Freuen sich: Die Händler der Einkaufszeile an der Hofangerstraße. Von links: Carola Bantle, Pascal Waget, Franziska Böck und Dominik Zierer.
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Freuen sich: Die Händler der Einkaufszeile an der Hofangerstraße. Von links: Carola Bantle, Pascal Waget, Franziska Böck und Dominik Zierer.

Rolle rückwärts im Münchner Osten

Entscheidung der Stadt schränkt  Elektromobilität in ganz München ein

Die Münchner Stadtwerke müssen in Ramersdorf E-Ladesäulen wieder abmontieren, nachdem Geschäftsinhaber Rabatz gemacht haben. Eine wegweisende Entscheidung wurde in diesem Zuge von der Stadtverwaltung gefällt.

Obwohl München den Ausbau der E-Mobilität forciert, werden in Ramersdorf nun Ladesäulen wieder demontiert. Damit bekommt die dortige Ladenzeile ihre Kurzparkzone zurück. Zudem will die Stadtverwaltung ab sofort auf die Umwandlung von Kurzzeit-Stellplätzen zu E-Ladestandorten verzichten.

Insgesamt 550 E-Ladesäulen sollen bis Jahresende in München stehen. In ihrem Aufstellungseifer haben die Stadtwerke nun aber einen Rückschlag erhalten. Nach großem Protest vor Ort werden zwei der drei Ladesäulen an der Hofangerstraße 84 wieder abgebaut. Dort hatten die Geschäftsinhaber der kleinen Ladenzeile im Juni Rabatz gemacht gegen die Umwandlung der Kurzparkzone vor ihrer Tür. „So gehen die kleinen Läden kaputt“, schimpfte Jean Pascal Waget vom Schreibwaren- und Lotto-Geschäft. Er sei auf die vorbeifahrende Laufkundschaft angewiesen, die ohne Parkplatz zur Konkurrenz abwandere. Ähnlich argumentierte auch der Friseur im gleichen Haus. Und die Apothekerin nebenan verwies auf alte und kranke Menschen, die aufs Auto angewiesen seien. Der Parkplatz vor der Ladentür sei daher wichtig (wir berichteten).

E-Ladesäulen in Ramersdorf kommen weg - Konsequenzen für ganz München

Für ihre Forderung auf Wiederherstellung der Kurzparkzone wurden über 200 Unterschriften gesammelt. Auch der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach schloss sich an. Die örtlichen CSU-Stadträtinnen Beatrix Burkhardt und Ulrike Grimm stellten einen offiziellen Antrag im Rathaus. Burkhardt, die nur ein paar Straßen weiter wohnt, erhielt nun die Nachricht vom Abbau. Ihre Reaktion: „Ich freue mich sehr, dass doch die örtlichen Bedürfnisse Vorrang haben vor einer Planung, die zwar stadtweit durchaus eine Berechtigung hat, aber an der Hofangerstraße leider fehl am Platz ist.“

Offenbar haben die vorgetragenen Argumente gezogen. Zudem wurde festgestellt, dass es im Einzugsbereich um den Standort nur rund zehn E-Pkws unter den rund 2500 Kraftfahrzeugen gibt. Die referatsübergreifende Arbeitsgruppe „Laden und Parken“ habe sich daher im vorliegenden Einzelfall zugunsten des Rückbaus auf eine Ladesäule entschieden, heißt es aus dem Planungsreferat. Bis zur endgültigen Demontage werden die Ladesäulen außer Betrieb gesetzt und das weiße Sinnbild auf dem Boden entfernt. Die Stellplätze stehen dann wieder allen zur Verfügung.

Der Einzelfall hat Konsequenzen für ganz München. Ab sofort werde bei kleinen Kurzparkzonen mit einer Parkzeitbeschränkung von bis zu einer Stunde „auch bei grundsätzlicher Eignung“ auf den Aufbau von E-Ladesäulen verzichtet, erklärt das Planungsreferat.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Ramersdorf – mein Viertel

Carmen Ick-Dietl

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