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Birgit Rieder und Thomas Maier von der Anwohner-Initiative sind sauer – wie auch über 500 weitere Bewohner im Domagkpark. Das Viertel ist viel zu grau.

Betonwüste statt Bäume und Gras

„Nicht einmal die Hälfte der Bäume wurde gepflanzt“ - Anwohner im Domagkpark sind sauer 

Mehr als 500 Unterschriften haben Anwohner des neuen Stadtquartiers Domagkpark gesammelt, um für mehr Grün in ihrem Viertel zu protestieren. Sie fühlen sich getäuscht. Etwa die Hälfte der geplanten Bäume sei gepflanzt worden.

München - Wer sich mit Thomas Maier oder Birgit Rieder von der Anwohnerinitiative „Mehr Grün im Domagkviertel“ unterhält, spürt den Frust hautnah. „Wir freuten uns eigentlich auf eine grüne Oase“, sagt Maier.

Auf den Plänen sah alles deutlich grüner aus

In den Bebauungsplänen, die den Anwohnern vorab gezeigt wurden, wirkte das Areal offenbar deutlich idyllischer als in der Realität. „Wir mussten uns die Augen reiben, denn wir leben jetzt in einer Asphaltwüste“, sagt Maier. Die Resonanz auf den Protest für mehr Grünflächen ist groß: 546 Unterschriften. Werner Lederer-Piloty (SPD), Chef des Bezirksausschusses (BA) Schwabing-Freimann, erhielt sie in der jüngsten Sitzung persönlich.

Jeder zweite Baum fehlt

„Uns stört besonders, dass nicht einmal jeder zweite geplante Baum des Bebauungsplans wirklich gepflanzt wurde“, sagt Rieder. „Das sorgt im Sommer für einen Hitzestau, der Gehweg ist völlig versiegelt.“ Das Regenwasser könne doch so auf keinen Fall ablaufen.

Alle zwölf bis 15 Meter sei ursprünglich ein Straßenbaum vorgesehen gewesen. „Es liegen aber teilweise mehr als 50 Meter dazwischen“, so Rieder. Ein positives Beispiel für eine üppige Begrünung sei die Alfred-Arndt-Straße – und das direkt in der Nachbarschaft.

Eine aktuelle Studie stützt Rieder. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft ließ 50 deutsche Städte vergleichen. Und darin ist München ein Rekordhalter. Rund 47 Prozent der Stadtfläche sind demnach versiegelt. Ein absoluter Spitzenwert. Dahinter folgt Oberhausen mit 44 Prozent.

Regenwasser wird zum Problem

Regen wird in versiegelten Arealen direkt Richtung Abwassersystem geleitet. Damit steigt auch die Gefahr, dass bei Starkregen Kanalsysteme schneller ihre Kapazitätsgrenzen erreichen. Und fast noch fataler: In Zeiten des Klimawandels muss man sich in Betonwüsten wie dem Domagkviertel wegen der Hitze sorgen. Denn Beton und Asphalt speichern Hitze und geben sie nur langsam ab. Die Temperatur steigt, die Gefahr von Hitzschlag und Todesfällen auch, vor allem bei Älteren.

Auch deshalb wünschen sich die Bewohner des Domagkparks Verbesserungen. Und die Breite der Wege finden sie übertrieben. Eigentlich sollten sie ganz schmal werden. Allerdings seien nun laut Initiative regelrechte „Asphalttrassen“ verbaut worden, teils mit einer Breite von 9,50 Metern. „Wir fordern mehr schattige Alleen im Straßenraum, auch auf Kosten von Parkplätzen“, betont Birgit Rieder.“

Vereinzelt gibt es Gegenstimmen. CSU-Stadträtin Dorothea Wiepke etwa ist vor über einem Jahr gemeinsam mit ihrer Familie auf das Gelände gezogen. „Alle sollten die Sorgen der Anwohner sehr ernst nehmen“, sagt sie, „ich finde aber, wir müssen den Planern eine Chance geben, das Areal fertigzustellen. Und wenn dann noch Gesprächsbedarf herrscht, sind ja Nachbesserungen immer noch möglich.“

Auf der BA-Sitzung, wo die Unterschriften übergeben wurden, entbrannte eine kontroverse Diskussion mit den Anwohnern. Michael Bacherl vom Planungsreferat wehrte sich gegen die Vorwürfe und brachte Gegenbeispiele: „Fast ein Viertel der Fläche im neuen Stadtquartier ist als Park geplant.“ Bacherl verwies auf den bereits überarbeiteten Plan. So seien auch weniger Straßenflächen gebaut worden, als ursprünglich angedacht.

Das sagt das Gartenbauamt zum Domagkpark

„Wir sollten mit den Bäumen Geduld haben“, sagte Wolfgang Mesenich vom Gartenbauamt. „Sie brauchen Zeit, um größer zu werden. Wir haben versucht, so viele Bäume wie möglich zu pflanzen.“ Örtlich habe es Probleme mit unterirdischen Leitungen und Feuerwehrzufahrten gegeben. Auch deshalb seien an manchen Stellen weniger Bäume. Am Ende beschloss der BA einen Ortstermin mit den Anwohnern. Vertreter der Stadt wollen dann erklären, warum welcher Baum wo steht.

Das Thema Domagpark erreichte inzwischen den Stadtrat. Denn die FDP/HUT-Fraktion fordert, die „Steinwüste im Wohngebiet Domagkpark zu begrünen.“ Das solle bei einer Stadtratssitzung so beschlossen werden.

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von Michael Hellstern und Hüseyin Ince 

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