+
Begeistert, nicht bedröhnt: Wenzel Cerveny präsentiert die Produktpalette seines Ladens „Hanf“. Jetzt veranstaltet Cerveny eine Messe.   

„Cannabis XXL“ am Wochenende

Hanfmesse im Zenith: „Es geht absolut nicht um Rausch“

Wenzel Vaclav Cerveny veranstaltet vom 28. bis 30. Juli die Hanfmesse Cannabis XXL im Zenith. Sie steht im Zeichen der heilenden und schmerzlindernden Wirkung der Cannabispflanze. Cerveny plant gleichzeitig ein Therapiezentrum für Schmerz- und Krebspatienten.

München - Cerveny (56) ist ein Überzeugungstäter, wenn es um Cannabis geht. „Ich rauche nicht, kiffe nicht, nehme keine Drogen und Alkohol trinke ich nur sehr selten – und wenn, dann sehr wenig“, sagt der frühere Gastronom, der offenbar kein Suchtmensch ist. Und trotzdem ist er Feuer und Flamme für eine Pflanze, die für ihre berauschende Wirkung berühmt ist. Besucht man ihn in seinem neuen Laden „Hanf, der etwas andere Bioladen“ am Leuchtenbergring, kann er fast pausenlos über die Vorteile der Hanfpflanze erzählen.

Doch dabei geht es ihm nicht um den berauschenden, psychoaktiven Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) der Pflanze. „Absolut THC-freie Zone“, nennt Cerveny sein Geschäft mit mehr als hundert Produkten von der Schokolade bis zur Unterhose. Alles aus Hanf, das weniger als 0,2 Prozent THC beinhaltet, der legalen Grenze in Deutschland.

Die Messe soll THC-freie Zone sein

Auch die Messe Cannabis XXL am kommenden Wochenende, die Cerveny veranstaltet, soll eine THC-freie Zone sein. Sie steht im Zeichen der heilenden Wirkung von Hanf. 80 Aussteller aus zwölf Ländern werden erwartet. Sie beschäftigen sich auch mit Hanf-Produkten wie Lebensmitteln, Textilien, Kosmetik oder Tierfutter. Die Organisatoren rechnen mit 5000 Besuchern. Statt THC steht ein anderer Cannabis-Wirkstoff im Zentrum der Debatte: Cannabidiol (CBD). „Es hat nachweislich schmerzlindernde, entzündungshemmende und heilende Wirkung“, sagt Cerveny. „Daher sollten wir endlich die Hanfpflanze in Deutschland legalisieren.“ Er selbst hat dafür eine Petition gestartet. „Es geht absolut nicht um den Rausch!“, sagt er.

Cerveny erwartet Gäste wie den US-Amerikaner Rick Simpson, der unter Hanf-Fans gefeiert wird, weil er nach eigener Darstellung seinen Hautkrebs in Eigenregie geheilt und besiegt hat – mit Hanföl. Der Legende nach hatten ihn seine Ärzte im Jahr 2002 bereits aufgegeben, da erinnerte er sich an eine Studie der Virginia University, wonach der Wirkstoff THC Krebs heilen könne. Also probierte er etwas aus.

Simpson, ein Hobby-Botaniker, „braute“ damals einen Hanfextrakt mit hohem Anteil an THC (etwa 60 Prozent) und 15-prozentigem Anteil CBD, den er auf die betroffenen Stellen auftrug. Nach vier Tagen, als er das Pflaster wieder entfernte, war der Krebs verschwunden und kam auch nicht wieder – so die Legende. Simpson hat ein Buch darüber geschrieben und vertreibt sein eigenes Cannabis-Öl. Er wird auf der Messe über Hanf als Medizin referieren.

Es geht auch um Nutzhanf im Alltag

Die Messe beschäftigt sich auch mit dem Nutzen von Hanf im Alltag. Eine Kochshow zeigt, wie man sich mit Hanfprodukten ernähren kann. „Gerade der Samen ist ein unterschätztes Produkt, mit vielen nährreichen Bestandteilen“, sagt Cerveny. Weitere Schwerpunkte sind Vorträge über Bekleidung oder Baustoffe. „Es gibt Isolationsmaterial aus Hanf, das extrem feuerfest ist“, sagt Cerveny. „Experten vermuten, dass mit einer Hanfisolation der Hochhausbrand in London so nicht geschehen wäre.“ Ein Randaspekt für ihn, wenn auch ein wichtiger. Denn Cerveny hat einen Plan.

Per Crowdfunding haben er und seine Partner bereits über 100.000 Euro gesammelt, um im Optimalfall Ende des Jahres das deutsche Cannabis-Institut (DCI) zu eröffnen – nichts weniger als das erste Therapiezentrum Deutschlands, das ausschließlich Medizin auf Hanf-Basis verabreicht und Patienten betreut. „Wenn alles glatt läuft, haben wir bis dahin Ärzte, die uns Patienten schicken, deren Krankheitsverlauf für eine Behandlung mit Medizin auf Hanf-Basis geeignet scheint“, sagt Cerveny. Derzeit verhandelt er mit Immobilieninhabern in Taufkirchen und Oberhaching. Dort soll das DCI entstehen.

Für Schmerzpatienten ein wichtiges Thema

Dann spätestens sollen Schmerzpatienten wie Rudi H. (Name geändert) Hilfe finden. H., ein Mann mit langem grauem Haar, hat einen seltenen Knochenkrebs und ist ein großer Unterstützer Cervenys. Per Zufall entdeckte er die Wirkung von Cannabis, die bei ihm eine Art Wunder bewirkte, wie er erzählt. „Ich saß zehn Jahre im Rollstuhl, konnte vor Schmerzen nicht mehr gehen. Seitdem ich Cannabis auf Rezept bekomme, brauche ich den Rollstuhl nicht mehr.“ Dem ehemaligen IT-Fachmann hilft offensichtlich das schmerzlindernde THC.

Seit 10. März 2017 ist es in Deutschland gesetzlich möglich, Cannabis verschrieben zu bekommen. Rudi H. ist einer von etwa 1000 Deutschen, denen hochpotentes Cannabis ärztlich verordnet wird. Bis zu 10 Gramm konsumiert er täglich – und hat ein Problem. Seine gesetzliche Krankenkasse weigert sich zu zahlen. H. ist sauer: „Fast 7500 Euro kostet mich das Cannabis aus der Apotheke monatlich. Ich zahle das aus eigener Tasche und wäre schon längst pleite, wenn mich nicht so viele Menschen unterstützen würden.“

Eine untragbare Situation, wie Cerveny findet. Auch deshalb möchte er so schnell wie möglich das DCI eröffnen, um schwer kranken Menschen wie Rudi H. zu helfen. Cerney kündigt an: „Das DCI wird auch eine Rechtsabteilung haben, die dann Patienten wie Rudi H. berät und unterstützt.“

Tickets für die Messe Cannabis XXL kosten als Tageskarte 10 Euro, als Wochenend-Karte 15 Euro. Infos unter www.cannabisxxl.com.

Von Hüseyin Ince

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gedenken an Nazi-Opfer: Stadt München muss Stolpersteine nicht erlauben
Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat entschieden: München muss auf seinen öffentlichen Straßen und Plätzen keine Stolpersteine zum Gedenken an Nazi-Opfer zulassen.
Gedenken an Nazi-Opfer: Stadt München muss Stolpersteine nicht erlauben
10 Jahre Haft für den Armbrust-Schützen
Zum Glück hatten wenige Zentimeter gefehlt, sonst wäre Victor S. (41) zum Mörder geworden. Für seine beinahe tödlichen Schuss mit einer Armbrust muss er nun lange hinter …
10 Jahre Haft für den Armbrust-Schützen
Frau starrt auf Smartphone und stirbt deshalb fast
Plötzlich stand sie auf der Straße – doch da war es schon zu spät! Eine völlig auf ihr Handy konzentrierte junge Frau ist am Donnerstag beim Überqueren der …
Frau starrt auf Smartphone und stirbt deshalb fast
Bald kostenloses WLAN an Trambahnhaltestellen
Schon bald sollen Münchner an den MVG-Trambahnhaltetsellen kostenlos im Internet surfen können. An einigen Stationen stehen bereits jetzt WLAN-Hotspots zur Verfügung.
Bald kostenloses WLAN an Trambahnhaltestellen

Kommentare