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So könnte es auch in München bald aussehen: Radler sind auf einem eigenen Schnellweg neben Autos unterwegs.

Debatte in vollem Gang

900 Parkplätze sollen Radlweg weichen - ADAC sieht Plan „problematisch“ und fordert Alternativen

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900 Parkplätze sollen für den neuen Radlschnellweg weichen. Auf diese Forderung reagiert nun der ADAC und verweist auf ein Problem in dem betroffenen Viertel.

München - Die Nachricht, dass in München 900 Parkplätze für einen Radweg wegfallen sollen, hat am Mittwoch zu einer lebhaften Debatte geführt. Der ADFC begrüßt die geplante Verbindung von der Innenstadt nach Garching. Der ADAC sieht sie als problematisch an. Viertelpolitiker wollen Alternativen prüfen lassen.

Das Radfahren zwischen der Münchner Freiheit und dem Odeonsplatz ist gefährlich. Zu diesem Schluss kam die Polizei bereits vor drei Jahren. In einer Stellungnahme des Präsidiums hieß es: „Die unsererseits schon vor vielen Jahren geäußerte Warnung, der Radverkehr werde zunehmen und wird ausreichenden Verkehrsraum benötigen, wurde nur halbherzig durch Ausbesserung der bestehenden Radwege beachtet.“ Wenngleich sich in besagtem Bereich die Zahl der Radunfälle im Verhältnis zu der üppigen Zahl der Radfahrer in Grenzen halte, „zeigt schon eine einfache ganzjährige Beobachtung, dass das Radfahren dort eine gefährliche Angelegenheit ist und nur mit höchster Konzentration und einem großen Schuss Glück bewerkstelligt werden kann“. Die Polizei kommt zu dem Schluss: „Eine Stärkung des Radverkehrs im Sinne der Stadtpolitik kann nur dann geschehen, wenn der Straßenraum auf Kosten des Kraftverkehrs umgestaltet wird und dem Radverkehr ein seinem Verkehrsanteil gerechter Straßenraum zur Verfügung gestellt wird.“

Vom Karlsplatz bis zum Odeonsplatz und dann bis zur Ingolstädter Straße

Genau das möchte die Stadt umsetzen - mit dem geplanten Radschnellweg, der vom Karlsplatz über Maximiliansplatz und Brienner Straße zum Odeonsplatz führen würde. Von dort ginge es weiter über Ludwig-, Leopold- und Ingolstädter Straße. Diese Variante schlagen Gutachter in einer Studie vor. Für die Trassenführung der mindestens drei Meter breiten Wege müssten knapp 900 Parkplätze wegfallen.

Das sei aber keineswegs problematisch, sagt Andreas Groh vom ADFC München. „Wir wollen ja, dass mehr Menschen Fahrrad fahren und von außerhalb der Stadt ins Zentrum kommen.“ Der bisherige Radweg erfülle in keinster Weise die Standards, Überholen etwa sei kaum möglich. „Und auf der anderen Seite haben wir pro Fahrtrichtung zwei Spuren und jeweils eine Parkbucht.“ Der Wegfall von 900 Parkplätzen sei zwar nicht wenig. „Aber je mehr Menschen Fahrrad fahren, desto weniger Autos sind notwendig.“ Das Argument der Radweg-Kritiker, derlei Infrastruktur würde nur im Sommer genutzt, lässt Groh nicht gelten. Die Zahl der Menschen, die auch bei Schnee und Regen das Fahrrad nutzen, steige stetig. „Das hängt auch mit dem Angebot zusammen,wenn ich gut ausgebaute Wege habe, der Winterdienst funktioniert und die Leute sich bei der Arbeit umziehen können. Und mit den Pedelecs kommen die Leute gar nicht mehr ins Schwitzen.“

ADAC fordert „Ersatz in Form von Tiefgaragen oder Parkhäusern“

Der ADAC derweil ist wenig amüsiert. Grundsätzlich seien Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs zwar sehr zu begrüßen. Sollten aber 900 Parkplätze wegfallen, sei dies „als problematisch einzustufen“, sagt Bernd Emmrich vom ADAC Südbayern. „Dieser Bereich Schwabings ist ohnehin einem großen Parkdruck ausgesetzt, viele Anwohner in den Altbauquartieren steht keine Tiefgarage zur Verfügung. Sollten Parkstände in der genannten Größenordnung entfallen, so wäre dringend Ersatz in Form von Tiefgaragen oder Parkhäusern erforderlich.“ Auch sei schwer vorstellbar, wie man mit dem Auto noch sicher in die zahlreichen Seitenstraßen abbiegen solle.

Auch Werner Lederer-Piloty (SPD), der Vorsitzende des Bezirksausschusses Schwabing-Freimann, sieht noch eine Reihe von Fragen. „Wenn man das zusammenrechnet, gehen 4,5 Kilometer Parkraum verloren. Das ist eine Menge Holz.“ Auch er sieht grundsätzlich Investitionen in den Radverkehr als positiv. Freilich wäre Lederer-Piloty lieber, man opfere eine Fahrspur für den neuen Radweg statt der Parkflächen. „Zudem könnte man die Leopoldstraße auf Tempo 30 runterstufen. Aber da müssen Verkehrsexperten schauen, wie das möglich ist.“

Lesen Sie auch: Radlautobahn? Car-Sharing? Mögliche Lösungen für den Münchner Verkehr

Sascha Karowski

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