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Der Schwabinger Fuchsbau wird von Legionellen heimgesucht

Schwabinger Anlage mit 238 Wohnungen

Mitten in Nord-Schwabing: Legionellen-Alarm im Fuchsbau!

Duschverbot, wenn der Sommer kommt? Das ist mehr als unangenehm. Doch das widerfährt gerade den Bewohnern des Schwabinger Fuchsbaus in der Ungererstraße. Aus 238 Wohnungen schallt es: Hilfe, wie haben Legionellen!

München - Der „Fuchsbau“ an der Ungererstraße 19 in Schwabing ist vor allem wegen seiner besonderen Architektur ein Begriff. Ein wenig schöner Betonklotz, aber mit tollen Terrassen. Zurzeit herrscht in dem Pyramidenbau aus den 70er-Jahren allerdings Duschverbot. Der Grund ist ein massiver Legionellenbefall. Schuld, heißt es, seien auch die nicht wenigen Besitzer von Zweitwohnungen im Fuchsbau.

Die Bewohner reagieren unterschiedlich

Die Bewohner des Plattenbaus kämpfen seit Jahren mit den Krankheitserregern. Die 238 Wohnungen sind unterschiedlich stark betroffen. Per Aushang informierte die Hausverwaltung jüngst über die „extrem hohe Legionellenkonzentration“ und verhängte ein „Duschverbot“ für das gesamte Anwesen. Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien und können über Tröpfcheninfektion Fieber oder sogar die Legionärskrankheit auslösen, die mit einer oft schweren Lungenentzündung einhergeht.

Die Bewohner reagieren unterschiedlich: Manche duschen weiter, andere haben sogar Angst, das Wasser zu trinken. „Der Aushang ist doch nichtssagend. Viele wissen nicht, was sie jetzt dürfen oder nicht“, sagt Delina Arp, die hier eine Eigentumswohnung hat. „Meine Mutter ist 78. Ihr Arzt hat ihr schon geraten, nicht mehr zu duschen. Meinem siebenjährigen Sohn Aslan habe ich es auch verboten. Also gibt es nur noch Katzenwäsche“, erzählt Arp.

Eine Mietminderung wäre denkbar

Laut Mieterverein ist bei Duschverbot eine Mietminderung denkbar. Betroffene sollten die Miete nur unter Vorbehalt zahlen. Ab diesem Zeitpunkt könne die Miethöhe rückwirkend gekürzt werden. Einfach weniger zu zahlen, ist aber nicht ratsam.

Fuchsbau-Bewohner Raimar Thomsen kennt sich als Arzt mit der Legionärskrankheit aus: „Die kleinen Wassertröpfchen, die Aerosole, sollte man nicht einatmen. Wer eine gesunde Abwehr hat, braucht keine große Angst zu haben. Ich dusche beispielsweise immer noch, aber nur von der Brust abwärts. Beim Haarewaschen muss man kurz die Luft anhalten.“

Bewohner Reinmar Thomsen ist Arzt und warnt. 

Eine Bewohnerin klagte, die Legionellen breiteten sich aus

Vor zwei Wochen wurde eine Chlordioxidanlage in Betrieb genommen. Chlordioxid ist unbedenklich und kann getrunken werden. Dennoch klagte eine Hausbewohnerin gegen die Anlage. Ein Jahr lang konnte diese nicht eingeschaltet werden und die Legionellen breiteten sich in den Leitungen aus. „Die Leute müssen aufhören, falsche Fakten über die Legionellen zu verbreiten“, sagt der Beiratsvorsitzende und Ingenieur Bernd Geiger. Zusätzlich wird das Warmwasser nun auf 70 Grad erhitzt, um alle Bakterien abzutöten. Wann das Duschverbot aufgehoben werden kann, entscheidet das Gesundheitsreferat.

Das Legionellen-Problem werde auf jeder Eigentümerversammlung angesprochen, heißt es seitens der Hausverwaltung. „Aber wir haben keinen Einfluss auf diejenigen, die hier nur Zweitwohnungen haben. Wir können nicht einklagen, dass Hausmeister in diese Wohnungen dürfen, um kurz den Wasserhahn aufzudrehen. Dann würde das Wasser nicht in der Leitung stehen und die Keime kämen nicht immer wieder. Aber die Eigentümer sperren sich.“ Alle drei Monate müsse die Hausverwaltung deshalb Wasserproben entnehmen lassen.

Lesen Sie auch zum Thema: Legionellen: Vermieter muss regelmäßig prüfen

Das sagen die Bewohner zur Situation:

Bernd Geiger ist Vorsitzender der Eigentümer-Versammlung. Er steht vor den Wasserpumpen im Keller. Er sagt: „Das Warmwasser wird jetzt auf 70 Grad erhitzt, um alle Bakterien zu töten. Das kalte Trinkwasser ist davon nicht betroffen. Das Gesundheitsreferat muss Proben entnehmen und übers Duschverbot entscheiden.“

Bernd Geiger

Bewohner Ludwig Herrmann (35): In den Zweitwohnungen steht das Wasser zu lange in der Leitung, da können sich Bakterien bilden. Wahrscheinlich müssen irgendwann Bereiche abgesperrt oder umgebaut werden. Ich dusche trotzdem – wenn auch mit einem unguten Gefühl.

Bewohnerin Delina Arp (32): Mein siebenjähriger Sohn hat Duschverbot, jetzt gibt’s nur noch Katzenwäsche. Ich koche das Wasser ab, Leitungswasser gibt es auch nicht mehr. Das ist doch kein Zustand! Ich weiß, dass eine große Sanierungsaktion auf uns zukommt. Über zwei Millionen wird sie kosten.

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