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Streitobjekt: An der Carl-Wery-Straße baut die städtische Gewofag einen Wohnkomplex. Statt der geplanten 422 entstehen nun 376 Wohnungen.

Kompromiss gefunden

Stadt rudert im Streit um Gewofag-Neubau zurück

Der Streit um einen Gewofag-Neubau in Neuperlach wogte zwischen Stadt und Nachbarn hin und her. Nun macht erstere einen Rückzieher. Denn es drohte ein Debakel.

München - Es war eine Schlappe für die Stadt: An der Carl-Wery-Straße in Neuperlach durfte sie den geplanten Wohnkomplex nicht weiterbauen, weil das Verwaltungsgericht gravierende Planungsmängel erkannte. Jetzt zeichnet sich im Streit um das Wohnbauprojekt ein Kompromiss ab – weil die Stadt zurückrudert.

Die benachbarte Wohnungseigentümergemeinschaft aus der Curd-Jürgens-Straße hatte gegen die Baugenehmigung geklagt, nachdem die Stadt auf die ursprünglich sechsgeschossigen Häuser durch eine Befreiung vom geltenden Bebauungsplan noch zwei Geschosse draufsatteln wollte. Dies sei rechtswidrig, argumentierten die Nachbarn, die ihre Wohnqualität durch die hohe Bebauung dicht vor ihren Fenstern in Gefahr sahen. Das Verwaltungsgericht erklärte die Bauvorlage tatsächlich für unvollständig und fehlerhaft, zudem würden beim Südgebäude die Abstandsflächen zu den Nachbarn nicht eingehalten. Deshalb ordnete es einen Baustopp an.

Weniger Wohnungen als geplant

Jetzt ist man einen Schritt weiter: Zwar fehlen noch die Unterschriften von der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag und der Stadt selbst, doch klar ist: Die ursprünglich geplante, durchgängig achtgeschossige Bebauung wird es nicht geben. Stattdessen sollen beide Wohnblöcke gestaffelte Höhen erhalten. Gewofag-Geschäftsführer Klaus-Michael Dengler ist froh: Vor Gericht sei ein für beide Seiten annehmbarer Kompromiss gefunden worden. „Wir freuen uns, dass wir an der Carl-Wery-Straße weiterbauen können und so 376 neue Wohnungen entstehen.“ Ursprünglich waren 422 Wohnungen geplant gewesen.

Die Eigentümergemeinschaft hat dem Kompromiss am Montagabend bereits zugestimmt, der Gewofag-Aufsichtsrat wird sich kommende Woche mit dem Thema befassen.

Der Vergleich sieht vor, dass das nördliche Gebäude sich zwischen sechs und acht, das südliche zwischen zwei und sieben Geschossen bewegen soll. Zur vorhandenen Bebauung nebenan soll es nie höher als sechs Geschosse werden. Weitere Punkte: Es werden elf zusätzliche oberirdische Parkplätze gebaut und alle Zufahrten zu den Gebäuden laufen allein über die Carl-Wery-Straße. Die Nachbarn hatten mit einem Gutachten nachgewiesen, dass durch die Bebauung die Verkehrssituation in ihren Anliegerstraßen unerträglich würde. Außerdem: Die Gebäude werden weiß, erhalten nicht die geplante rote Backsteinoptik. Im Gegenzug ziehen die Nachbarn ihre Klage zurück.

Debakel für die Stadt drohte

Die Kritiker hatten auch eine Petition beim Bayerischen Landtag eingereicht. Petitionsausschuss, Regierung von Oberbayern und oberste Baubehörde teilten die Ansicht der Anlieger. Die Drohung: Kommt man zu keinem Kompromiss, der die Belange der Nachbarn ausreichend berücksichtigt, könnte die Baugenehmigung durchs Innenministerium wieder einkassiert werden.Eine Riesenschlappe für die Stadt und sicher eine Verzögerung der Baumaßnahme. Denn die Gewofag hätte keine Investitionssicherheit für das Bauvorhaben in Neuperlach-Süd gehabt.

Rechtsanwalt Xaver Finkenzeller von der Kanzlei Schönefelder Ziegler Lehners sieht in der Einigung auch eine Grundsatzentscheidung. „Die Schaffung von Wohnraum darf nicht über Recht und Ordnung gestellt werden.“ Die Stadt müsse sich auch bei ihren eigenen Verfahren daran halten.

Carmen Ick-Dietl

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