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So soll der neue Hanns-Seidel-Platz aussehen. Doch bislang fehlt für den spektakulären Entwurf von Delugan Meissl Associated Architects der Investor.

„Wir wollen Neuperlach weiterbauen“

50 Jahre Neuperlach: Stadtbaurätin erklärt, was die Zukunft bringt

Zum 50. Geburtstag des Stadtteils spricht Stadtbaurätin Elisabeth Merk spricht über das Mammutprojekt Neuperlach aus heutiger Sicht. 

München - Die eigens komponierte „Bayerische Fest-Ouvertüre“ erklang, als vor 50 Jahren der Grundstein für Neuperlach gelegt wurde, und der Direktor der Neuen Heimat Bayern, Ludwig Geigenberger, geriet ins Schwärmen: Neuperlachs soziale und bauliche Bedeutung würden „erst die uns nachfolgenden Generationen ermessen können“, sagte er.

Heute könnte man so nicht mehr planen

Zum Beispiel Elisabeth Merk. Sie war damals vier Jahre alt. 50 Jahre später ist sie Münchens Stadtbaurätin und zollt den Machern von einst Respekt. Es sei eine enorme Leistung in sehr kurzer Zeit gewesen, die man da in den 60er- und 70er-Jahren vollbracht habe, sagt Merk heute. Rückblickend sei Neuperlach aber natürlich ein Kind seiner Zeit gewesen. „Planerisch hat man in viel größeren Dimensionen gedacht – was auch daran lag, dass die Stadt, die es schon gab, kleiner war.“ Damals hatte man auch noch sehr viele große zusammenhängende Freiflächen in München. „Deshalb konnte ein großes Konzept aus einer Hand entwickelt werden, das ist heute fast ausgeschlossen.“

Wohnen und Arbeiten wollten die Planer vor 50 Jahren im großen neuen Stadtteil unterbringen – aber sauber getrennt voneinander. „Das wünschen wir uns heute so nicht mehr; wir versuchen über die urbanen Gebiete mit viel kleinteiligerer Mischung und unterschiedlichen Akteuren ganz anders an solche Stadtquartiere heranzugehen.“

Heute geschätzt: Viel Grün und Freiflächen

Stadtbaurätin Elisabeth Merk (re.) muss sich vorerst mit der Grundsteinlegung für die weniger extravagante Wohnbebauung begnügen.

Die große Qualität von Neuperlach sieht die Stadtbaurätin in der sehr guten Ausstattung mit Grün und Freiräumen, mit Ostpark und Michaelibad. Das könne man auch spüren, wenn man nicht dort wohne, sondern nur mal spazieren gehe. „Es ist nicht nur irgendwie dazwischen angepflanzt worden, sondern da steckt schon ein gestalterisches Konzept dahinter.“ Heute werde bei Nachverdichtungsplänen immer sofort über die verbleibenden Freiflächen diskutiert. „Da ist diese Großsiedlung, die ja auch als Trabantenstadt beschimpft worden ist, natürlich eine Struktur, wo man schon effizient in sehr kurzer Zeit sehr viele Wohnungen bauen und trotzdem noch Freifläche erhalten kann: Das ist für mich die Quintessenz von Neuperlach“, sagt die Architektin und Stadtplanerin.

Jetzt steht die Sanierung an

Mittlerweile sei Neuperlach mehr als erwachsen geworden, so Merk. „Viele Dinge, die vielleicht in der Anfangszeit noch nicht ganz ausgewogen waren, haben sich im Laufe der Jahre ganz positiv entwickelt – vom U-Bahn-Anschluss bis zu sozialen Einrichtungen.“

Nun steht man vor der Aufgabe, bestimmte Dinge zu erneuern. Daher wurde Neuperlach als städtebauliches Sanierungsgebiet ausgewählt. Es geht nicht nur um die Gebäude, sondern ganz stark um den öffentlichen Raum und die Einrichtungen. Die Stadt will sich um den Altbestand kümmern. „Was gibt es für neue Typologien, ohne die Qualitäten, die es gibt, zu negieren, was kann man vielleicht erneuern und sanieren, um es dann in neue und bessere Zusammenhänge zu stellen“, beschreibt Merk das Ziel. Es solle kein „Stückerlwerk“ werden. „Wir wollen Neuperlach weiterbauen, aber in guter Qualität.“ So will die Stadt auch Wohnbauspekulationen Einhalt gebieten und sicherstellen, „dass nicht große Freiräume zugebaut, sondern erhalten werden“. Was Merk zum Vierteljubiläum besonders freut: „Dass ich jetzt die bin, die nach über 50 Jahren mit den Grundstein legen darf für den Hanns-Seidel-Platz.“

Neuperlach wird 50: Das hat sich alles verändert

ick

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