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Ende September soll Schluss sein mit dem „Panem“. Betreiberin Üveyde Bulut (re.) ist verzweifelt.

Betreiberin ist verzeifelt

Kündigung aus heiterem Himmel: Beliebter Snack-Treffpunkt in Schwabing vor dem Aus

Üveyde Bulut betreibt seit Jahren den Snackladen „Panem“ im Zwischengeschoss der Münchner Freiheit. Die Stadtwerke hatten ihr die Sanierung des Ladens in Aussicht gestellt. Nun wurde ihr plötzlich gekündigt.

Üveyde Bulut (38) ist verzweifelt. Seit über fünf Jahren betreibt sie im Zwischengeschoss der Münchner Freiheit den Snackladen „Panem“. Direkt neben dem Infopoint der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) bietet sie Backwaren, Salate, Snacks und Getränke an. Das alles soll ab Oktober vorbei sein. „Allen Mietern im Zwischengeschoss wurde der Vertrag verlängert“, betont sie. „Nur mein auslaufender Mietvertrag nicht und das ohne Begründung.“

Snack-Treffpunkt an Münchner Freiheit vor steht dem Aus

Dabei hatte sie bereits große Umbaupläne. Sie wollte den Laden modernisieren und umgestalten, eine bessere Kühltechnik sollte her. „Insgesamt wollte ich rund 120 000 Euro in die Renovierung stecken. Alles war schon geplant, ich hatte drei Ladeneinrichter beauftragt und mich für eines der vorgestellten Konzepte entschieden.“ Für Ende August 2018 sei mit der Pächterin, den Stadtwerken München (SWM) bereits ein Termin für die Sanierung vereinbart worden. Dann habe sich jedoch von dort niemand mehr gemeldet. Ihre Ansprechpartnerin sei nicht mehr ans Telefon gegangen und habe sich über Monate nicht mehr zurückgemeldet. Dann folgte plötzlich die Kündigung. Auch auf ihre Nachfrage teilten ihr die SWM dafür keinen Grund mit.

Seitdem geht die Zukunftsangst bei Üveyde Bulut um. „Wo finde ich denn nun einen Job, ich war doch die letzten Jahre immer selbstständig. Ich bekomme nachts kein Auge mehr zu.“ Sie hatte in der Vergangenheit unter anderem am Effnerplatz in Bogenhausen einen Kiosk gepachtet, sich seit einigen Jahren aber ausschließlich auf die Münchner Freiheit konzentriert. Ein Mitarbeiter kündigte inzwischen wegen der unsicheren Zukunft des Ladens. Seitdem muss Üveyde Bulut noch länger im Panem arbeiten. „Ich mache die Brezeln, die Salate und die Sandwiches alles selbst. An manchen Tagen stehe ich schon um vier Uhr morgens in der Küche.“ Für sie selbst sei das Panem „ihr Baby“. In der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses Schwabing-Freimann (BA) schilderte sie ihren Fall. Die BA-Mitglieder reagierten empört. „Ich halte es für sehr problematisch, wenn der Mieter plant, Kosten hat und ihm kurz vor Unterzeichnung des neuen Mietvertrags gekündigt wird“, sagte Patric Wolf (CSU).

SWM äußert sich zu Vorwürfen der Betreiberin

Auf Anfrage unserer Zeitung äußerten sich die SWM zu den Vorwürfen. Am 20. März diesen Jahres habe es ein Gespräch mit Familie Bulut gegeben, in dem das auslaufende Mietverhältnis erläutert wurde. „Unter anderem ging es dabei auch um den mietvertragswidrigen Alkoholverkauf, wegen dem die Mieterin im vergangenen Jahr von den SWM abgemahnt wurde“, sagt Sprecher Michael Solic. „Zudem entspricht das derzeitige Konzept nicht mehr dem ursprünglichen Panem-Konzept.“

Für Üveyde Bulut sind die Aussagen nicht haltbar: „Das ist eine billige Ausrede.“ Ihr sei zunächst mündlich von einer SWM-Mitarbeiterin der Alkoholverkauf zugesagt worden. Als sie dann nach einiger Zeit eine Mahnung erhalten habe, stellte sie den Verkauf sofort ein. Ihr ursprüngliches Konzept habe sie auch nicht geändert. „Wenn es die Stadtwerke so gestört hätte, dann müsste das ja auch im Kündigungsschreiben stehen.“ Der BA will an die Stadtwerke schreiben, damit diese Üveyde Bulut konkrete Gründe für die Kündigung nennen. „Wenn die Ladenfläche neu ausgeschrieben wird, dann sollte sich Frau Bulut erneut bewerben dürfen“, betont BA-Chef Werner Lederer-Piloty (SPD). Schließen muss das Panem wohl Ende September. Kunden können nun im Snackladen eine Petition für den Erhalt des Ladens unterzeichnen. Die Liste der Unterstützer wachse jeden Tag.

MICHAEL HELLSTERN

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