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Ewa und Günter mit Tochter Sara und Hund Luca. Sie sind so glücklich, dass ihr Hund wieder da ist.

Vorsicht Tierbesitzer!

Angst geht um: Mann verkauft gestohlene Hunde im Internet

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Wenn sich dieser Verdacht bestätigt, müssen Hundebesitzer im Münchner Osten gut aufpassen: Ein Mann stiehlt nämlich Hunde und verkauft sie als angebliche Fundtiere im Internet.

München - Der Münchner Tierschutzverein ist einem Mann auf die Schliche gekommen, der seit mindestens einem Jahr die Hunde klaut und sie als angebliche Fundtiere im Internet verkauft. So erging es jedenfalls dem Golden Retriever Luca (7), der der Hausmeisters-Familie S. in Neuperlach gehört. Am Freitag lief ihnen der Rüde davon. Am Samstagmittag schon verkaufte der Rumäne den Hund an eine ahnungslose Frau ins Ostallgäu. Lucas Rettung – ein einziger Nervenkrimi.

Wenn er etwas Feines zu fressen oder gar eine Hundedame wittert, ist Luca nicht mehr zu bremsen. Am 3. Februar, einem Freitag, war es wieder so weit. Luca entwischt der Hausmeisterin Ewa R. (50) am Theodor-Heuss-Platz. „Meist kommt er schnell von allein heim. Doch diesmal warteten wir umsonst. Wir waren verzweifelt.“ Lebensgefährte Günter S. (60) erstattete Anzeige bei der Polizei und informierte das Tierheim. Eveline Kosenbach, die Leiterin der Vermisstenstelle, stellte Luca sofort auf die Facebook-Seite des Münchner Tierschutzvereines. S. sagt: „Alle Freunde, alle Hundebesitzer waren auf den Beinen – schon wegen unserer Sara. Sie ist mit Luca aufgewachsen und war untröstlich. Wir waren so dankbar für diese Hilfsbereitschaft.“

„Ich hatte mir genau solch einen Hund so lange gewünscht“

Etwa zur gleichen Stunde stellte Robert H. den Retriever bereits als „armen, verlassenen Fundhund“ im Internet bei Ebay ein. Das ist eine Lüge, aber raffiniert. Im 110 Kilometer entfernten Aitrang (Ostallgäu) trifft diese Anzeige die tierliebe Berkana M. (54) am Freitagabend mitten ins Herz: „Ich hatte mir genau solch einen Hund so lange gewünscht. Ich hatte schon mal einen Retriever, den hat mein Ex-Mann mitgenommen. Das war sehr schwer für mich.“ Sie ruft Robert H. an, steigt am nächsten Morgen in den Zug und übernimmt den angeblich herrenlosen Hund am Ostbahnhof: „Ich habe ihn Max getauft. Der Mann verlangte 200 Euro für das Tier. Er war mir unsympathisch.“ Das ungute Gefühl verstärkt sich, als sie daheim unter der Haut des Hundes einen Chip tastet und in seinem Ohr die sieht: „Ich hatte plötzlich das Gefühl, einen Riesen- Fehler gemacht zu haben.“ Sie telefoniert mehrfach mit Robert H. Der reagiert sauer: „Er sagte, dass das Tier aus schlechter Haltung stamme und von niemandem vermisst werde. Dann riet er mir, Chip und Tattoo entfernen zu lassen.“ Beim letzten Telefonat wirkte er geradezu panisch. „Das Beste ist, du setzt den Hund sofort aus“, riet er und legte auf. Berkana M.: „Ich war sprachlos.“

Was die Allgäuerin nicht wusste: Eveline Kosenbach war dem Mann dicht auf den Fersen: „Eine unserer vielen Helferinnen hatte die Anzeige bei Ebay gefunden und uns die Nummer des Verkäufers genannt.“ Die Polizei wurde eingeschaltet. Robert H. löschte die Ebay-Anzeige und tauchte ab. Wenig später meldete sich Berkana M. im Münchner Tierheim und fragte an, ob in München zufällig ein Golden Retriever vermisst werde…

„Hoffentlich wird der Hundedieb schwer bestraft“

Mitwochfrüh schloss die überglückliche Familie ihren Hund wieder in die Arme. Berkana M. vergoss bei der Trennung bittere Tränen („Er war so lieb“), freut sich aber für Luca und seiner Familie. Sie sagt: „Ich hoffe, dieser Hundedieb wird schwer bestraft. Er macht Menschen und Tiere unglücklich.“ Die Polizei ermittelt, der Mann ist aktuell auf freiem Fuß.

H. gehört zu einem rumänischen Familienclan, der der Bettelmafia zugeordnet wird. Alle leben im Bereich Neuperlach und Unterhaching. Dort verschwanden immer wieder Hunde. Zufall? Kosenbach glaubt das nicht: „Dieser Mann hat sogar bei uns im Tierheim einen Fundhund abgeholt. Er ist unauffindbar…“ 

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