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Gewerbe statt Wohnraum soll auf der rot umrandeten Fläche entstehen. Im Stadtrat rumort es deswegen.

Investor will lieber Gewerbeflächen erschließen

Parkstadt: Rathaus kämpft um Wohnpläne - aber OB Reiter holt sich eine Abfuhr

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Gewerbe oder Wohnungen - wofür soll das letzte noch zu bebauende Quartier in der Parkstadt Schwabing genutzt werden? Die Lage zwischen dem Investor und der Stadt scheint verfahren.

  • In der Parkstadt Schwabing soll eine 40,5 Hektar große Fläche bebaut werden.
  • Während der Investor Gewerbeflächen anbauen will, kämpft die Stadt für die Erschließung neuer Wohnungen.
  • Sogar OB Dieter Reiter schaltet sich ein - vergebens.

München - Das Gezerre um die Wohnbaupläne in der Parkstadt Schwabing geht weiter. Im Planungsausschuss des Stadtrats soll an diesem Mittwoch beschlossen werden, dass die Verwaltung die Verhandlungen mit dem Investor Argenta erneut aufnimmt. Der Projektentwickler will wieder seinen ursprünglichen Plan verfolgen und Gewerbe statt Wohnraum verwirklichen.

Laut Bebauungsplan sind Büroflächen zulässig. Diese waren zunächst auch vorgesehen. 2010 äußerte Argenta gegenüber der Stadt jedoch die Absicht, stattdessen Wohnungen zu bauen. Die Rede war von 800 Wohneinheiten.

Parkstadt Schwabing: Sturm der Entrüstung folgt auf Aus für die Wohnbaupläne

Nach dem Ende Oktober bekannt gewordenen Aus für diese Pläne  setzte bei den politischen Parteien ein Sturm der Entrüstung ein. Weiteres Gewerbe sei für die Entwicklung der Stadt ungesund, viel wichtiger seien Wohnungen, hieß es. Auch Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) bedauerte den Kurswechsel des Investors.

Weist die Vorwürfe diverser Parteien zurück: Stadtbaurätin Elisabeth Merk wehrt sich dagegen, schlecht verhandelt zu haben.

Von Kommunalpolitikern wurde Merk indes fehlendes Verhandlungsgeschick vorgeworfen. Auch die lange Verfahrensdauer wurde kritisiert. Offenbar hat die Stadt die Vorgaben für den Anteil von geförderten Wohnungen deutlich nach oben geschraubt, weshalb Argenta am Ende der Geduldsfaden gerissen ist.

Parkstadt Schwabing: 40,5 Hektar großes Quartier im Fokus

Das Bebauungsplanverfahren soll neun Jahre gedauert haben. Konkret geht es um ein 40,5 Hektar großes Quartier im Karree zwischen Schenkendorfstraße, Domagkstraße und Autobahn A9, das letzte unbebaute Areal in dem neuen Stadtteil. Dort arbeiten schon 12.000 Menschen, rund 2500 wohnen in der Parkstadt.

Nun soll der Fall neu aufgerollt werden. Merk hat Anfragen von SPD, CSU und Bayernpartei überraschend zügig beantwortet. Darin weist sie die Vorwürfe zurück. Das Vorhaben sei planungsrechtlich so komplex, dass es nicht schneller gegangen sei. Unter anderem hätten sich im Laufe der Jahre die Richtlinien für die Quote an gefördertem Wohnraum in Neubaugebieten geändert. Merk zufolge gibt es generell wieder einen Trend zu Büros statt Wohnungen bei Investoren.

Parkstadt Schwabing: Auch OB Reiter schaltet sich ein

Wie aus den Antworten weiter hervorgeht, hat sich auch OB Dieter Reiter (SPD) in den Konflikt eingeschaltet. Seine Bemühungen seien jedoch nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Der OB habe den geschäftsführenden Gesellschafter der Argenta in einem Telefonat darum gebeten, die Pläne zur Konversion in Wohnbebauung fortzuführen, „auch im Hinblick auf die soziale Verantwortung“. Der Investor sei bei seiner ablehnenden Haltung geblieben. Auch das Angebot, bei ihm mit allen Beteiligten ein Vermittlungsgespräch zu führen, sei abgeschmettert worden.

Der OB hat nach den Worten Merks allerdings erst aus der Presse vom Scheitern der Wohnbaupläne erfahren, was von der Bayernpartei heftig kritisiert wird: „Dass so große Bauvorhaben nach jahrelanger Arbeit des Planungsreferats scheitern und der OB nichts davon erfährt, ist sehr bedenklich“, erklärt Stadtrat Johann Altmann. Reiter habe offenbar seine Referenten nicht im Griff.

In der Parkstadt Schwabing arbeiten schon jetzt 12.000 Menschen, rund 2500 wohnen dort.

Parkstadt Schwabing: „Bürogebäude für weitere Hightech- und Start-up-Unternehmen“ geplant

Laut Merk hat Argenta in einem Schreiben vom 31. Oktober mitgeteilt, dass „auf der Grundlage des bestehenden Bebauungsplans architektonisch anspruchsvolle Bürogebäude für weitere Hightech- und Start-up-Unternehmen entstehen“. Die Nachfrage nach solchen Flächen sei in München „bekanntlich sehr hoch“. Nach Auskunft Merks könnten gemäß gültigem Bebauungsplan von 1999 mehr als 87.000 Quadratmeter Gewerbeflächen umgesetzt werden, jedoch nur 46 Wohneinheiten à 91 Quadratmeter. Diese Vorgabe will Argenta offenbar erfüllen. Jeder darüber hinausgehende Wohnungsbau sei optional. Der Investor könne nicht dazu gezwungen werden.

Weiter unterstützt wird von dem Investor hingegen das Konzept der „urbanen Mitte“ an der Kreuzung Lyonel-Feininger-/Anni-Albers-Straße. Dort sind Läden des täglichen Bedarfs, Gastronomie und ein Bürgertreff geplant. Man wolle sich hier finanziell beteiligen, zitiert Merk aus dem Schreiben der Argenta. Ob der Investor das erneute Verhandlungsangebot annimmt, ist unklar. Argenta hat bisher jede öffentliche Stellungnahme zu den Unstimmigkeiten verweigert.

Die Parknot in der Parkstadt bringt die Anwohner schier zur Verzweiflung. Auch Hotelgäste nutzen die wenigen Abstellmöglichkeiten für die Fahrzeuge.

Klaus Vick

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