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Das Schulzentrum an der Quiddestraße.

Streit um Zahlen

Werner-von-Siemens-Realschule: Lokalpolitiker misstrauen Stadt-Prognosen

München - Der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach will die Werner-von-Siemens-Realschule nicht so einfach an die Messestadt Riem abgeben. Sie zweifeln die Bedarfsprognosen der Verwaltung an.

In der Messestadt plant die Stadt einen ihrer größten Schulstandorte. Im Bildungscampus sollen insgesamt rund 2500 Schüler in einem sechszügigen Gymnasium sowie einer fünfzügigen Realschule unterrichtet werden. Die Perlacher Stadtteilpolitiker rechnen jedoch vor, dass die städtischen Schülerprognosen nicht mit der Realität übereinstimmen. Sie befürchten deshalb, nach dem Umzug der Neuperlacher Realschule den künftigen Bedarf im eigenen Stadtbezirk nicht mehr decken zu können.

Laut Prognose des Demografieberichts, auf dem die Planungen des Schulreferats basieren, soll es bis zum Jahr 2030 rund 5650 neue Wohnungen im 16. Stadtbezirk geben. „Die Zahlen stimmen nicht, da sind mehrere Bauvorhaben gar nicht aufgeführt“, schimpft Kurt Damaschke (SPD). Er bestätigt damit Rechnungen seiner CSU-Kollegen, die einmal alle im Bezirksausschuss bekannten Bauvorhaben aufgelistet haben. Dabei kamen sie für den gleichen Zeitraum locker auf etwa 7800 neue Wohnungen. „Und das ist noch sehr konservativ geschätzt“, so CSU-Sprecher Simon Soukup. Nicht berücksichtigt seien Baupläne, über die es zwar schon Gespräche gebe, für die aber noch keine belastbaren Aussagen vorlägen. Vor allem die Nachverdichtungen im Bestand würden unzureichend berücksichtigt, moniert BA-Vorsitzender Thomas Kauer (CSU). „Die Praxis im Bezirksausschuss lehrt aber eindrucksvoll, dass aktuell fast monatlich neue Planungen für zusätzliche Verdichtungen hinzukommen – im großen Stil auch gefördert durch die Erteilung großzügiger Befreiungen von geltenden Bebauungsplänen.“

Die Stadtteilpolitiker gehen daher davon aus, dass die Nachfrage nach weiterführenden Schulen, besonders Gymnasiumsplätzen, deutlich höher ausfallen wird und dass sich der laut Stadt bestehende Engpass weiter verschärfen wird. „Wir kriegen die Werner-von-Siemens-Realschule nicht zurück, wenn sie mal in der Messestadt ist“, mahnt Damaschke. Laut CSU-Stadträtin Beatrix Burkhardt wechselt die Werner-von-Siemens-Realschule allerdings nicht komplett in die Messestadt. Ein Zug, ab der 7. Klasse sogar zwei Züge, sollen in Neuperlach bleiben. „Damit ist die Schule nicht komplett verloren, sie ganz zu behalten, wird nicht funktionieren.“

Der Bezirksausschuss will es trotzdem probieren und fordert: Der Stadtrat soll keine Reduzierung der Realschulkapazitäten im 16. Stadtbezirk beschließen, bevor die korrekten Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung auf dem Tisch liegen. Eigentlich soll der Stadtrat im September über die Fortschreibung der Bedarfsplanung für die Münchner Realschulen und Gymnasien entscheiden. Zudem soll die Stadt prüfen, ob der Mensa-Flachbau am Schulzentrum Quiddestraße im Zuge der anstehenden Sanierung aufgestockt werden kann. Auf diese Weise könnte die Raumnot im Schulzentrum, in dem neben der Realschule auch das Werner-von-Siemens-Gymnasium und die Orientierungsstufe untergebracht sind, gelöst werden.

Letztendlich hatten die Raumprobleme die Idee der Realschul-Verlagerung nach Riem vorangetrieben. Der Bezirksausschuss Trudering-Riem hatte bereits im Februar beantragt, eine eigene Realschule für die Messestadt zu gründen.

Carmen Ick-Dietl

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