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Aufstockung geplant: Das Parkhaus rechts im Bild soll künftig nicht nur Platz für parkende Autos der Gartencenter-Kunden bieten, sondern auf dem Dach auch noch einen Bolzplatz beherbergen.

Streit um Bolzplatz

Fußball auf dem Dach? Münchner Gartencenter eckt mit futuristischer Idee an

Ein Bolzplatz auf dem Parkhausdach – diese Idee des Gartencenters Seebauer sorgt vor Ort für Diskussionen. Einige Stadtteilpolitiker sehen eine wertvolle Grün- und Freizeitfläche gefährdet.

Ramersdorf: Die Idee hört sich reichlich futuristisch an: Das Gartencenter Seebauer in Ramersdorf will sein Parkhaus aufstocken und mit einem Bolzplatz auf dem Dach ausstatten. Nicht alle Viertelpolitiker sind begeistert .„Wir geben da etwas her, was wir nicht mehr zurückkriegen“, warnte BA-Mitglied Marina Achhammer (SPD). Sie erinnerte daran, dass ein 100-Meter-Abstand zur Wohnbebauung eingehalten werden müsste. Der neue Platz auf dem Dach würde nicht bewilligt, wenn daneben neue Wohnungen entständen.

Der Inhaber des Gartencenters Seebauer, Bernhard Gerstenkorn, möchte seine Verkaufsfläche im Freien überdachen, in einem zusätzlichen Stockwerk Büros und Sozialräume einrichten und etwa 40 bis 50 Mitarbeiterwohnungen schaffen. Dafür benötigte er jedoch die Fläche des städtischen Bolzplatzes zwischen seinem Gartencenter und der Adam-Berg-Straße.

Städtischer Bolzplatz soll zum Baugebiet werden

Im Gegenzug will er sein Grundstück im benachbarten Baugebiet eintauschen. Dort besitzt er ein fast doppelt so großes Areal direkt neben einer großen städtischen Fläche. Klappt der Tausch, könnte beim Gartencenter ein viergeschossiger Neubau entstehen. Mit Gewerbe, einer vorwiegend für Kinder von Mitarbeitern gedachten Kindertagesstätte mit Krippe, Kindergarten, Hort und sogar Ferienbetreuung, dazu Gastronomie, eventuell inklusive Freischankfläche. Darüber im ersten, zweiten und zurückgesetzten dritten Stock die Mitarbeiterwohnungen zu günstigen Preisen.

Platz für Wohnungen: Diese Grünfläche soll Werkswohnungen für die Mitarbeiter weichen

Gerstenkorns Angebot für den wegfallenden Bolzplatz: „Wir setzen ihn auf das Dach unseres aufgestockten Parkhauses.“ Für einige Stadtteilpolitiker kein gleichwertiger Ersatz, auch wenn es von Jugendlichen aus dem Viertel durchaus als „cool“ bezeichnet werde. Es fehle jedoch die natürliche Umgebung, der uneingeschränkte Zugang sei fraglich, auch könnten Nutzungsbeschränkungen drohen. Angesichts der Nachverdichtung in München müsse jeder vorhandene Bolzplatz unbedingt erhalten werden. „Wenn der Ersatz-Bolzplatz nicht genehmigt wird, fällt alles flach“, meinte der BA-Planungsexperte Wolfgang Thalmeir (CSU). Er warnte davor, dass der Betrieb dann eventuell einen Umzug ins Auge fassen und sein Grundstück mit massiver Wohnbebauung verwerten könnte.

Workshop mit Jugendlichen geplant

„Reine Drohgebärden“, schimpfte SPD-Sprecherin Astrid Schweizer. Am Ende sprach sich die BA-Mehrheit für die Pläne des Gartencenters aus. Unter der Bedingung, dass der geplante Ersatz-Bolzplatz überhaupt genehmigungsfähig und frei zugänglich ist. Zudem soll ein Workshop mit Jugendlichen vor Ort abgehalten werden. Es soll nur familiengerechter Wohnraum für Mitarbeiter gebaut und das Gebäude zur gegenüberliegenden Reihenhausbebauung möglichst nicht höher als drei Geschosse werden.

Carmen Ick-Dietl

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