Viele Fans bei “Aiko Con“ in Neuperlach

Für einen Tag Manga-Figur: Hunderte Münchner stehen drauf

München - Wie hoch Mangas und Animes auch bei den jungen Münchnern im Kurs stehen, sah man am Samstag beim „Aiko Con“ in Neuperlach. 

So mancher Neuperlacher mag sich an diesem Samstag gefragt haben, ob gerade Außerirdische gelandet sind: Krieger in futuristischen Uniformen laufen da an der „Südpolstation“ herum, aber auch verträumte Prinzessinnen. Man kann Elfen entdecken, Katzenwesen und hie und da auch ein Schulmädchen. „Alles selbstgemacht“, sagt die 22-jährige Maria aus München. Sie ist eine sogenannte Cosplayerin und steckt in einem Rotkäppchen-Kostüm, das einem japanischen Kartenspiel entlehnt ist – kunstvoll designte Krallen, lila Perücke, Plüschohren: Das hat mit der braven Märchenfigur der Gebrüder Grimm kaum noch was zu tun. 

Willkommen auf der „Aiko Con“ – einer Zusammenkunft mehrerer Hundert Fans der Anime- und Manga-Szene, veranstaltet vom Münchner Verein Animexx, dem größten deutschsprachigen Verein für Fans japanischer Zeichenkunst und Kultur. Aus München und ganz Oberbayern sind sie angereist, um sich mit Gleichgesinnten über das gemeinsame Hobby auszutauschen, zusammen zu tanzen, Filme zu schauen, mit Karten oder an Konsolen zu spielen. Der AniManga-Chor trägt Lieder aus Animes und Filmen vor, man kann Origami-Figuren falten oder lernen, wie man die bekannte japanische Süßigkeit Mochi selbst zubereitet. 

Die Veranstaltung, die zum ersten Mal in der Südpolstation am Gustav-Heinemann-Ring stattfindet, war schon im Vorfeld so gut wie ausverkauft. Am auffälligsten bei solchen Treffen: Cosplayer wie Maria. Die Mischung aus den Worten „Costume“ und „Play“, Kostüm und Spiel, erklärt es ganz gut: Es ist Verkleidung und Theaterspiel in einem. Die Cosplayer versuchen Figuren aus einem Film, Comic oder Spiel möglichst detailgetreu zu imitieren. Nicht nur im Aussehen, auch im Verhalten. Doch es geht hauptsächlich ums Sehen und Gesehen werden. Was letztlich alle eint: Sie lieben die japanische Kultur. 

Auch in Neuperlach sind die zahlreichen Cosplayer die Hingucker. So unterschiedlich wie die Manga-Geschichten, so unterschiedlich sind auch die Kostüme. Die sind auch bei Alec, Kimi und Sachiko an der eigenen Nähmaschine entstanden. Sie gehören zu einer Gruppe und stellen die Charaktere Hak, Su-won und Prinzessin Yona aus dem Anime „Akatsuki no Yona“ (zu deutsch: Yona – Prinzessin der Morgendämmerung) dar. „Ich schaue mir die Bilder für so ein Kostüm genau an, dann hole ich mir Schnitte aus dem Internet oder von Burda und nähe die Sachen nach“, erklärt Kimi. Die Nachfrage nach Fotos mit ihnen ist hoch. Immer wieder werfen sie sich in Pose. 

Vor dem Gebäude stehen sieben Mädchen – irgendwie sehen sie sich alle ähnlich. Kein Wunder: Die jungen Frauen im Alter zwischen 15 und 22 Jahren sind alle Fans des Animes „Yuri on Ice“. Der Trickfilm, bei dem es um Eiskunstlauf geht, ist ganz neu in Deutschland und sehr angesagt. „Wir gehören gar nicht zusammen, wir haben uns erst hier getroffen“, erzählen die Mädels. Die Faszination Manga und Anime hat sie für einen Tag zusammengeführt. 

Wegen ihrer Vorliebe für japanische Zeichentrickserien und dazu passenden Kostümierungen belächelt zu werden, ist für die Frauen im Alter zwischen 20 und 26 Jahren nichts Ungewöhnliches. Aber es stört sie auch nicht. „Das ist doch viel besser, als nur rumzustehen, sich mit Alkohol vollzuschütten und irgendeinen Unsinn anzustellen, oder?“, sagen sie. Zudem treffen sie ständig irgendwelche Bekannten und erweitern ihr Netzwerk. „Das ist wie ein großes Freundschaftstreffen.“

Carmen Ick-Dietl

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