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Die Kontrollstelle: Wer abends in den Sperring will, muss sich hier ­registrieren lassen.

Rückkehr ins Sperrgebiet

Sperrzone in Freimann: Anwohner kehren zurück - wir waren dabei

Schritt für Schritt zurück in ein normales Leben. Nach dem Bombenfund in Freimann und der anschließenden Komplettsperrung kehren die Anwohner zurück in ihre Häuser. Wir waren dabei.

München - Es ist eine Rückkehr auf Raten. Wir sind im Bomben-Sperrgebiet in Freimann. Hier, wo die Anwohner des äußeren Gürtels (50 bis 100 Meter um die Sprengsätze) jetzt wieder daheim übernachten dürfen, wenn sie denn mögen. Von 18 bis sieben Uhr dürfen sie seit Mittwoch ihre Häuser betreten. Die innere Sperrzone (50 Meter) ist nach wie vor komplett gesperrt, viele der Bewohner sind in Hotels oder bei Bekannten untergekommen. Nach mehrmaliger Verlängerung der Frist soll der Abtransport der Weltkriegs-Sprengsätze am Samstag jetzt endlich abgeschlossen sein.

Für Melitta Meinberger, auf deren Grundstück die hochexplosiven zehn Tonnen Munition liegen, waren die letzten Tage „Abwarten und Hoffen“, wie sie dem BR sagt. „Natürlich ist es erfreulich, dass die Stadt einen Teil der Kosten übernehmen wird. Aber ich muss abwarten, was ich am Ende selbst zahlen muss“, sagt sie. Der Stadtrat hatte beschlossen: Die öffentliche Hand wird einen Großteil der Kosten tragen (die Schätzungen gehen bis zu 2,2 Millionen Euro).

Dass die Sache tatsächlich aufwändig ist, merkt man, wenn man das abendliche Geschehen vor Ort begleitet. Das Sperrgebiet wird streng bewacht. Wer daheim übernachten will, muss an einem Kontrollposten vorbei, seinen Ausweis herzeigen und kommt auf eine Liste – erst dann darf er auf die andere Seite des Zauns. Außerdem werden die Kennzeichen der einfahrenden Autos notiert. Wer bis sieben Uhr früh nicht rauskommt, wird gesucht. Mindestens 40 Sicherheitsleute bewachen die Einzäunung Tag und Nacht – auch damit keine Einbrecher die Gunst der leerstehenden Häuser nutzen können...

Das sagen die Anwohner

Endlich daheim: Wir schlafen jetzt wieder daheim. Die Nachbarschaft ist super vernetzt, wir durften davor bei Freunden wohnen. Meinen kleinen Sohn (6) darf ich früher in den Kindergarten bringen, weil wir ja um 7 Uhr wieder rausmüssen. Der Große (9) frühstückt bei einer Freundin und geht mit ihr in die Schule. Bis 15.30 Uhr sind die beiden betreut. Dann ist nicht mehr viel Zeit zu überbrücken.

Daniela von Seydewitz (40), Physiotherapeutin.

Hühner füttern: Ich gieße nur kurz Blumen, füttere unsere zwei Hühner und den Zwerghasen. Solange wir nur alle drei Tage ins Haus durften, habe ich ihnen extra viel Wasser und Futter hingestellt. Ich bin zuversichtlich, dass wir am Samstag ganz zurückdürfen. Es scheint voranzugehen in der Grube.

Tobias Ruff (40), Stadtrat (ÖDP).

Zu wenig Informationen: Endlich sehen wir unsere Nachbarn wieder. Wir wohnen im Hotel ganz in der Nähe. Das ist praktisch für mich, weil ich hier arbeite. Aber mein Mann langweilt sich tagsüber im Hotel. Es hapert an der Informationspolitik. Wir standen nie auf der Anwohnerliste oder haben Infos bekommen, obwohl wir immer wieder unsere Handynummern angegeben haben.

Angelika (57), Industriekauffrau und Bernhard Grodofzig (67), Rentner

Die Chronik der Ereignisse

Anfang März: Melitta Meinberger weiß schon lang: Auf ihrem Grundstück lagert in einem alten Becken Weltkriegs-Schrott. Der wird jetzt genauer untersucht – und es zeigt sich: Es geht um zehn Tonnen!

13. März: Um neun Uhr früh rückt der Kampfmittelräumdienst an, tagsüber gibt’s eine 50-m-Sperrzone, die niemand betreten darf.

16. März: Alles viel schlimmer! Auch das brandgefährliche Phosphor ist im Becken!

17. März: Die Sperrzone wird auf 100 Meter ausgeweitet, gilt jetzt rund um die Uhr.

24. März: Verlängerung der Evakuierungszeit „um 7 Tage“. Aber auch das reicht nicht…

5. April : Bewohner der äußeren Sperrzone dürfen über Nacht wieder in ihre Häuser.

Theresa Höpfl

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