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Der Hachinger Bach ist an der Sebastian-Bauer-Straße über die Ufer getreten, weil aufgestautes Eis einen Durchlauf verstopft hatte. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk enteisten die Straße.

Frost-Kuriosum: So kämpft München gegen Grundeis

München - Aufgestautes Eis und ein umgekippter Baum haben am Samstag in Perlach sowie Obermenzing Bäche aufgestaut und teils über die Ufer treten lassen. Die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun:

Durch die extremen Minusgrade gefror das Wasser und vereiste so die angrenzenden Straßen. An anderen Gewässern kämpft das Wasserwirtschaftsamt derzeit gegen ein seltenes Natur-Phänomen: Grundeis.

Nach Angaben der Feuerwehr riefen Anwohner Samstagmorgen um 7.45 Uhr bei der Leitstelle an und baten um Hilfe. In Perlach hatte sich der Hachinger Bach gestaut. An einer Brücke, die als Zufahrt zu einem angrenzenden Haus dient, hatte sich Eis so verkeilt, dass der Hachinger Bach nicht mehr abfließen konnte. Das Wasser trat über die Ufer und lief in die angrenzenden Grundstücke sowie auf die Sebastian-Bauer-Straße. Durch die niedrigen Temperaturen bildete sich dort massives Glatteis. Darum wurde auch das Baureferat hinzugezogen und ein Streuwagen herbeibeordert. Die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk beseitigte einen Teil des Eises unter der Brücke, sodass der Bach wieder abfließen konnte. Gleichzeitig wurde der Zulauf des Hachinger Baches gesperrt, damit sich das Problem nicht wiederholen konnte. In die angrenzenden Häuser war glücklicherweise kein Wasser gelaufen.

Die anhaltende Kälteperiode bringt mittlerweile sogar ein sehr seltenes Frost-Kuriosum mit sich: Manche Bäche gefrieren jetzt von unten her. Das sogenannte Grundeis wächst von der Gewässersohle aus und bildet bizarre Unterwasser-Skulpturen. Am Nymphenburg-Biedersteiner Kanal, aber auch am Schwebelbach im Norden Münchens sind daher Arbeiter des Wasserwirtschaftsamtes im Eis-Einsatz. Mit Pickeln und einem spinnenförmigen Stelzenbagger lösen sie an neuralgischen Punkten das Eis am Grund.

Normalerweise frieren Seen und Flüsse von oben her zu, erklärt Sylva Orlamünde, Leiterin des Wasserwirtschaftsamtes. Grundeis dagegen ist eine seltene Erscheinung. Es bildet sich, wenn der Boden bei sehr lang anhaltendem Frost tiefgründig gefriert. Voraussetzung dafür ist, dass keine Verbindung zwischen dem Bach und dem Grundwasser besteht, dass also nur wenig warmes Grundwasser durch die Sohle in den Bach einströmt. Denn das Grundwasser ist wärmer als null Grad und verhindert damit das Einfrieren der Sohle. Wenn Grundeis nicht bekämpft wird, verringert es den Bachquerschnitt und lässt schlussendlich das Gewässer über die Ufer treten.

Sven Rieber

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