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Derbe Beleidigungen: Mehrere tausend Euro Schaden sollen durch die Sachbeschädigungen entstanden sein.

Üble Beleidigung, großer Schaden

Schmier-Aktion gegen Mauer-Nachbarn

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    Sascha Karowski
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München - Unbekannte haben Häuser an der umstrittenen Lärmschutzwand in Neuperlach mit Beleidigungen verunstaltet. Der Schaden ist beträchtlich. Nun patrouilliert die Polizei verstärkt.

Die Situation rund um die Neuperlacher Mauer eskaliert weiter. Unbekannte haben mehrere Häuser von Nachbarn verunstaltet. Donnerstagabend tagte der örtlich zuständige Bezirksausschuss unter erhöhtem Polizeischutz.

„Mir fehlen die Worte“, sagt Ärztin Iva R.. Unbekannte haben auch ihr Praxis- und Wohnhaus in der Nacht auf Donnerstag rundum beschmiert. „Nazi“ ist dort zu lesen und „Drecksfaschos“. Außerdem wurden Fahrräder vor dem Haus besprüht und auch das Praxis-Schild ist mit roter Farbe unleserlich gemacht. „Ein Patient, der die Praxis sucht, tut sich momentan schwer“, ärgert sich die Medizinerin. Besonders irrwitzig empfindet sie die nächtliche Aktion, weil sie selbst Teil der medizinischen Betreuung der 160 minderjährigen Flüchtlinge sein soll, wenn diese einmal eingezogen sind. „Ich stehe da quasi in den Startlöchern.“

Die Praxis ist nicht das einzige Gebäude, das in der Nacht auf Donnerstag beschmiert worden ist. Mindestens zwei weitere sollen es sein. Gesamtschaden: mehrere Tausend Euro. Betroffen seien Nachbarn, die teils aktiv die Mauer vor Gericht erstritten haben, teils aber auch Anwohner, die damit überhaupt nichts zu tun hatten. So steht zum Beispiel in schwarzen Lettern „Rassisten“ an einem Gartenzaun zu einem Reihenhaus geschrieben, das leer steht. Der ehemalige Bewohner war ein 90 Jahre alter Mann – er ist laut einer Nachbarin vor einigen Wochen verstorben.

Die Polizei bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Sachbeschädigungen bekannt und angezeigt sind. „Details können aber aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt gegeben werden“, erklärte ein Sprecher des Münchner Präsidiums. Vor Ort, so sagen Anwohner, hätten Polizisten aber erklärt, dass die Täter – wenig überraschend ob der Umstände – in der linken Szene vermutet werden.

Die Stadt hat unterdessen ihre Mauer-Taktik zu dem Projekt aufgegeben. Auf tz-Nachfrage war das Baureferat gestern bereit, eine Kostenschätzung abzugeben. Demnach sind für die Lärmschutz-Maßnahme 200 000 Euro eingeplant. Zwischenzeitlich ist eine Petition für den Abriss der Lärmschutz-Wand gestartet worden. Fast 5000 Unterstützer gibt es online bereits.

Bei der Sitzung des örtlich zuständigen Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach (BA 16) am Donnerstagabend war die Polizei aus Sicherheitsgründen verstärkt vor Ort. Ein Streifenwagen patrouillierte vor dem Kulturhaus am Hans-Seidl-Platz. BA-Chef Thomas Kauer (CSU) betonte vor der Sitzung, wie wichtig es sei, das Thema wieder auf ein Normalmaß zurückzufahren. Die Menschen in der Nachbarschaft seien zunehmend verunsichert.

Sven Rieber und Sascha Karowski

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