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Asyl-Anlaufstelle zieht nach Freimann

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Das Bürohaus in der Lotte-Branz-Straße 2 wird zusammen mit einem Neubau gegenüber zum Ankunftszentrum. © Schlaf

Neu in München ankommende Flüchtlinge werden künftig im Euro-Industriepark registriert und untersucht. Dort entsteht in den nächsten Monaten das „Ankunftszentrum“ mit 600 Betten. Beobachter hatten chaotische Zustände in der provisorischen Anlaufstelle an der Baierbrunner Straße kritisiert.

Neu in München ankommende Flüchtlinge werden künftig im Euro-Industriepark registriert und untersucht. Dort entsteht in den nächsten Monaten das „Ankunftszentrum“ mit 600 Betten. Beobachter hatten chaotische Zustände in der provisorischen Anlaufstelle an der Baierbrunner Straße kritisiert. 

Hungerstreik, Standort-Debatten, Anwohner-Versammlungen: Kaum ein Thema trieb die Münchner – im Rathaus wie auf der Straße – 2014 so um wie die Flüchtlingspolitik. Vieles deutet darauf hin, dass das 2015 nicht anders werden wird. Denn der Bund rechnet deutschlandweit mit einem Anstieg der Antragszahlen von rund 200 000 auf 300 000. Und München bleibt für viele, die auf dem Landweg flüchten, das erste Ziel in Deutschland.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat die Bedingungen für Flüchtlinge in München zu seinem Thema gemacht. Er will mit aller Macht verhindern, dass noch einmal Menschen im Freien schlafen müssen wie im Herbst. Zufrieden dürfte er gestern im Stadtrat den Vortrag von Maria Els verfolgt haben. Die Vizepräsidentin der Regierung von Oberbayern präsentierte die Pläne für ein neues Ankunftszentrum in München – und will gewaltig aufs Gas drücken.

Derzeit werden neu in München ankommende Flüchtlinge in einer provisorischen Einrichtung an der Baierbrunner Straße in Obersendling registriert, medizinisch untersucht und dann an Unterkünfte in Bayern und der ganzen Bundesrepublik verteilt. Die Räume in Obersendling halten Beobachter aber für ungeeignet. Zu eng sei das Gebäude schon heute, heißt es, auf wohl noch weiter steigende Flüchtlingszahlen sei man dort ohnehin nicht vorbereitet.

Sehr genau habe man nach Alternativ-Standorten gesucht, erklärte Maria Els gestern den Stadträten. Fündig geworden ist man nun ausgerechnet an der Lotte-Branz-Straße im Euro-Industriepark tief im Münchner Norden. Dort waren neu ankommende Flüchtlinge schon im Herbst für einige Wochen empfangen worden. Els ist überzeugt von dem Standort. Eingerichtet werden soll ein „Bettenhaus“ in einem ehemaligen Bürogebäude. Die Vizepräsidentin sprach gestern von einer Kapazität von „600 bis 700 Betten“, die nötig sei, weil etwa die Hälfte der Flüchtlinge nach 19 Uhr am Abend oder nachts eintreffen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stellt die Stadt eine Brachfläche zur Verfügung, in der zunächst ab Mai Container zur Registrierung, Untersuchung und Erstversorgung der Flüchtlinge stehen sollen. Schon im Herbst sollen sie durch feste Bauten abgelöst werden. „Die genauen Planungen werden zur Zeit mit dem Staatlichen Bauamt entwickelt“, hieß es auf Nachfrage von der Bezirksregierung.

Bei der Inneren Mission zeigte man sich gestern erleichtert über die Pläne. „Ich begrüße das ausdrücklich“, sagte der Abteilungsleiter Migration, Andreas Herden, „schon, weil die katastrophalen Zustände an der Baierbrunner Straße nun zu Ende gehen dürften“. Herden hofft, dass die Innere Mission mit ihren Beratungsangeboten für die Flüchtlinge in dem Neubau geeignete Flächen zur Verfügung gestellt bekommt. Die Stadtrats-Grünen hatten zuletzt generell darauf gedrängt, dass Initiativen und Flüchtlingsverbände in die Planungen einbezogen werden.

Der Bezirksausschuss Schwabing-Freimann (BA) hat dem Standort schon zugestimmt. Bedenken, dass es zu wenige Freiflächen gebe, räumte die Bezirksregierung aus. Schließlich seien die Flüchtlinge ohnehin meist nur einige Stunden an diesem Standort. Mit Anwohner-Protesten übrigens rechnet BA-Chef Werner Lederer-Piloty (SPD) nicht. Außenrum sei schließlich viel Gewerbe. „Und wenn sich doch Anwohner mokieren sollten“, sagt er bestimmt, „dann stehen wir das schon durch“.

Felix Müller

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