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Diese Sprengkörper stammen aus dem Munitionsdepot von Freimann.

Ausnahmesituation für die Anwohner

Bomben-Fund in Freimann: Droht Explosion wie in Schwabing?

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  • Andrea Stinglwagner
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Es ist nicht nur ein Riesen-Ärger für die evakuierten Anwohner. Ganz München fragt sich: Wie gefährlich sind die Bomben aus dem Munitionsdepot von Freimann? Droht sogar eine Explosion wie 2012 in Schwabing?

München - „Weltkriegsmunition unterschiedlicher Nationen und Kaliber, Minen, panzerbrechende Munition, die Chemikalie Phosphor und weitere unbekannte Substanzen“: So listete die Stadt den Fund am Freitag offiziell auf. Ein Feuerwehrsprecher sagte: Grundsätzlich könne man die Sprengkraft all der Einzelteile nicht vergleichen mit der Schwabinger Bombe: „Bei einer Explosion würde es keinen tiefen Krater nach unten geben, es würden Trümmer fliegen. Wenn dort was hochgeht, gibt es eine Kettenreaktion.“ Aber welche Wucht hätte die?

Peter Waffler (60), Feuerwerker bei der Firma EMC Kampfmittelbeseitigung, erklärte der tz, was bei einer möglichen Massendetonation passiert: „Das bedeutet, dass ein Sprengmittel explodiert, andere ebenso zünden – und dann alles hochgeht.“ Wie hoch der Schaden wäre, könne man nicht sagen, aber man brauche den Fall nur mit Schwabing vergleichen: Die Druckwelle damals hatte Fenster im weiten Umkreis zersplittert, es gab zig Brände. Und man beachte: Diese Bombe war 250 Kilo schwer. Das Depot in Freimann umfasst zehn Tonnen Kampfmittel, also 40 Mal so viel!

Eine spezielle Gefahr geht auch vom Phosphor aus, so Waffler: „Im Zusammenhang mit der Munition besteht die Gefahr, dass der ganze Haufen durch Phosphor zu brennen beginnt.“ Die Experten arbeiten mit Hochdruck daran, das zu vermeiden – die Entsorgung läuft. Bleibt die Frage, wer das alles zahlen muss. Bisher war die Rede von rund 200.000 Euro, die die Grundstücksbesitzerin Melitta Meinberger (72) alleine stemmen soll. Vom Innenministerium hieß es nun, dass auch der Freistaat Kosten übernehmen könne, wenn alle Fakten und Zahlen bekannt seien. Die Münchner SPD sammelte sogar schon Spenden für die Anwohnerin.

Das Leben im Viertel

Die ruhigen Spielstraßen rund um den Carl-Orff-Bogen locken bei strahlendem Sonnenschein zu einem Spaziergang – der allerdings abrupt vor einer rot-weißen Absperrung endet. Seit Montag beherrscht ein Thema alles: die Aushebung des hochexplosiven Löschbeckens am Zwerg­ackerweg. Am Donnerstag erweiterte der Sprengmeister den Sperr-Radius von 50 auf 100 Meter – wegen des Phosphor-Fundes. Die Menschen hier dürfen für zehn Tage nicht in ihre Häuser.

Anwohner Rudolf Mende (68) traf das überraschend. Er war bereits von der ursprünglichen Teilevakuierung betroffen. Am Donnerstag stand plötzlich die Polizei vor der Tür und sagte ihm, er müsse raus. In einem kleinen Koffer packte er das Nötigste zusammen: Kleidung, Unterwäsche und sein iPad. Er bezieht vorübergehend ein Zimmer in dem Behindertenheim, in dem er arbeitet. „Ich glaube nicht, dass wirklich etwas explodiert“, sagt er.

52 der betroffenen Anwohner hat die Stadt in Hotels untergebracht. Die anderen organisierten sich selbst Unterkünfte. Einer lässt sich von der Angst nicht anstecken: Karl Lehmair (79). Sein Garten grenzt direkt ans Sperrgebiet. Er kennt den Löschteich, in dem die Munition gefunden wurde, noch aus Kriegszeiten. Er ging damals in die zweite Klasse. Zusammen mit Freunden spielte er auf der damals unbebauten Heide und sah bei Schießübungen zu. In das Becken trauten sie sich nie. „Das Wasser war immer dunkel und dreckig“, erinnert er sich. Lehmair ist zuversichtlich, dass nichts passiert: „Ein zweites Schwabing werden wir nicht erleben. Wenn alle Stricke reißen, schnappe ich mir einen Gartenstuhl und setze mich in die Tiefgarage.“

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