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Stinkt manchem schon vor dem Bau: Auf dem Areal der Firma Werner soll die geplante Biomasse-Anlage entstehen.

Baupläne an Carl-Wery-Strasse

„Stinkend und lärmend“: Panik in Perlach wegen Biomasse-Anlage

Perlachs Lokalpolitiker wehren sich mit aller Macht gegen eine „stinkende und lärmende“ Biomasse-Anlage, die an der Carl-Wery-Straße entstehen soll. Beim künftigen Betreiber herrscht Unverständnis über die harsche Ablehnung.

München - Bio ist nicht automatisch willkommen, das zeigt sich soeben in Neuperlach. An der Carl-Wery-Straße 63 soll eine Biomasse-Anlage für biologische Reststoffe entstehen. Die Aufregung darüber ist immens im Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach (BA 16). Die Firma wolle offenbar den gesammelten Straßenschmutz aus ganz München hier verarbeiten, schimpft BA-Bauexperte Wolfgang Thalmeir (CSU). Eine solch „stinkende und lärmende“ Anlage will man keinesfalls in der Frischluftschneise zulassen. Allein vom Betrieb der Kompostieranlage erwartet der Stadtteilpolitiker „erhebliche Geruchsbelästigungen der weiteren Umgebung“. Im Hinblick auf die nahe Wohnbebauung von Neuperlach-Süd und Waldperlach befürchtet Thalmeir Schlimmstes. „Der Ostwind trägt den ganzen Schmutz und Staub nach Waldperlach.“ Die Fläche sei nur für Gartenbau ausgewiesen, nicht für eine industrielle Produktionsstätte und Abfallbeseitigungsanlage. Allein die Anlieferung werde eine extreme zusätzliche Belastung für den Bereich darstellen, der durch die neue Bebauung an der Carl-Wery-Straße und den geplanten U-Bahnbetriebshof ums Eck sowieso schon erheblichen Zusatzverkehr bekommen werde.

Noch so eine Umweltbelastung wollen die Stadtteilpolitiker deshalb unter allen Umständen verhindern. Ihre Forderung an die Stadt: Die Planungen sind sofort einzustellen; die beantragte Immissionsgenehmigung auf jeden Fall zu versagen. Lieber sollten auf dem Areal langfristig Wohnungen gebaut werden, statt es für eine derart „prekäre und an der fraglichen Stelle ungeeignete Nutzung zu verschwenden“. Bei der betroffenen Werner Unternehmensgruppe reagiert man recht überrascht auf die scharfe Stellungnahme. In der beantragten Anlage sollen laut Unternehmens-Anwalt Xaver Finkenzeller Gras und Laub zu Pellets verarbeitet werden, die dann verkauft und anschließend verheizt werden können. Mit diesem sogenannten Florafuel-Verfahren leiste man Pionierarbeit im Bereich Biomasse-Energiegewinnung in Bayern, teilt die Firma mit. Bisher nicht genutzte Energiereserven würden wirtschaftlich verwertet und umweltschonend nutzbar gemacht.

Weil Gras verstärkt im Sommer und Laub im Herbst anfällt, die Anlage aber ganzjährig betrieben wird, muss das Rohmaterial teilweise ins 12.000-Tonnen-Zwischenlager. Von dort geht es in die Aufbereitungshalle, wo es gewaschen, zerkleinert und von Störstoffen befreit wird. Danach wird die Masse getrocknet und verdichtet.

Die nicht in der Anlage verwertbaren Stoffe werden gehäckselt und kommen für etwa zwölf Wochen in die Kompostieranlage. Der fertige Kompost wird anschließend an anderer Stelle gelagert. „Dass dabei Gerüche freigesetzt werden“, habe man nie verschwiegen, sagt Finkenzeller und verweist auf ein Gutachten, nach dem die vorgeschriebenen Grenzwerte eingehalten würden. Die Befürchtungen des Bezirksausschusses seien daher unbegründet. Zudem sei das Grundstück gerade wegen seiner Lage an der Stadtgrenze, also im Außenbereich, für eine solche Anlage prädestiniert. Finkenzeller: „Die entsprechenden Lärm- und Immissionsgutachten liegen der Stadt bereits vor, baurechtlich ist hier nichts zu beanstanden.“

Das Referat für Gesundheit und Umwelt prüft derzeit, ob die Anlage bewilligt werden kann. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist, ist derzeit noch nicht absehbar.

Carmen Ick-Dietl

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook -Seite „Perlach – mein Viertel“.

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