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Die Mitglieder der Initiative „Rettet den Münchner Norden“ vor dem „Sakrisch Guat“. Sie kämpfen für den Erhalt des Wirtshauses, das der BA-Chef als Teil-Schwarzbau mit mittelprächtiger Küche bezeichnet.

Ende jahrzehntelanger Tradition?

Beliebtem Wirtshaus in München droht der Abriss - Angst um ein Idyll

Seit über 100 Jahren empfängt ein Wirtshaus Gäste am Rande der Freisinger Landstraße in Freimann. Das Idyll ist bedroht: Denn nachdem der TS Jahn das Gelände verkauft hat, will die Bayerische Hausbau das Wirtshaus abreißen und auf dem Gelände 640 Wohnungen bauen. Vor Ort regt sich Widerstand.

Angst um ein Idyll. Seit 23 Jahren tischen die Wirtsleute im „Sakrisch Guat“ den Freimannern auf. Sie führen damit die über 100-jährige Wirtshaustradition an diesem Standort fort – und betreiben einen beliebten Vierteltreffpunkt. In der Kult-Serie „Irgendwie und Sowieso“ diente dieser sogar als Drehort. Dort hieß die Wirtschaft „Cafe Sonnblick“. Doch die lange Geschichte des Hauses wird in den nächsten Jahren enden – sollten sich die Pläne der Bayerischen Hausbau, die das Grundstück vom TS Jahn gekauft hat, nicht ändern.

Auf eine solche Planänderung hofft eine Gruppe von Aktivisten, die für den Erhalt des Wirtshauses kämpft. „Wir appellieren an die Mitglieder des Stadtrats. Sie sollen auf die Bayerische Hausbau einwirken, damit unsere Traditionsgaststätte und die vielen alten Bäume drum herum erhalten bleiben“, sagt Anwohner Walter Hofstetter (63). Seit 52 Jahren ist Hofstetter Mitglied beim TS Jahn, aber „wenn die Wirtschaft abgerissen wird, bin ich weg“.

Kampf um altes Wirtshaus: Unterschriften-Aktion gestartet

Zusammen mit weiteren Anwohnern, Vertretern des Kulturvereins Mohr-Villa und des Vereins „Rettet den Münchner Norden“ hat Hofstetter nun eine Unterschriften-Aktion gestartet. Noch sei schließlich nichts beschlossen. Allerdings hat die Bayerische Hausbau zusammen mit Vertretern des städtischen Planungsreferats bereits im Frühjahr letzten Jahres ihre Pläne für das Areal zwischen Floriansmühlstraße, dem Emmerigweg und dem angrenzenden ehemaligen Jahn-Gelände präsentiert. 640 Wohnungen sollen hier entstehen, zudem Gewerbe, Grünflächen und vielleicht ein Naturfreibad. Ende 2020 will das Planungsreferat dem Stadtrat den entsprechenden Bebauungsplanentwurf zur Billigung vorlegen.

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Bis dahin wollen Hofstetter und Co. für den Erhalt ihres Wirtshauses streiten. Werner Lederer-Piloty (76), Chef des Bezirkausschusses Schwabing-Freimann, kann das nicht nachvollziehen. „Die Küche ist kulinarisch kein Höhepunkt. Zudem besteht das Gebäude zum Teil aus Schwarzbauten“, sagt er. Das bestätigt auch die Vermieterin, die Bayerische Hausbau. Es bestünden brandschutzrechtliche Auflagen an den Pächter, die „zu einem erheblichen Teil“ nicht erfüllt worden seien, teilt Mathias Weber, Sprecher des Immobilienunternehmens, auf Anfrage mit. „So müssten beispielsweise Anbauten entfernt werden, die in der Vergangenheit ohne Genehmigung errichtet wurden.“

Eine Ersatz-Wirtschaft ist bisher nicht geplant. Stattdessen könne man sich einen Kiosk mit Biergarten vorstellen. Was die Sorge der Anwohner zum Fortbestand der Bäume angeht, sagt Weber: „Die Entwürfe zum Projekt integrieren den alten Baumbestand geschickt.“ Diese würden weitgehend erhalten bleiben. Werner Gawlik, Vizepräsident des TS Jahn, merkt zum Wirtshaus an: „Das Gebäude war schon dringend sanierungsbedürftig, als das Grundstück noch dem Verein gehört hat.“ Die Kosten für eine Sanierung würden Richtung einer Million Euro gehen. Eine deutliche Mehrheit der Mitglieder des Vereins habe zudem für den Verkauf des TS-Jahn-Grundstücks gestimmt. Mit dem Erlös baut der Verein eine Dreifachturnhalle an dessen Hauptsitz an der Weltenburger Straße. Zudem wolle der TS Jahn seine bestehenden Hallen sanieren und auch an der Freisinger Landstraße eine neue Sporthalle bauen, so Gawlik.

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Letzteres zweifelt die Initiative, die sich fürs „Sakrisch Guat“ einsetzt, wiederum an. „Das Grundstück wurde ja verkauft, um damit eine Dreifachturnhalle zu bauen. Nun wird diese in Bogenhausen gebaut“, sagt Dietmar Wettstein (62) vom Verein „Rettet den Münchner Norden“. Er fragt sich: „Wo soll denn da noch Geld für eine Turnhalle in Freimann übrig bleiben?“ Dem setzt Gawlik entgegen: „Das ist kein Alibi-Projekt. Wir befassen uns bereits konkret damit.“

LAURA FELBINGER

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Kommentare

unkrautstecher
(0)(1)

Der Jahn und die Bayerische Hausbau sind Nachbarn in Bogenhausen. Da ist man sich halt nähergekommen.