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Das Kulturhaus Neuperlach am Hanns-Seidel-Platz soll heuer noch abgerissen werden.  

Wertvolle Kunst oder Schnapsidee?

Graffiti-Projekt in Neuperlach: Warum der BA nicht zahlen will

In Neuperlach verweigert der Bezirksausschuss einem Graffiti-Projekt am Kulturhaus die Unterstützung, denn das Gebäude wird nur wenig später abgerissen.

München - Anlässlich der 50-Jahr-Feier von Neuperlach soll ein Graffiti-Kunstwerk entstehen – auf einer Wand, die ein halbes Jahr später abgerissen wird. Den Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach stören vor allem die Kosten.

Vor 50 Jahren gab es in München den Spatenstich zum damals größten Neubauprojekt der Nachkriegszeit: Neuperlach. Das Jubiläum soll mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert werden. Mit dabei auch das Kulturhaus Neuperlach. Angesichts der großen Sprayer-Szene, die aber von der Mehrheit der Bewohner kaum beachtet werde, plant man unter anderem ein großes Graffiti.

Ein junger Künstler soll als Motiv Bestandteile aus dem kulturellen Programm von „Kulturhaus“ und „Pepper“-Theater aufsprayen. Darstellungen aus Musik, Malerei und Schauspiel sowie die Logos der beiden Kulturstätten. Dies soll zeigen, dass Kultur und Neuperlach kein Widerspruch sind. Kosten der Aktion: 6400 Euro.

Aufgetragen werden soll das Graffiti im Mai auf die Rückwand des Kulturhauses Neuperlach, direkt gegenüber dem Pep-Einkaufszentrum. Durch die Gestaltung der Fassade werde sowohl das Kulturhaus als auch der gesamte Straßenzug aufgewertet, heißt es im Förderantrag. „Es verbessert die allgemeine Atmosphäre an einer zwar stark frequentierten, aber sonst doch etwas unschönen Ecke des Hanns-Seidel-Platzes.“ Die Wand, vor der derzeit ein öffentliches Klo-Häuschen steht, werde damit noch mal aufgewertet, argumentiert der Vorstand des Trägervereins, Ulrich Knauer.

Allerdings: Genau dieses Kulturhaus wird zum Jahresende abgerissen, weil auf dem Hanns-Seidel-Platz gebaut wird. Für Knauer kein Problem. „Das ist schon viel Geld, aber Musik und Kabarett verschwinden ja hinterher auch.“ Zudem sei es in gewisser Weise auch eine politische Demonstration. „Es zeigt, was wir seit 50 Jahren in Neuperlach erleben: Hoffnungen auf ein Kulturbürgerhaus werden aufgebaut, Wettbewerbe und Planungen durchgeführt, danach alles wieder fallen gelassen.“ Derzeit prüfe man aber, ob nicht Teile der bemalten Holzwand aufbewahrt werden können.

Der Bezirksausschuss hält die Kunst- für eine Schnapsidee. Die Lokalpolitiker wollen das Projekt nicht aus ihrem Budget zahlen und haben auf den Graffiti-Fördertopf im Kulturreferat der Stadt verwiesen. „Die Kosten stehen in keinem Verhältnis, es ist kein Bezug zum Stadtteil ersichtlich“, meinte Joe Hensel (SPD). Zudem werde das Bild später geschreddert. Bei der CSU sah man eine „Verschwendung von Steuergeldern ohne Nachhall-Effekt“.

Im Kulturreferat hingegen wird das Projekt nicht wegen des Abrisses infrage gestellt. „Graffitis sind ja eine temporäre Kunst und auch ein Jubiläum ist etwas Flüchtiges“, so Sprecherin Jennifer Becker. Ob das Referat auch die Kosten tragen wird, ist noch unklar. 

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Carmen Ick-Die tl

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