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Zwei Kultureinrichtungen, ein Schicksal: Beiden droht die Heimatlosigkeit. Das Kulturhaus am HannsSeidel-Platz (u.), das 2001 als Übergangslösung hingestellt worden war...

Neuperlach

Kultur in Not im Münchner Osten

In Neuperlach suchen gleich zwei wichtige Kultureinrichtungen dringend nach einer neuen Bleibe: das Festspielhaus und das Kulturhaus. Beide sollen mal ins Kultur-Bürgerhaus am Hanns-Seidel-Platz ziehen. Doch das wird wohl nicht vor 2025 fertig. Der Wohnungsbau nimmt darauf keine Rücksicht.

München - Das Kulturhaus am Hanns-Seidel-Platz war 2001 ursprünglich nur für den Übergang hingestellt worden. Um die Zeit bis zum Bau des großen Neubaus zu überbrücken. Doch nichts hält länger als ein Provisorium – das zeigte sich auch in Neuperlach. Immer wieder wurde die Genehmigung verlängert, wurde der Holzbau geflickt, damit er noch weitere Jahre hält. Nun aber ist endgültig Schluss. „Zum 30. November müssen wir draußen sein“, berichtet der Vorstand des Trägervereins, Ulrich Knauer. Dann wird das Haus abgerissen, denn es steht künftigem Wohnungsbau am Hanns-Seidel-Platz im Weg.

Seit einem halben Jahr suchen Trägerverein und Stadt deshalb nach einem Provisorium fürs Provisorium. Von leerstehenden Bürogebäuden über Leichtbauhallen bis zu Containern auf Parkplätzen oder Wiesen. Die Vorgaben: Es muss in Neuperlach, möglichst im Zentrum, sein und eine gute Verkehrsanbindung haben. Doch 500 Quadratmeter Kultur unterzubringen, ist nicht leicht. Vor allem der große Saal für Veranstaltungen am Abend und am Wochenende sorgt für Probleme. „Wir haben inzwischen die Hoffnung verloren, dass wir irgendeinen Theaterraum in Neuperlach finden“, sagt Knauer.

Das endgültige Aus ist es nicht. „Wir haben ja noch das Pepper-Theater.“ Eine Bühne im Keller des PEP-Einkaufszentrums. Wenn es gelinge, in der Nähe noch andere Räumlichkeiten anzumieten, könne man umstrukturieren. Veranstaltungen ins Pepper, Proben, Vereinsaktivitäten und mehr in die Ersatzräume, glaubt Knauer. „Alles werden wir aber nicht mehr machen können.“ Die großen Tanzveranstaltungen beispielsweise seien wegen der festen Kinobestuhlung im Pepper nicht mehr drin. Ein schwerer Schlag: „Das wirft uns um gut zehn Jahre zurück.“

... und das „Festspielhaus“ an der Quiddestraße, das seit 45 Jahren im Viertel etabliert ist.

Um das Festspielhaus steht es sogar noch schlimmer: Dessen Leiter Helmut von Ahnen gibt unumwunden zu: „Wir haben keinen Plan B.“ Der Jugendkultureinrichtung wurde der Standort an der Quiddestraße zum September 2018 gekündigt. Ebenfalls wegen Wohnungsbau. Seit Dezember weiß der Theaterchef von der Kündigung, seitdem sucht er mit der Stadt nach Lösungen. Rund 600 Quadratmeter braucht das Festspielhaus etwa, irgendwo im (Süd-)Osten von München, mit einigermaßen guter öffentlicher Verkehrsanbindung fürs junge Publikum. „Wir freuen uns über jede Idee, es müssen auch keine städtischen Flächen oder Räume sein“, sagt von Ahnen. Letztendlich könnten es sogar Containerbauten auf einer Freifläche sein. Aber auch das ist nicht so einfach. „Im Moment gibt es keine Alternative.“

Im Stadtteil wünscht man sich, dass die Einrichtung bleibt. „Das Festspielhaus in der Quiddestraße ist seit über 45 Jahren ein etablierter Anlaufpunkt im Viertel und zählt fest zum jugendkulturellen Angebot in Neuperlach“, erklärt CSU-Stadträtin Beatrix Burkhardt. Eine wertvolle Institution des bevölkerungsreichen Bezirks, die Kindern und Jugendlichen ein abwechslungsreiches kulturelles Bildungsprogramm anbiete.

Zurzeit braucht dessen Ensemble gute Nerven – links eine Szene aus der aktuellen Produktion „Die drei Musketiere“.

Vor drei Jahren hätte es noch eine Alternative gegeben. Die Theaterleute wollten in die ehemalige Gewofag-Hausmeister-Zentrale in Ramersdorf ziehen. Das Sozialreferat schnappte ihnen das Gebäude vor der Nase weg und brachte alleinerziehende Flüchtlingsfrauen dort unter. Das Festspielhaus wurde darauf verwiesen, dass es ja sowieso ins geplante Kulturbürgerhaus am Hanns-Seidel-Platz umziehen werde. Nur wann? Wohl nicht vor 2025, meinen Knauer und von Ahnen übereinstimmend.

Carmen Ick-Dietl

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