Schock-Geständnis: TV-Legende Frank Elstner schwer erkrankt

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Gibt die Hoffnung nicht auf: Rudolf Kluge mit seinem Anwalt Emil Kellner gestern vor dem Amtsgericht.

Senior soll Wohnung räumen

Kündigung nach 44 Jahren: Hochbetagter Rentner kämpft gegen Räumungsklage

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Ein 89-Jähriger kämpft in München darum, dass er in seiner Wohnung bleiben kann. Nach 44 Jahren bekam der Senior die Kündigung. Der Fall wird jetzt vor Gericht verhandelt. Der Streit bewegt viele Menschen.

Rudolf Kluge (89) ist ein freundlicher Mann. Er lächelt und beantwortet alle Fragen. Müde sieht er aus, das Gesicht ganz blass, die Augen gerötet. Aber der Senior nimmt sich Zeit. „In meiner Wohnung kann ich mich blind bewegen, auch im Dunkeln finde ich jeden Schalter“, sagt er. „Es ist mein Zuhause. Hier habe ich mit meiner Frau gelebt und auch die Schwiegermutter gepflegt. Ich will nicht weg.“

Aber genau das droht dem Rentner, der seit 44 Jahren in seiner Dreizimmerwohnung in Neuperlach lebt. Denn im März 2018 erhielt er überraschend die Kündigung: Seine Vermieterin hat Eigenbedarf angemeldet und will den Senior auf die Straße setzen.

Seit dem gestrigen Zeitungsbericht interessieren sich plötzliche viele Münchner für Rudolf Kluge. Selbst das Fernsehen kam gestern zu seinem Prozess. Das Amtsgericht verhandelt die Räumungsklage seiner Vermieterin, denn Kluge hatte ihrer Kündigung widersprochen.

Sohn der Vermieterin braucht dringend eine Wohnung

Im Prozess zeigen sich nun die Hintergründe. Zunächst sagte der Sohn (36) der Vermieterin aus: Er brauche dringend eine Wohnung, weil die Beziehung zu seiner Lebensgefährtin in die Brüche gegangen sei. Mit ihr hat er einen Sohn (2), den er aber nur notdürftig beherbergen kann, wenn der Kleine zu Besuch ist. Denn der 36-Jährige wohnt übergangsweise selbst wieder bei seinem Vater in Giesing. „Ich habe einfach keine bezahlbare Dreizimmerwohnung gefunden“, sagte der IT-Fachmann – trotz Netto-Gehalts von 2700 Euro.

Das kann man glauben oder nicht. Rechtlich zumindest ist der Eigenbedarf von seiner Wohnungsnot unberührt: „Das spielt keine Rolle, entscheidend ist das Besitzrecht“, führte der Anwalt der Vermieterin aus. Denn Eigentümer dürfen jederzeit ihre eigene Wohnung wieder nutzen und die Mieter kündigen, wenn sie selbst Bedarf haben.

Amtsgericht verhandelt Klage der Vermieterin

So sah es tendenziell auch die Richterin. Sie hielt den Eigenbedarf für „glaubwürdig und nachvollziehbar“. Allein das Alter des Mieters spielt in diesem Fall eine besondere Rolle – und könnte rechtlich noch als Härtefall gewertet werden. Die entscheidende Frage: Ist einem 89-Jährigen wirklich noch eine Wohnungssuche zumutbar – und das in München, wo mitunter Hunderte Bewerber um eine Wohnung konkurrieren?

Darüber entscheidet das Gericht nun am 5. April. Zu einer gütlichen Einigung kam es bislang nicht: Eine Umzugshilfe plus einjährige Auszugsfrist, die der Anwalt der Vermieterin anbot, lehnte Rudolf Kluge ab. „Ich bin tief verwurzelt in Neuperlach und möchte in meinem Umfeld bleiben.“

Sogar der Pfarrer hatte versucht, Kluge bei der Wohnungssuche zu helfen. „Ich habe ihm die Inserate ausgedruckt, er hat ja kein Internet“, sagt Paul Streidl. Doch der Erfolg blieb aus. „Er kann ja auch keine Treppen mehr gehen“, sagt der Seelsorger.

Kritisch sieht den Fall der Münchner Mieterverein. „Für Herrn Kluge wird es fast unmöglich sein, eine neue Wohnung zu finden“, sagt Geschäftsführer Volker Rastätter. „Viele Vermieter wollen unserer Erfahrung nach keine älteren Mieter, weil sie Angst haben, denjenigen nicht mehr loszuwerden oder dass die Miete irgendwann nicht mehr gezahlt werden kann.“ In Sachen Eigenbedarfskündigung hatte der Mieterverein den 89-Jährigen beraten und Widerspruch „fristgerecht eingereicht“. Die Vermieterin zweifelt das an, nun muss eventuell sogar noch der Perlacher Postbote angehört werden.

Rudolf Kluge gibt sich zuversichtlich. „Ich hoffe weiter“, sagt er. Sein Prozess berührt mittlerweile auch moralische Fragen: Kann es gerecht sein, einen 89-jährigen zum Auszug zu zwingen? Mut schöpft der Senior aus einem Urteil aus Berlin: Dort hat das Landgericht gestern die Rechte von betagten Mietern gestärkt: Die Richter entschieden, dass zwei 84- und 87-Jährige allein unter Berufung auf ihr hohes Lebensalter die Fortsetzung des Mietverhältnisses verlangen dürfen. Eine Revision wurde nicht zugelassen.

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