer verletzt, arbeitet heute wieder in der Inspektion. Heuer jährt sich das Unglück zum zehnten Mal. Am 25. Juli werden viele Kollegen wieder zu der Gedenkstätte am Bahndamm Am Langwieder Bach gehen und an ihn denken - wie eigentlich an jedem Tag.

Hier verunglückte 2006 Peter Löffelmanns Kollege Andreas Burek (†37).

Hier gab es 14.000 Einsätze in einem Jahr

117.000 Einwohner aller sozialen Strukturen leben im Bereich der Polizeiinspektion 45 in Pasing - von der eleganten Villenkolonie bis zur Sozial-Siedlung. Flächenmäßig ist sie mit 42 Quadratkilometern die größte Stadt-Inspektion der Münchner Polizei. Mit 14.000 Einsätzen im Jahr 2015 belegt sie den fünften Platz aller 25 Inspektionen. Dazu gehören Pasing, Obermenzing und Neuaubing genauso wie die dörflich geprägten Stadtrandlagen von Aubing, Langwied und Lochhausen. Pasing hat sich enorm verändert. Auch am Stadtrand tut sich was. Für 25.000 neue Bürger entsteht in Freiham ein neues Wohnviertel. 400.000 Kilometer fahren die 90 Pasinger Polizisten im Jahr in ihrem Revier, dessen äußerste Grenze acht Kilometer weit entfernt in Langwied liegt. Seit Jahrzehnten residiert die PI in einem Seitenflügel des Klosters Congregatio Jesu (vormals Englische Fräulein) in der Institutstraße 1. Ende 2018 zieht die Inspektion in einen Neubau in die Heimburgstraße am Westkreuz um.

Pasing wehrte sich

An einem Samstag im März 2014 war ein weißer Bungalow in Obermenzing urplötzlich das Ziel einer Großdemo mit über 1000 Teilnehmern, allerhand Polit-Prominenz und der schwarz vermummten Antifa, welche die Polizei angriff. Die Beamten wehrten sich mit Pfeffersprays. Grund: Bei einer ahnungslosen Seniorin hatten sich drei bundesweit agierende, teils vorbestrafte Neonazis als Mieter eingenistet. So wurde das weiße Haus zum „Braunen Haus“ umfunktioniert und Ziel wütender Proteste. Das Haus steht heute leer und es ist längst wieder Ruhe eingekehrt.

Das sind die weiteren Folgen

Maxvorstadt: Das Studentenviertel kämpft mit Dieben und Rasern. 

Sendling: Der starke Verkehr beherrscht den Arbeitsalltag der Beamten

Bogenhausen: Einbrüche machen einen Löwenanteil der Straftaten im Nobelviertel aus.

Au & Haidhausen: Tag und Nacht Einsätze in Haidhausen, am Ostbahnhof und in der Kultfabrik

Perlach: Streitereien, Ruhestörungen und Ladendiebstähle kommen hier oft vor.

Trudering-Riem: In der Messestadt trifft sich die Welt. Auch ein Ort sozialer Spannungen

Westend & Ludwigsvorstadt: Das Südliche Bahnhofsviertel und der Gärtnerplatz halten die Beethoven-Wache auf Trab.

Giesing: Das Viertel der Geschichte und Geschichten. Fußball ist allgegenwärtig – auch bei der Polizei.

Altstadt: Touristen, Taschendiebe und die Feierbanane machen der Polizei Arbeit.

Olympiapark: Hier sind die Schwerpunkte die vielen Veranstaltungen.

Neuhausen:  Einbrüche, Trickdiebstähle und das Strafjustizzentrum sind hier Schwerpunkte.

Planegg: Grüne Idylle mit schwarzen Fleckchen. Einbrüche sind hier das Problem.

Grünwald: Die Isar und ihre zahlreichen Sport- und Freizeitmöglichkeiten bestimmen den Arbeitsalltag der Polizei.

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