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Die Anwohner rund um das Bomben-Grundstück Zwergackerweg 3 wurden während der Räumung evakuiert.

Bis zu 2,2 Millionen Euro

Explosiver Fund in Freimann: Jetzt doch! Stadt zahlt für die Räumung

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Im munitionsgeplagten Kieferngarten ist das Schreckgespenst wohl gebannt: Ab Mittwoch dürfen die Anwohner des Zwergackerwegs wieder in ihren Häusern übernachten. Und: Die Stadt will die Kosten für die Räumung selbst übernehmen – vorerst.

München - Die Anwohner am Zwergackerweg können aufatmen, die Wochen der Unsicherheit gehen zu Ende: Ab Mittwoch dürfen die meisten von ihnen wieder in ihren Häusern übernachten, wie die Branddirektion mitteilt. Und: Die Stadt will für die Beseitigung der zehn Tonnen alter Munition zahlen – so schlägt es das Kreisverwaltungsreferat (KVR) vor. Ebenfalls am heutigen Mittwoch entscheidet der Stadtrat, ob die Kommune bis zu 2,238 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Vor allem die Eigentümerin des Grundstücks dürfte das sehr erleichtern.

Die Bergungsaktion wurde schnell immer umfangreicher

Wie berichtet, war 2012 bei einem Neubau auf den Grundstücken Obere Hausbreite 6 und 6a sowie Zwergackerweg 3 Munition aus Weltkriegszeiten gefunden worden. Seither war klar, dass diese irgendwann würde entsorgt werden müssen. Anfang März begannen die Sondierungs- und Räumungsarbeiten – die sich dramatisch entwickelten: Zehn Tonnen Kampfmittel wurden gefunden, der größte Fund in München aller Zeiten – darunter freiliegender Sprengstoff und panzerbrechende Geschosse, zudem die Chemikalie Phosphor. Mitte März wurde eine Sperrzone von 100 Metern eingerichtet, rund 200 Anwohner mussten in Hotels umziehen, die Kosten schnellten in die Höhe.

Viele Fragen blieben offen

Viele Fragen waren offen. Zwar sicherte OB Dieter Reiter (SPD) den Anwohnern zu, die Stadt werde die Hotelkosten übernehmen. In der Vorlage beziffert das KVR diese auf 180 000 Euro. Die Stadt zahlt auch den Wachdienst: 370.000 Euro. Am teuersten sind mit 620.000 Euro der Abtransport und das Deponieren des verseuchten Erdaushubs. 100.000 Euro kostet das Abstützen der Häuser. Und weil die Aktion noch läuft, hat das KVR einen Puffer von knapp 450.000 Euro eingeplant. Die Kampfmittel zu beseitigen zahlt ohnehin der Freistaat.

Heikle Frage: Wer muss zahlen?

Doch die heikelste Frage war stets, wer für die Bergung der Munition aufkommen soll. Bisher hieß es, Grundstückseigentümerin Melitta Meinberger müsse die Kosten tragen: weil sie rechtlich verpflichtet ist, konkrete Gefahren, die von den Kampfmitteln ausgehen, zu beseitigen. Meinberger wehrt sich seit Jahren juristisch. Nun plant die Stadt, die 350.000 Euro für die Bergung vorerst zu übernehmen – abhängig von den wirtschaftlichen Verhältnissen Meinbergers, die nicht in den Ruin getrieben werden, aber möglichst einen Anteil selbst tragen soll. Das KVR stellt klar, dass es sich um einen Sonderfall handle. Und: dass die Stadt Rückforderungen an Bund und Freistaat stellen wird.

Man könnte einen Präzendenzfall schaffen

Florian Englert, Anwalt von Meinberger, begrüßt den geplanten Beschluss. Er rechnet damit, dass seine Mandantin einen Eigenanteil wird tragen müssen, und hofft, dass ihr die Stadt diesen stundet – bis die Sache durch alle gerichtlichen Instanzen durch ist und Meinberger am Ende gar nichts zahlen muss. Englert lobt die Stadt für ihr Vorgehen und wüsste sie nun gern an seiner Seite, wenn es gilt, die Bundesrepublik zu verklagen. „Das könnte der Stadt auch gefallen, einen Präzedenzfall zu schaffen“, sagte er am Dienstag unserer Zeitung.

Bekäme München den Bund juristisch zu fassen, hätte das Signalwirkung: „Wir können davon ausgehen dass bundesweit noch 100 000 Tonnen Kampfmittel im Boden liegen“, sagt Englert. Von diesen gehe häufig eine reale Gefahr aus. Der Freimanner Fund habe die 40-fache Sprengkraft der „Schwabinger Bombe“ von 2012 besessen. All die Kriegsrelikte zu beseitigen werde noch teuer werden.

Laut Branddirektion dauert die Kampfmittel-Beseitigung voraussichtlich noch bis Samstag. Die innere Sperrzone (Radius 50 Meter) bleibt rund um die Uhr geschlossen. Die äußere Sperrzone (50 bis 100 Meter) muss ab Mittwoch nur noch tagsüber, von 7 bis 18 Uhr, verlassen werden.

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