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Münchens älteste Wallfahrtskirche: Maria Ramersdorf wurde Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut.

Sanierung abgeschlossen

Münchens älteste Wallfahrtskirche wird nach vier Jahren wieder geöffnet

Nach vier Jahren umfassender Innenrestaurierung erstrahlt die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf nun in ehrwürdiger alter Schönheit. Zur Wiedereröffnung an Mariä Himmelfahrt weiht Kardinal Reinhard Marx in einem feierlichen Gottesdienst den neuen Altar.

München - Ihren markanten Turm am Autobahnende in Ramersdorf kennt fast jeder Münchner. Der Innenraum des zu Beginn des 15. Jahrhunderts erbauten Gotteshauses allerdings dürfte ziemlich unbekannt sein. Wegen der wertvollen historischen Ausstattung war die Kirche außerhalb der Gottesdienste stets verschlossen. Jetzt aber soll sie offen bleiben. Damit alle Welt sehen kann, wie schön Münchens älteste Wallfahrtskirche nun ist. Zuletzt, das gibt Norbert Jocher, Leiter der Hauptabteilung Kunst im Erzbischöflichen Ordinariat, offen zu, war Maria Ramersdorf in einem Zustand, der ihr nicht mehr würdig gewesen sei.

Die größte Herausforderung: die Restaurierung der Raumschale. „Die Kirche war unheimlich stark verrußt“, der Schmutz sei mit der Oberfläche regelrecht „verbacken“ gewesen. Weil eine „normale“ Reinigung nichts half, wurde eine „leicht mogelnde Aufhellungsglasur“ verwendet.

Pfarrer Harald Wechselberger steht in seiner frisch renovierten Kirche und zeigt den Kreuzpartikel, die wichtigste Reliquie der Kirche Maria Ramersdorf.

Nicht nur der Kirchenraum, auch die historischen Altäre und Bildwerke wurden gereinigt und renoviert. „Nichts ist unberührt geblieben“, erklärt Jocher. Vom Fußboden bis zum Gestühl, von den Gemälden bis zum Stuck – alles wurde bearbeitet. „Wir haben gekittet, retuschiert und vergoldet.“

Auch der Heilig-Kreuz-Altar, der 1483 von dem Bildschnitzer Erasmus Grasser und dem Maler Jan Polack geschaffen wurde und zu Münchens bedeutendsten Bildwerken der Spätgotik zählt, wurde umfassend restauriert. Holzschädlinge und Transporte, aber auch mangelhafte Übermalungen aus der Vergangenheit hatten dem Altar zugesetzt. Der Grasser-Altar hat nun einen Unterbau mit ovalem Schaufenster. Hier wird künftig die wichtigste Reliquie von Maria Ramersdorf aufbewahrt: Der Kreuzpartikel, das einstige Umhängekreuz von Kaiser Ludwig des Bayern. Der Legende nach soll er es aus Rom mitgebacht haben, sein Sohn Otto V. stiftete es 1379 Maria Ramersdorf.

Alles etwas moderner: Der neue Altar.

Die Schenkung der Heilig-Kreuz-Reliquie steigerte in den folgenden Jahren die Bedeutung der Ramersdorfer Wallfahrtskirche nochmals. „Alle bekannten Hofkünstler waren hier zugange“, sagt Jocher. Es finden sich die verschiedensten Stilepochen. So mixen sich unter anderem gotische Elemente mit barocker Ausstattung. „Es ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie an einem Bauwerk immer weitergebaut wurde“, erklärt Diözesanbaumeister Hanns-Martin Rösch.

Neu hinzugefügt wurden nun Zelebrationsaltar, Ambo und Taufbecken sowie Beichtstuhl und Krippenschaukasten. Lampen und Lautsprecheranlage, Fußboden- und Bankheizungen sind ebenfalls neu. Die Turmfassade erhielt einen frischen Putz und Anstrich, die Ziffernblätter der Turmuhr wurden neu gefasst, die Uhrzeiger und das Turmkreuz neu vergoldet. 4,9 Millionen Euro hat die Renovierung gekostet, rund 300 000 Euro musste die Gemeinde dazugeben.

Der neue Taufstein

„Ich halte es für eines der schönsten Kleinode Münchens“, sagt Pfarrer Harald Wechselberger stolz über Maria Ramersdorf. Er hofft, dass die Wiedereröffnung der Startschuss für eine neue Zukunft der Pfarrei sein könnte. Maria Ramersdorf sei zwar „Münchens Altötting im Kleinformat“, besitze jedoch kein Wallfahrtszentrum. Es fehlen Meditationsraum, Vortragssaal, Devotionalienladen, Gästehaus für Pilger und mehr. In der Wallfahrt sieht Wechselberger einen Seelsorge-Zweig der Zukunft. „Auch Menschen, die nicht jeden Sonntag in den Gottesdienst gehen, sind der Wallfahrt aufgeschlossen.“ Diese Chance sollte man nutzen, findet der Pfarrer. Maria Ramersdorf könnte das Herzstück für ein künftiges Münchner Wallfahrtzentrum sein. Schon jetzt hätten sich zahlreiche Wallfahrten angemeldet. „Die müssen wir leider auf die Straße stellen, weil unser Pfarrheim auf der anderen Seite des Mittleren Rings liegt.“

Zudem war Maria Ramersdorf bis zur Schließung vor vier Jahren eine der beliebtesten Tauf- und Hochzeitskirchen. Auch dafür brauche man rund um das Gotteshaus das entsprechende Angebot. „Hier ist nichts behindertengerecht, die Sanitäranlagen sind nicht modern – da ist baulich noch einiges aufzuholen.“

Zur Wiedereröffnung gibt es am Mittwoch um 9.30 Uhr ein Pontifikalamt mit Kardinal Reinhard Marx und der Weihe des Altars. Radio Horeb und das Münchner Kirchenradio (UKW 92,4) übertragen. Ab 14 Uhr gibt es Kirchenführungen, um 16 Uhr eine Marienandacht, um 18 Uhr eine Frauendreißiger-Messe mit Einzelauflegung des Kreuzpartikels.

Lesen Sie auch: Gnadenfrist läuft ab: Stadt steht beim Ortskern Ramersdorf unter Druck

Carmen Ick-Dietl

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